Lange Schatten des Coronavirus

Gesund / 01.04.2022 • 10:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Massive Kopfschmerzen sind ein Symptom, das Long Covid monatelang hinterlassen kann.  adobestock
Massive Kopfschmerzen sind ein Symptom, das Long Covid monatelang hinterlassen kann.  adobestock

Michaela Mörth organisiert eine Selbsthilfegruppe „Long Covid“. Start ist im Mai.

Feldkirch Es war im Oktober 2020, als Michaela Mörth (40) positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Lang, lang ist’s her, und doch leidet sie immer noch an den Nachwirkungen der Infektion. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt, Erschöpfung ein ständiger Begleiter. Auch Konzentration, Merkfähigkeit und Wortfindung belasten die junge Frau. „Genesene, die sich krank fühlen, sind in Vergessenheit geraten“, stellt sie nüchtern fest. Das möchte Michaela Mörth mit der Gründung einer Selbsthilfegruppe „Long Covid“ ändern. Treffen finden ab 16. Mai jeden dritten Montag im Monat im Büro der Selbsthilfe Vorarlberg in Dornbirn statt. Die Initiatorin glaubt fest an einen Bedarf: „Es gilt die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Long Covid nicht etwas ist, das einfach so erfunden wurde.“

Michaela Mörth ist Psychotherapeutin. Seit 2021 betreibt sie eine Praxis in Feldkirch. Davor arbeitete sie im Krankenhaus. Dort habe sie sich wohl mit dem Coronavirus angesteckt, vermutet sie. Mörth berichtet von einem mittelschweren Verlauf. Anfangs waren es eher untypische Symptome, weshalb sie Müdigkeit und Erschöpfung für sich als klassische Symptome von Stressabfall einordnete. Dann kamen Schnupfen und starke Kopfschmerzen dazu. Der Hausarzt schrieb sie eine Woche krank. Noch immer schöpfte Mörth keinen Verdacht. Was ihr aber sehr wohl als ungewöhnlich auffiel: Es zeigte sich keine Besserung. Im Gegenteil. Plötzlich waren auch Geruchs- und Geschmackssinn weg. Weder Chili noch scharfes Mundwasser schlugen an. Schließlich machte sie einen Coronatest, und der fiel Länge mal Breite positiv aus.

Körperliche Defizite

Quarantäne war angesagt. Doch am Gesundheitszustand änderte sich wenig. Die Kopfschmerzen blieben, die Erschöpfung wollte ebenfalls nicht weichen. „Ich habe extrem viel geschlafen. Trotzdem fühlte ich mich nie ausgeruht“, berichtet Michaela Mörth, die nach der Absonderung noch viereinhalb Wochen im Krankenstand war. Anschließend nahm sie langsam wieder ihre Arbeit auf. Ein zähes Unterfangen. „Vorher habe ich locker zehn Stunden geschafft“, sagt sie. Jetzt braucht sie regelmäßige Pausen. Zurückgekehrt sind Geruchs- und Geschmacksinn, wenn auch in veränderter Form. „Manchmal rieche ich Dinge, die gar nicht da sind.“ Die junge Frau erzählt es mit einem Schmunzeln. Diese Folge der Covidinfektion kann sie mit Humor nehmen. Die körperlichen Defizite machen ihr hingegen schon zu schaffen. Ebenso der Umstand, dass von Außenstehenden mitunter sofort „etwas Psychisches“ in ihren Zustand hineininterpretiert wird.

Keine Anlaufstelle

Mit solchen Vorurteilen will Michaela Mörth aufräumen. Einen Beitrag soll die geplante Selbsthilfegruppe leisten. „Es gibt sonst keine Anlaufstelle“, bedauert sie. Sie jedenfalls habe oft den Wunsch gehabt, jemanden zu treffen, der sagt, so geht es mir auch. Deshalb wandte sich Michaela an die Selbsthilfe Vorarlberg, weil es auch dort immer wieder Anfragen zu Long Covid gab. Demnächst tritt Michaela Mörth einen dreiwöchigen Reha-Aufenthalt an. Sie möchte fit sein für den Start der Selbsthilfegruppe, weil sie ihr enorm wichtig ist. VN-MM  

„Ich habe extrem viel geschlafen. Trotzdem fühlte ich mich nie ausgeruht.“

Lange Schatten des Coronavirus

Selbsthilfegruppe: Start 16. Mai, jeden 3. Montag im Monat, Beginn 19 Uhr. Weitere Infos unter Tel. 0699/17136406, E-Mail: long.covid.vorarlberg@gmail.com

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