Europäer trainieren ihre Muskeln zu wenig

Gesund / 27.11.2020 • 10:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei der Umfrage gaben gerade einmal 17,3 Prozent der Befragten an, zwei oder mehr Tage pro Woche Krafttraining zu betreiben. Adobe
Bei der Umfrage gaben gerade einmal 17,3 Prozent der Befragten an, zwei oder mehr Tage pro Woche Krafttraining zu betreiben. Adobe

Forscher untersuchten Europäische Gesundheitsumfrage. Österreich auf Platz fünf.

Wien Wer seine Muskelkraft trainiert, lebt im Schnitt gesünder und länger. Doch nicht einmal ein Fünftel aller Europäer kommt auf den empfohlenen Trainingsumfang von zwei oder mehr Tagen pro Woche. Das berichten Wissenschafter im Fachjournal „PLOS ONE“. Besonders wenig wird demnach in Südosteuropa gesportelt, Österreich befindet sich unter den 28 untersuchten Ländern auf Platz fünf, unmittelbar vor Deutschland.

Übungen wie Liegestütze, Kniebeugen, Gewichtstraining mit Hanteln oder an Geräten dienen dem Aufbau und Erhalt von Muskeln. Mehr und mehr Studien legen nahe, dass ein derartiges Krafttraining mindestens genauso wichtig für die Gesundheit ist wie etwa Laufen, Radfahren oder andere Arten des Ausdauertrainings. So wurden regelmäßige Muskelaufbau-Übungen unter anderem mit einem geringeren Risiko für Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Mindestens zweimal pro Woche

Entsprechend heißt es in den Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung von Deutschland neben dem Rat zu anderem Sport: „Erwachsene sollten zusätzlich muskelkräftigende körperliche Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche durchführen.“ Auch die gerade veröffentlichten Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO raten zu jenem Umfang an Muskeltraining und das vor allem Senioren. Eine Studie der australischen Universität von Southern Queensland zeigt nun aber, dass die wenigsten Erwachsenen in Europa dieser Empfehlung folgen. So analysierte ein Team um den Mediziner Jason Bennie 280.600 Datensätze der zweiten Runde der europäischen Gesundheitsumfrage (EHIS: European Health Interview Survey), die 2013 und 2014 in allen EU-Mitgliedsländern sowie Island und Norwegen erfolgt war. Die Wissenschafter konzentrierten sich auf Teilnehmer über 18 Jahre. Belgien und die Niederlande wurden nicht berücksichtigt, da Muskelkraft-Training dort nicht abgefragt wurde.

Emsige Nordeuropäer

Das Ergebnis der Auswertung: Gerade einmal 17,3 Prozent der Befragten gaben an, zwei oder mehr Tage pro Woche Krafttraining zu betreiben. Die emsigsten Sportler gab es dabei im Norden (Island, Schweden, Dänemark), die niedrigsten Zahlen im Südosten (Rumänien, Malta, Zypern) sowie Polen und Kroatien. Wie lange das jeweilige Training dauerte, wurde nicht gefragt. Zudem fanden die Forscher heraus, dass ein höheres Lebensalter, wenig Ausdauertraining und geringeres Einkommen oder Bildung mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit dafür einhergingen, hinreichend Muskelkraft zu trainieren. Übergewicht oder Fettleibigkeit sowie die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes als schlecht wirkten sich ebenso negativ aus. Frauen betrieben insgesamt weniger Krafttraining als Männer. Für die Autoren der Studie bieten all jene Faktoren Hinweise dafür, welche Gruppen besonders im Fokus möglicher Gesundheitsinterventionen stehen sollten.

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