Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Tiefe Stunde

Gesund / 22.10.2021 • 10:18 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Behutsam streift der neue Morgen die Dämmerung ab. Von den Bergen lugt der erste Schnee, und aus Schornsteinen kriecht Rauch, der nach Wärme schmeckt. Über dem Horizont bauscht sich eine dicke Nebelbank. Doch sie sollte an diesem Tag keine Chance haben, den Himmel zu verdunkeln. Unter meinen Schuhen brechen gefrorene Halme und Gräser, der Atem steigt in kleinen Wölkchen in die kalte Luft. Das ist meine „tiefe Stunde“. Da bin ich mit mir allein. Zumindest fast. Ab und an ruckelt die Leine, weil sich der Hund wieder irgendwo festgeschnuppert hat. Die kurzen Unterbrechungen stören jedoch nicht. Es geht ja meist rasch weiter. Schon sind Körper und Geist wieder in diesem trägen Flow, der für den Moment alles ausblendet, was nicht wichtig erscheint. Stattdessen nur Augenblicke speichert, die sich zu schönen Erinnerungen vernetzen.