Gesundheit im App-Format

Gesund / 14.01.2022 • 11:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Pandemie hat auf dem digitalen Gesundheitssektor in den vergangenen zwei Jahren allerhand möglich gemacht.apa
Die Pandemie hat auf dem digitalen Gesundheitssektor in den vergangenen zwei Jahren allerhand möglich gemacht.apa

Experten sehen in der Digitalisierung ein großes Marktpotenzial.

Wien Gesundheits-Apps stellen weltweit bereits einen riesigen Markt dar. Laut Statista betrug der Umsatz für diese Anwendungen auf mobiler Basis im Jahr 2017 bereits 2,4 Milliarden US-Dollar (2,11 Milliarden Euro). 2025 sollen es 11,2 Milliarden Dollar (9,85 Milliarden Euro) sein. Auch in Österreich hat sich eine sogenannte DiGA-Szene entwickelt.

Monitoring von Patienten

Ein großer Teil der Produkte entfällt bisher auf den Wellness- und Sportbereich. Digitale Gesundheitsanwendungen sind aber eindeutig die Mehrheit: Es finden sich Reha-Programme verschiedenster Art, zum Beispiel in der Orthopädie. Zu den DiGAs sind aber auch Programme zum Monitoring von Patienten zu rechnen. Zum Beispiel können Herzschwäche-Erkrankte über mobile Anwendungen Gesundheitsparameter einspeichern, die Kontrolle des Gesundheitszustandes erfolgt dann telemedizinisch. Es gibt Apps zum besseren Management von Diabetes oder auch Trainingsprogramme für betagte Sturzgefährdete.

Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) publizierte im Mai 2021 eine Marktanalyse zu diesem Sektor. Von den zum Erhebungszeitraum 3,4 Millionen Apps im Google Play Store entfielen 4,8 Prozent (163.000) auf den Bereich „Health & Fitness“ und „Medical“, unter den 1,8 Millionen Apps im Apple Store waren es 6,9 Prozent (121.000). „In den Kategorien (Health & Fitness, Medical) werden auch Medizin-Apps und DiGAs angeboten. Sie machen allerdings gegenüber den Gesundheits-Apps nur einen kleinen Anteil aus. Allein zwischen 2013 und 2018 stieg die Anzahl der weltweiten Downloads von mobilen Gesundheitsanwendungen von 1,7 Milliarden auf 4,1 Milliarden (Statista nach Research2Guidance, 2020). Bereits 2017 nutzten laut einer Umfrage des deutschen IT-Verbandes Bitkom 45 Prozent der Deutschen Gesundheits-Apps“, hieß es in dem Report.

Auch in Österreich regt sich die Digi-Health-Szene. Bei den Praevenire Talks auf der Schafalm in Alpbach wurde im Sommer vergangenen Jahres mit den Health Pioneers ein Dachverband für die österreichischen Unternehmen vorgestellt. Lukas Seper, Co-Founder von XUND Solutions und einer der maßgeblichen Proponenten des neuen Spitzenverbandes der im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung tätigen – und zum überwiegenden Teil noch zu den Start-ups gehörenden – Unternehmen stellte die Situation in Alpbach so dar: „In den vergangenen zehn Jahren sind im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) mehr als 150 Digital-Health-Start-ups mit Finanzierung durch Risikokapital gegründet worden. Mit einem Finanzierungsvolumen von rund einer Milliarde Euro ist das nach Großbritannien die zweitgrößte Region in Europa. Der Trend ist mit Corona noch weiter gestiegen. Zwei Drittel der Gründungen fanden in den vergangenen fünf Jahren statt.“

Zusätzlicher Schub durch Covid-19

Die Covid-19-Pandemie dürfte für digitale Gesundheitsanwendungen noch einen zusätzlichen Schub bedeuten. Franz Leisch (ELGA GmbH) erklärte anlässlich der Veranstaltung in Alpbach: „Die Coronakrise hat digitale Gesundheitsanwendungen wirklich allgemeinfähig gemacht. Wir sehen einen eindeutigen Trend. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um in den kommenden fünf Jahren aus Nischen in die breite Bevölkerung zu kommen.“

Doch bisher hieß es in Österreich vor allem: „Bitte warten!“ Irene Fialka, CEO des IniTS-Gründerservice von Universität Wien, TU Wien und Wirtschaftsagentur Wien, stellte einen für Österreich nicht unbedingt positiv abgelaufenen Problemfall mit einem DiGA-Produkt dar: „2010 ist ein Team zu uns gekommen. Es entwickelte mit mySugr eine digitale App, die Diabetes-Patienten hilft, ihre Therapie besser zu managen. Vor einem Jahr hatten wir ein Interview, und da ist ein Satz gefallen, der wirklich erschreckend ist: ‚MySugr ist heute in 80 Ländern der Welt aktiv. In Österreich haben die Gründer aufgegeben‘.“

„Die Coronakrise hat digitale Gesundheitsanwendungen allgemeinfähig gemacht.“

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