Eine Erkrankung wie ein Chamäleon

Gesund / 19.03.2021 • 09:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Mastzellaktivierungssyndrom belastet Betroffene sehr.

lindau Mastzellaktivierungssyndrom: ein Begriff, den Laien nur schwer einordnen können. Betroffene wie Gabriele Stadler wissen umso besser, welches Leid dahintersteckt, und doch vermag auch sie die Krankheit, die offiziell noch keine solche ist, nur schwer in Worte zu fassen. „Das Mastzell­aktivierungssyndrom ist wie ein Chamäleon. Es wirkt sich immer wieder anders aus, ist kaum greifbar“, erzählt Stadler. Es gibt allerdings zwei Symptome, von denen viele heimgesucht werden. Das sind Magen-Darm-Probleme mit Bauchkrämpfen und Blähungen sowie Kopfschmerzen. Ebenso belastend für Betroffene ist das Gefühl, mit ihren Sorgen allein dazustehen. Selbst Ärzte würden kaum Bescheid wissen, sagt Gabriele Stadler. Die Lindauerin möchte deshalb im Bodenseekreis eine Selbsthilfegruppe initiieren. „So könnten wir uns wenigstens gegenseitig helfen und unterstützen.“

Hyperaktive Botenstoffe

Mastzellen sind als Teil der Immun­abwehr im ganzen Organsystem des menschlichen Körpers zu finden und dafür zuständig, den Organismus vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Verantwortlich für die Symptome des Mastzellaktivierungssyndroms (MCAS) sind die in den Mastzellen enthaltenen Botenstoffe. Davon gibt es über 200 und jeder Botenstoff kann unterschiedliche Symptome hervorrufen. Nehmen die Mastzellen etwas als Bedrohung war, werden die Botenstoffe in Sekundenschnelle ausgeschüttet. „Das heißt, die Mastzellen sind hyperaktiv“, erklärt Gabriele Stadler. Bei den Botenstoffen ist es vor allem das Histamin, das zur Abwehr der vermeintlichen Gefahr ausgeschickt wird. Während bei einer Histaminintoleranz eine Ernährungsumstellung meist reicht, um Besserung zu erzielen, ist das beim MCAS nicht der Fall. Die Therapie gestaltet sich laut Stadler schwierig. Es geht darum, die Mastzellen medikamentös zu stabilisieren und die Wirkung der gängigsten Mastzellmediatoren, allen voran das Histamin abzuschwächen.

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie besteht auch darin, seine persönlichen Auslöser zu identifizieren und möglichst zu meiden. „Leider gibt es zahlreiche Faktoren, die MCAS triggern“, weiß Gabriele Stadler aus leidvoller Erfahrung. Dazu zählen unter anderem körperliche und geistige Anstrengung, Stress, längere Autofahrten, hormonelle Umstellungen, Wetterwechsel und Nahrungsmittel. Sie hofft, viele Betroffene ansprechen und auch Ärzte für die Erkrankung sensibilisieren zu können. VN-MM

Weitere Informationen und Kontakt zur Selbsthilfegruppe HIT-MCAS-Bodensee unter: hit-mcas-bodensee@gmx.de, Telefon: 0049/160 99656999

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