Mythos und Wahrheit

Gesund / 07.01.2022 • 10:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer mit seiner Persönlichkeit nicht im Einklang ist, gerät leicht auch in die Mühlen der Sucht.caritas
Wer mit seiner Persönlichkeit nicht im Einklang ist, gerät leicht auch in die Mühlen der Sucht.caritas

Med Konkret informiert über Persönlichkeitsstörungen sowie Therapien.

Rankweil Von Persönlichkeitsstörungen spricht die Medizin, wenn bestimmte Eigenschaften, Verhaltensweisen oder Denkmuster einer Person so ausgeprägt sind, dass sie eine Anpassung an Stressstiuationen verhindern und ein angemessenes Verhalten dadurch behindern. „Betroffene sind emotional instabil oder besonders zwanghaft oder sehr leicht kränkbar“, fasst Primar Jan Di Pauli vom Landeskrankenhaus Rankweil zusammen. Diese Anlagen treffen auf drei bis vier Prozent der Bevölkerung zu.

Allerdings ranken sich nach wie vor auch Mythen um diese psychische Erkrankung. Wie es damit und der Wahrheit aussieht, darüber informieren Experten des Landeskrankenhauses Rankweil beim Med Konkret am 11. Jänner 2022 ab 18 Uhr. Die Vorträge von Primar Jan Di Pauli, Leiter der Erwachsenenpsychiatrie, und Sandra Oksakowski, Leitung Psychologie und Psychotherapie, finden online statt. Fragen zum Thema können vorab unter stammtisch@vn.at gestellt werden.

Zurückhaltung bei Diagnose

Jan Di Pauli und Sandra Oksakowski referieren im Rahmen des Med Konkret zu krankhaften Ausprägungen von Persönlichkeitsstörungen und informieren über die Bedeutung der Diagnosestellung sowie die diesbezügliche Verantwortung gegenüber Betroffenen. Eine Persönlichkeitsstörung entfaltet sich laut Di Pauli meist in der Jugend, dennoch gilt Zurückhaltung bei der Diagnose. „Auch im Rahmen der Pubertät können Krisen auftreten, die einer Persönlichkeitsstörung ähnlich sind“, begründet er. Deshalb werden Betroffene über einen längeren Zeitraum beobachtet. Die endgültige Diagnose erfolgt dann meist erst im Erwachsenenalter.

Eine Persönlichkeitsstörung resultiert aus einer Mischung von genetischen Faktoren und psychosozialen Umweltbedingungen. „Schwierige Verhältnisse in der Kindheit können das Risiko, an einer Persönlichkeitsstörung zu erkranken, erhöhen“, erklärt der Psychiater. Früher wurde davon ausgegangen, dass sich die Persönlichkeit mit dem Erwachsenwerden ausgebildet hat. Dem ist inzwischen nicht mehr so. „Persönlichkeitsentwicklung und -reifung sind ein Prozess, der das ganze Leben andauert“, erklärt Jan Di Pauli. Deshalb gehört die Annahme, Persönlichkeit sei etwas Unveränderliches, mit 18 abgeschlossen und eine Störung nicht mehr therapierbar, längst ins Reich der Mythen. „Man reift immer an der Persönlichkeit, selbst im hohen Alter“, stellt Di Pauli klar, und auch dass es gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. Oft bildet eine Persönlichkeitsstörung allerdings die Grundlage für andere psychische Erkrankungen.

Heftigkeit flacht ab

So reagieren Betroffene oft mit depressiven Verstimmungen. Auch Suchterkrankungen kommen bei Personen mit einer Persönlichkeitsstörung gehäuft vor. Schwerpunkt in der Behandlung ist die Psychotherapie. Nur wenn bestimmte Symptome, wie etwa jene einer Depression, oder Störungen der Impulskontrolle stark ausgeprägt sind, kommen auch Medikamente zum Einsatz. Laut Primar Jan Di Pauli flacht die Heftigkeit von Symptomen mit dem Alter ab. Sehr wenige Betroffene sind zeit ihres Lebens auf Medikamente oder Psychotherapie angewiesen. VN-MM

Med Konkret

Persönlichkeitsstörung – Mythos und Wahrheit

Referenten Primar Jan Di Pauli, Mag. Sandra Oksakowski, LKH Rankweil

Termin Dienstag, 11. Jänner 2022, online ab 18 Uhr

Teilnahme frei

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