Ohne Psychotherapie geht nichts

Gesund / 14.01.2022 • 11:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sandra Oksakowski und Primar Jan Di Pauli vom Landeskrankenhaus Rankweil informierten und standen den Zuseherinnen und Zusehern anschließend umfassend Rede und Antwort. khbg
Sandra Oksakowski und Primar Jan Di Pauli vom Landeskrankenhaus Rankweil informierten und standen den Zuseherinnen und Zusehern anschließend umfassend Rede und Antwort. khbg

Die Behandlung einer Persönlichkeitsstörung kann jahrelang dauern.

rankweil Es ist ein sensibles Thema, denn wer möchte schon mit der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung konfrontiert werden. Deshalb wollte Primar Jan Di Pauli eines klargestellt haben: „Nur, weil jemand sonderbar ist oder seltsam, hat er noch keine Persönlichkeitsstörung. Gottes Garten ist bunt, wir haben alle unsere Akzentuierungen und Eigenschaften“, betonte er. Sind diese jedoch so ausgeprägt, dass der Betroffene damit im Alltag nur noch aneckt oder diesen nicht mehr bewältigen kann, ist ärztliche Hilfe angezeigt. Die Therapie von Persönlichkeitsstörungen fokussiert sich auf die Psychotherapie. „Ohne die geht gar nichts“, erklärte Di Pauli. Medikamentös können lediglich Begleitsymptome und  Begleiterkrankungen behandelt werden. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Persönlichkeitsstörung zu erkranken, liegt bei zehn Prozent. Laut Jan Di Pauli besteht ein hoher erblicher Faktor. Er gab diesen mit 40 bis 60 Prozent an. In sozial schwachen Familien treten Persönlichkeitsstörungen häufiger auf, gleiches gilt für den städtischen Raum.

Eine Persönlichkeitsstörung ist nicht einfach da. „Sie entwickelt sich im Laufe der Zeit“, berichtete Sandra Oksakowski, von ersten Auffälligkeiten in der späteren Kindheit und Pubertät. Es handelt sich um ein enges Zusammenspiel von Beziehungserfahrungen, hirnorganischen Prozessen, Stoffwechsel, Sozialisation und psychischen Erfahrungen. Betroffene eignen sich Verhaltensmuster an, aus denen sie irgendwann nicht mehr herauskommen. „Die Person selbst hat aber nicht wirklich einen Leidensdruck, dafür das Umfeld, was in der Folge häufig zu Konflikten führt“, skizzierte Oksakowski ein weiteres typisches Merkmal für eine Persönlichkeitsstörung. „Was wir nicht vergessen dürfen, ist, dass diese Personen auch über viele Eigenschaften verfügen, die noch intakt sind und sehr gut funktionieren. Es ist also nicht die gesamte Persönlichkeit gestört, sondern ein Teilbereich davon“, ergänzte die Psychotherapeutin.

Genaue Diagnostik

In der therapeutischen Arbeit erkenne sie oft massive Verletzungen und Mangelerfahrungen. Nähe und Halt fehlen, niemand ist da, der Orientierung gibt. „Häufig hören wir auch von Traumatisierungen.“ Die Folge sind unter anderem selbstverletzende Handlungen, suizidale Gedanken, Schlafstörungen und Albträume. Große Bedeutung hat deshalb die Diagnostik, denn: „Wir wollen, dass die Person die richtige Therapie erhält.“ Diese kann oft jahrelang dauern, bis es zu einer Verhaltensänderung kommt.

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