Immer mehr Patienten wollen Vergleichbarkeit

Gesund / 02.04.2021 • 12:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Immer mehr Patienten wollen Vergleichbarkeit

Die dazu nötigen Plattformen schießen wie Pilze aus dem Boden.

Schwarzach Do-it-yourself-Patienten sind es gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. So auch die Wahl der Geburtshelferin, des Kinderarztes, der Dermatologin, des Physiotherapeuten, der Psychotherapeutin. Dabei wollen sie alle wichtigen Informationen online im Überblick, wollen verstehen, was die einzelnen Ärzte auszeichnet, von der Spezialisierung bis zu den Behandlungskosten, und sie wollen sehen, wie bisherige Patienten die Behandlung bewertet haben. Haben sie sich dann für einen Arzt entschieden, wollen sie sofort online einen Termin buchen.

Terminplanung im Griff

In diesem Kapitel beschreiben die Autoren anschaulich bereits etablierte Plattformen, und davon gibt es inzwischen viele. Die digitale Form der Patienten-Arzt-Beziehung setzt nämlich voraus, dass hinreichend viele Ärztinnen und Ärzte diese zum einen wollen und zum anderen einen Internetauftritt haben, der sie halbwegs vergleichbar macht und Bewertungen zulässt. Vor allem aber müssen die Praxen ihre Terminplanung digital im Griff haben. Als funktionierende Beispiele werden Unternehmen wie Practo in Indien, DocPlanner in Polen, RateMDs und Healthgrades in den USA, Hao Dai Fu in China oder Jameda in Deutschland, die Plattformen zur Lösung vorgenannter Probleme aufgebaut haben angeführt und ausführlich beschrieben.

Verknüpfung vereinfachen

Ihr Ziel ist es, einer möglichst großen Menge an Patienten eine möglichst große Auswahl an Ärzten gegenüberzustellen und die Verknüpfung von Patienten mit ihren Gesundheitsversorgern zu vereinfachen. Das Wachstum ist bereits riesig, jeden Tag kommen Tausende neue, von Patienten verfasste Online-Bewertungen auf den Plattformen dazu. Sie gewinnen an Einfluss auf die medizinischen Entscheidungen der Patienten. Die überwiegende Mehrheit der Patienten empfindet diese Ratings und die Möglichkeit der einfachen Terminvereinbarung als sehr hilfreich, aber nicht ganz so wichtig wie Empfehlungen durch Freunde und Familie. Ärztinnen und Ärzte hingegen sehen das Rating eher kritisch, denn ungerechtfertigt schädliche Postings beispielsweise können sie nicht widerlegen, ohne die Vertraulichkeit zu verletzen. VN-MM

Die Kernthesen des Kapitels

» Weil sich der Patient immer mehr als Kunde und Partner versteht, gewinnen Patientenerlebnis und Patientenzufriedenheit an Bedeutung.

» Patientenverfasste Ärztebewertungen wachsen exponentiell und bestimmen Patientenentscheidungen immer mehr.

» Das digitale „Word of Mouth”, die Mundpropaganda, wird neben dem tatsächlichen „Word of Mouth“ zum wichtigen Entscheidungskriterium. Das Management der digitalen Reputation ist eine neue Aufgabe für Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister.

» Gemessen an der Anzahl überholen Online-Konsultationen die physischen Konsultationen bei ärztlichen Routineaufgaben innerhalb kurzer Zeit.

» Digitale Arzthelfer reduzieren Subjektivität und Variabilität in der klinischen Diagnose und der Behandlungsempfehlung. Sie helfen, Fehler zu vermeiden. Sie werden mit dem verfügbaren Weltwissen mit jedem Tag genauer und zum unverzichtbaren Teammitglied bei jedem Arzt.

» Online-Apotheken machen physischen Apotheken zunehmend Konkurrenz mit – nicht immer seriösen – Angeboten für eine reibungslose und für den Patienten bequemen Hauslieferung von Arzneimitteln.

» Künftig wird es Angebote geben, bei denen Patienten all ihre Gesundheitsbedürfnisse in einem Schwung erledigen können. Solche One Stop Shops werden zu einem relevanten Dreh- und Angelpunkt des Gesundheitssystems von morgen.

» Unbemannte Mini-Kliniken erhöhen die Zugänglichkeit von Gesundheitsdiensten und reduzieren die Kosten für alle Beteiligten. Sie sind in absehbarer Zeit fixer Bestandteil von jedem guten Einkaufszentrum, von Produktionswerken, Flughäfen, Bahnhöfen, Bürogebäuden, von mancher Autobahnraststätte und jeder Universität.

» Digitalisierung ist der Schlüssel, wenn nicht sogar der einzige Weg, um den 3,4 Milliarden Menschen, die weniger als 5,50 US-Dollar pro Tag verdienen, Zugang zu hochwertiger Gesundheitsversorgung zu verschaffen.

 

Lesen Sie im nächsten Teil: Digitale Therapien