Kinder

Gesund / 13.11.2020 • 11:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Gespräche zwischen Kindern mit­anzuhören kann einen nebelgrauen Morgen zuweilen wunderbar erhellen. Dieser Tage war ich nach dem Frühstück und wie gewohnt mit meinem Hund unterwegs. Reste des nächtlichen Dunstes hielten sich zäh. Die Feuchtigkeit, die er hinterlassen hatte, lag noch schwer auf den Wiesen. Eine Szenerie, die zum Sinnieren animierte. Doch alsbald wurde sie von munterem Kindergeplapper durchbrochen. Ein Mädchen und ein Bub auf dem Weg zur Schule. Zweite oder dritte Klasse schätzte ich. Beide liefen hinter mir. Ihre Stiefel schleiften über den nassen Asphalt. Lauschen war nicht nötig, sie redeten laut genug.

Ihr Wortwechsel drehte sich um Führerscheine. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es ging um Führerscheine. Das Mädchen sagte: „Wenn ich den Fahrradführerschein habe, bekomme ich auch den Autoführerschein.“ Der Bub korrigierte altklug: „Nach dem Fahrradführerschein gibt es den Traktorführerschein und dann erst den Autoführerschein.“ Das wiederum wollte das Mädchen nicht glauben. So ging es eine Weile hin und her, ohne dass sie auf einen grünen Zweig, geschweige denn einen gemeinsamen Nenner kamen. Das war aber auch gar nicht nötig. Ein zum Mitnehmen am Straßenrand abgestelltes Möbel erregte ihre Aufmerksamkeit, und schon war die Führerschein­debatte friedlich beendet.

Ich musste schmunzeln. Wie charmant unkompliziert Kinder sein können. Wir sollten ihnen öfter zuhören, erst recht, wenn uns die Unbilden der Situation das Dasein zu vergällen drohen. Zudem benötigen Kinder gerade jetzt starke Erwachsene. Geben wir ihnen, was sie brauchen, um im Leben bestehen zu können, auch wenn es zuweilen herausfordernd ist und Kraft kostet. Es kommt zurück, und sei es nur als etwas, das zum Schmunzeln verleitet.

 

Gespräche zwischen Kindern mitanzuhören kann einen nebelgrauen Morgen zuweilen wunderbar erhellen.

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