Digitale Hilfe bei Depressionen

Gesund / 02.07.2021 • 11:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
edupression.com ist inzwischen auch kostenlos im Google Play Store sowie im Apple App Store erhältlich.
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Vorarlberger entwickelte mit Ärzten ein evidenzbasiertes Selbsthilfeprogramm.

Wien Der Suizid eines gemeinsamen Freundes war für Daniel Amann und Lukas Pezawas, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin an der MedUni Wien, Anlass, eine Online-Plattform zu entwickeln, die depressive Menschen mit einem evidenzbasierten Selbsthilfeprogramm unterstützen soll. Dafür gründete der gebürtige Vorarlberger das Start-up edupression.com. Das Online-Angebot wurde von einem Team aus Ärzten und Psychologen entwickelt, umfasst 59 Einheiten aus unterschiedlichen Bereichen und enthält Videos, Informationselemente, Quizze und Übungen. „Unsere Vision ist es, einen sicheren Ort für Menschen zu schaffen, die an einer Depression leiden“, erklärt Amann. Die Plattform möchte Betroffene dabei unterstützen, ihre Krankheit zu verstehen, damit umzugehen und nach Möglichkeit zu überwinden. Das Angebot richtet sich aber auch an Therapeuten und Unternehmen.

Von Ärzten verschrieben

Digitale eHealth-Anwendungen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Sie sind nicht nur praktikabel, sondern auch kosteneffizient. In Deutschland beispielsweise können Ärzte bereits Apps verschreiben. Dorthin möchte der Vorarlberger auch mit edupression.com expandieren und sucht dafür Investoren. In Europa und den USA ist die Plattform bereits als Medizinprodukt zugelassen. Daniel Amann betont jedoch, dass bei einer möglichen depressiven Erkrankung immer der Arzt erste Anlaufstelle bleibt, denn: „Es gilt, körperliche Ursachen auszuschließen.“ Die Plattform läuft bereits im Vollbetrieb. Die Zahl der Nutzer gibt Amann mit rund 500 an.

In der Entwicklung und Entstehung habe edupression.com den Fokus stets auf das neueste Wissen der Depressionsforschung gelegt, betont ihr Erfinder: „Unsere Plattform stützt sich ausnahmslos auf wissenschaftlich-medizinisch fundierte Erkenntnisse und wird in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung, insbesondere der MedUni Wien, stetig weiterentwickelt.“ Maßgeblich beteiligt war auch Prof. Lukas Pezawas. Das Ergebnis stellt demnach eine vollständig evidenzbasierte Depressionstherapie dar, die sowohl in der Behandlung als auch in der Prävention Anwendung findet.

Praktische Erkenntnisse

Die Plattform vermittelt laut Amann keine psychologischen Dienstleistungen, sondern setzt auf das Konzept der Psychoedukation. Dabei wird Patienten umfangreiches Wissen zum Thema gelehrt, wodurch sie zu Experten rund um die eigene Krankheit werden sollen. „Das erhöht die Motivation und gleichzeitig können Muster frühzeitig erkannt sowie Verhaltensänderungen eingeleitet werden“, führt Amann aus. Ziel ist es, praktische Erkenntnisse zu vermitteln, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und Rückfälle zu verhindern, aber: „Wir möchten die herkömmliche Behandlungsmethoden nicht ersetzen, sondern ergänzen“, betont Daniel Amann. VN-MM

 

„Bei einer möglichen depressiven Erkrankung bleibt der Arzt erste Anlaufstelle.“