Chirurg und Roboter als ein Team

Gesund / 18.02.2022 • 10:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein OP-Roboter kann noch so gut sein, die lenkende Hand von geschulten Medizinern braucht er trotzdem. khbg
Ein OP-Roboter kann noch so gut sein, die lenkende Hand von geschulten Medizinern braucht er trotzdem. khbg

Med Konkret gibt umfassend Einblick in das Operationsrobotersystem DaVinci.

Feldkirch Roboterchirurgie? Das ist keine Frage mehr, sondern bereits Realität. Vor allem aber ist sie die Zukunft, und das nicht nur auf Behandlungsmethoden bezogen. „Sie spielt auch bei der Rekrutierung von medizinischem Personal eine große Rolle“, sagt Primar Alfred Hobisch, Leiter der Urologie im Landeskrankenhaus Feldkirch. Beim Anwerben von Ärzten ist der Wettbewerb bekanntermaßen besonders hart. Doch das LKH Feldkirch kann robotertechnisch punkten. Seit Anfang 2020 verfügt das Schwerpunktspital über ein Operationsrobotersystem mit dem klingenden Namen DaVinci. Am 21. Jänner wurde der erste Eingriff durchgeführt. Demnächst wird die Zahl von 149 erreicht. Zum Einsatz kommt der Roboter bis dato vor allem bei Prostatakrebs. Künftig soll er aber auch vermehrt bei Eingriffen an den Nieren in Dienst gestellt werden.

Neuer Pflegeschwerpunkt

Wie das System und das Zusammenspiel von Chirurg und Roboter funktioniert, ist Thema des aktuellen Med Konkret. Am Dienstag, 22. Februar 2022, informieren Primar Alfred Hobisch, Oberarzt Andreas Berger sowie Annemarie Schefzik, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, ab 18 Uhr online über die Möglichkeiten, die diese revolutionäre Technik bietet. Im Anschluss an die Vorträge beantworten die Experten auch Fragen, die gerne schon im Vorfeld unter stammtisch@vn.at gestellt werden können.

Gleichzeitig bildet das Med Konkret im Februar den Auftakt zu einem neuen Schwerpunkt. Er ist der Pflege gewidmet und bildet sich nicht nur im Programm ab. Die Programmleitung wurde ebenfalls dahingehend erweitert. Pflegedirektor Michael Schneffknecht und die stellvertretende Pflegedirektorin Maria Lackner lassen ab sofort ihre Expertise in die Themenauswahl miteinfließen. Damit entwickelt sich die Veranstaltungsreihe mehr als sechs Jahre nach ihrer Gründung zu einer umfassenden Gesundheitsplattform, indem sie noch besser die gesamte Patientenbehandlung in den Landeskrankenhäusern darstellen kann.

Schnellere Mobilisation

Am kommenden Dienstag wird Annemarie Schefzik die Vorteile eines roboterassistierten Eingriffs aus Pflegesicht erläutern. Fakt ist, dass die Patienten deutlich schneller mobilisiert werden können. So beginnt die Mobilisation nach einer Nieren-OP oft noch am gleichen Tag. Primar Alfred Hobisch berichtet in diesem Zusammenhang von drei Patienten, die bereits am nächsten Tag schmerzfrei entlassen werden konnten. In der Praxis heißt das: Die Komplikationsrate ist geringer, die Patienten können früher nach Hause, und sie benötigen viel weniger Schmerzmittel. Hobisch spricht von einer Reduktion von 90 Prozent. Ebenso kann sich die Ersparnis an Krankenhaustagen sehen lassen. Der Chef der Urologie gibt sie mit gut 700 Tagen pro Jahr an, was auch die Kosten senkt.

Über 200 Stunden Trockentraining

Der Umgang mit dem Roboter erfordert jedoch Erfahrung und Können. Alfred Hobisch und sein Kollege Andreas Berger hatten über 200 Stunden an Trockentraining hinter sich, ehe sie zum ersten Mal die sieben Pedale an der Konsole und die fragilen Instrumente bedienten. Ein Nadelhalter beispielsweise misst gerade einmal fünf Millimeter. Der Chirurg selbst sieht das Operationsfeld dreidimensional. „Man hat das Gefühl, als ob man sich direkt im Körper befindet“, erzählt Alfred Hobisch. Derart hautnahe Eindrücke sollen auch dem Med Konkret-Publikum in Form von zwei Videofilmen vermittelt werden. Ein Film zeigt eine virtuelle Operation im Simulator. Das LKH Feldkirch war das erste Krankenhaus in Österreich, das einen OP-Simulator erhielt. Auch darauf ist Primar Hobisch stolz. Der zweite Film zeigt den Mediziner während einer der zahlreichen Übungsphasen. „Es läuft also alles unblutig ab“, verspricht er. Dafür ist ein spannender Med Konkret-Vortrag garantiert. VN-MM

„Nach einem Roboter-Eingriff benötigen Patienten deutlich weniger Schmerzmittel.“

Med Konkret

Medizin 4.0 – das DaVinci Operationsrobotersystem

Referenten Primar Alfred Hobisch, Oberarzt Andreas Berger, DGKP Andrea Schefzik, LKH Feldkirch

Termin Dienstag, 22. Februar 2022, ab 18 Uhr online, die Teilnahme ist kostenlos