Schatten auf dem Licht

Gesund / 06.11.2020 • 11:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Samstag vor dem Lockdown: Das kommt Ihnen sicher bekannt vor, denn so weit waren wir schon einmal. Im Frühjahr. Jetzt spielt das gleiche Lied. Dass ein Lockdown dräut, war klar, in welcher Form weniger. Da hielten sich die Herrn lange vornehm zurück. Stattdessen kursierten Spekulationen und vage Hinweise. Die Unsicherheit waberte wie der Nebel, der sich über die Landschaft gelegt hatte, durchs Gemüt. Da gab es nur eines: hinauf in die Sonne.

Irgendwo oberhalb von Bildstein fanden meine Begleitung und ich einen hübschen Waldweg, der uns noch einmal die zerbrechliche Kostbarkeit des Herbstes spüren ließ. Raschelndes Laub unter den Schuhen und Bäume, die sich, golden gefärbt, ein letztes Mal, so schien es, anstrengten, um den vorbeieilenden Menschen zu gefallen.

Natürlich gelang es nicht, das, was uns da neuerlich bevorstehen sollte, gänzlich aus den Gedanken und Gesprächen zu verdrängen, aber es fühlte sich, umgeben von reiner Natur, ein bisschen leichter und unbeschwerter an. Eine kleine Freiheit, die sogar zu ein bisschen Übermut verleitete, dazu, Pläne zu schmieden, wohlwissend, dass vorläufig und auf unbestimmte Zeit wohl nichts daraus werden würde. Trotzdem tat es gut, wenigstens einen kurzen Schritt in die Zukunft zu denken. Der Nebel würde wieder früh genug über uns zusammenschlagen und Schatten auf das Licht am Ende des Tunnels werfen.

Wir sollten aber trotzdem nicht zulassen, dass sie unser Leben verdunkeln. Jeder ist jetzt und schnell gefordert, seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. Es ist anzunehmen, dass niemand von einem Lockdown in den nächsten torkeln will, und das bis zum St. Nimmerleinstag. Es gibt Schöneres auf dieser Welt, einen Spaziergang im Herbst, zum Beispiel. Solche Aussichten sollten eigentlich Motivation genug sein, sich endlich am Riemen zu reißen.

 

Vermutlich will niemand bis zum St. Nimmerleinstag von einem Lockdown in den nächsten torkeln.

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