Stammzellenspende: Lebensretter nach 21 Jahren

Gesund / 18.07.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stammzellenspende: Lebensretter nach 21 Jahren
Glenn Spendlow vertrieb sich die Zeit während der Abnahme mit Musik. SPENDLOW

Nach so langer Zeit wurden die Stammzellen von Glenn Spendlow tatsächlich benötigt.

Bregenz Das Leben schreibt viele Geschichten. Manche sind so besonders, dass es sich lohnt, sie zu erzählen. Auch jene von Glenn Spendlow (48) fällt in diese Kategorie. Vor sage und schreibe 21 Jahren hatte sich der gebürtige Brite in Deutschland typisieren lassen. Anlass war ein Aufruf in einer Zeitung. „Für einen leukämiekranken Jungen wurden Stammzellspender gesucht“, erzählt Glenn Spendlow. Die Geschichte berührte ihn so sehr, dass er sich typisieren ließ. Danach geriet die Sache in Vergessenheit, zumindest bei ihm. Seine Spende allerdings blieb erhalten und wurde jetzt tatsächlich benötigt. Vor zwei Monaten fragte die Deutschen Knochenmarkspende (DKMS) bei Spendlow an, ob er noch zu seiner Entscheidung als Stammzellspender stehe. „DKMS, was ist das nochmal“, habe er sich im ersten Moment gedacht und auch darüber gewundert, dass ihn die Organisation gefunden hat. Seit Jänner 2019 lebt Glenn Spendlow nämlich in Vorarlberg. Der langen Rede kurzer Sinn: „Ich habe sofort zugestimmt, nachdem mir erklärt wurde, dass es einen Patienten gebe, für den meine Stammzellen passen könnten.“

Medikamentöse Therapie

Dann ging es los. Der potenzielle Lebensretter musste mehrere Fragebögen zu seinem Gesundheitszustand ausfüllen, außerdem bei der Hausärztin ein großes Blutbild anfertigen lassen. Letzteres zeigte, dass seine Stammzellen zu 100 Prozent passen. Um die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut zu steigern war als Vorbereitung auf die Entnahme eine medikamentöse Therapie über fünf Tage erforderlich. „Das Medikament verursachte zwar Kopf- und Gelenksschmerzen, und ich fühlte mich ziemlich schlapp“, berichtet Glenn Spendlow, doch er nahm diese Unpässlichkeiten gerne in Kauf. Schließlich ging es um ein Menschenleben. Vergangene Woche fuhr er schließlich ins Entnahmezentrum der DKMS nach Ulm, wo nach einer neuerlichen gründlichen Untersuchung mit der Stammzellentnahme begonnen wurde.

Fünf-Stunden-Spende

Bei Spendlow kam die sogenannte Apherese zum Einsatz. Es handelt sich um ein ambulantes Verfahren, bei dem die weißen Blutkörperchen direkt aus dem Blut gesammelt werden. Es wird laut DKMS in 80 Prozent der Fälle angewendet. Bei Spendlow dauerte der Vorgang gut fünf Stunden, dann konnte er das Entnahmezentrum schon wieder in Richtung Vorarlberg verlassen. In vier Wochen steht eine Nachkontrolle bei der Hausärztin an, auch die Mitarbeiter der DKMS fragen regelmäßig nach, wie es ihm geht. Glenn Spendlow geht es gut. Er hat auch schon einen anonymisierten Brief an den Empfänger seiner Stammzellen verfasst. Derzeit weiß er von ihm nur, dass es sich um einen US-Amerikaner im Alter von 30 aufwärts handelt. Der Patient könnte antworten, und Glenn hofft, dass er es tut: „Ich würde mich sehr freuen.“ In zwei Jahren besteht dann für beide Seiten die Möglichkeit, ihre Identitäten zu lüften.

Nach dem ambulanten Eingriff war Glenn Spendlow schnell wieder auf den Beinen. <span class="copyright">VN/MM</span>
Nach dem ambulanten Eingriff war Glenn Spendlow schnell wieder auf den Beinen. VN/MM

Der Statistik zufolge spendet ein registrierter Spender von 100 seine Stammzellen. Die Heilungschancen liegen nach der Transplantation bei etwa 50 Prozent, wobei dies auch von der Erkrankung abhängig ist. Bei Kindern liegt die Heilungschance mit 80 Prozent noch etwas höher. Spendlow würde wieder spenden, sollte dies nötig sein. Auch von seinem Dienstgeber, der Firma Rattpack in Wolfurt, erhielt er große Unterstützung. „Ich wurde für alle Untersuchungstermine freigestellt“, ist der Leiter der Entwicklungsabteilung dankbar. Seine Geschichte möchte Glenn Spendlow erzählen, um auf die Wichtigkeit von Typisierungen hinzuweisen.

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