Hilfe gegen die Sprachlosigkeit

Gesund / 06.05.2022 • 09:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein rasches medizinisches Eingreifen ist speziell bei einem Schlaganfall überlebenswichtig.khbg
Ein rasches medizinisches Eingreifen ist speziell bei einem Schlaganfall überlebenswichtig.khbg

Othmar Walser hat eine Selbsthilfegruppe Aphasie gegründet.

Bregenz Aphasie: Wohl nur wenige konnten bislang mit diesem Begriff etwas anfangen. Ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte er, als Hollywoodstar Bruce Willis unlängst sein Karriereende mit dieser Erkrankung begründete. Bei Aphasie handelt es sich um eine schwerwiegende Sprachstörung, deren Ursache in einer Beschädigung der Gehirnregionen liegt, welche die Sprache steuern. Häufigster Grund für eine Aphasie ist der Schlaganfall, aber auch Schädel-Hirn-Traumata, Hirntumore oder Entzündungen im Gehirn können eine solche auslösen. Betroffenen fällt es schwer, Wörter und Laute zu bilden, zu lesen, zu verstehen oder Gesagtes zu wiederholen. „Um solche Schädigungen so gering wie möglich zu halten, ist speziell bei einem Schlaganfall eine schnelle Intervention wichtig“, betont Primar Philipp Werner, Leiter der Stroke Unit und Akutneurologie am LKH Feldkirch bzw. Rankweil.

Aphasie-Ausweis geplant

Daten über die Anzahl von Aphasie-Patienten im Land gibt es nicht. Einer, der weiß, was es heißt, die Sprache zu verlieren, ist Othmar Walser. Im Juni 2017 erlitt der heute 68-Jährige einen Schlaganfall, der auch sein Sprachzentrum massiv in Mitleidenschaft zog. Drei Wochen lag er im LKH Feldkirch, danach mehrere Wochen im LKH Rankweil. Danach dauerte es noch eineinhalb Jahre, ehe Walser mit Unterstützung von Logopädinnen der Sozialmedizinischen Organisation (smo) wieder einigermaßen reden konnte. „Ich habe immer noch Probleme, speziell, was Konzentration und Kurzzeitgedächtnis betrifft“, erzählt Othmar Walser. Doch er hat sich mit aller Kraft ins Leben zurückgekämpft und gibt seine Erfahrungen jetzt im Rahmen der Selbsthilfegruppe Aphasie weiter.

Er bedauert, dass sich Betroffene oft immer noch mit ihrer Situation abfinden. Das möchte Othmar Walser nicht so stehen lassen, weil er die Verzweiflung, die damit oft einhergeht, kennt. Neben der Selbsthilfegruppe ist es ihm deshalb auch ein Anliegen, die Möglichkeiten sprachunterstützter Kommunikation aufzuzeigen und zu vermitteln. Inzwischen gibt es nämlich zahlreiche Tools, die bei Sprachstörungen eingesetzt werden können. Zudem soll demnächst ein sogenannter Aphasie-Ausweis aufgelegt werden. Er signalisiert dem Gegenüber: Ich habe eine Sprachbehinderung. Ich kann klar denken. Ich brauche Zeit zum Sprechen und Verstehen. Weiters ist der Ausweis mit Abbildungen versehen, die dem Aphasiker eine Verständigung ermöglichen. Der Ausweis soll in Krankenhäusern sowie bei Ärzten, sozialen und Reha-Einrichtungen aufliegen.

Logopädische Früh-Reha

Sprachverarbeitungsstörungen werden unter der Bezeichnung Dysphasie zusammengefasst. Die ausgeprägteste Form ist die Aphasie. Das Sprachzentrum befindet sich bei Rechtshändern links und bei Linkshändern rechts im Gehirn. Um Sprache aufnehmen und nach außen bringen zu können, braucht es zwei Bereiche, das Broca-Zentrum, das sich im Schläfenbereich befindet, und das Wernicke-Zentrum, das weiter hinten liegt. „Beide Zentren sind durch Nervenbahnen verbunden und müssen eng kommunizieren, um zu funktionieren“, veranschaulicht Primar Philipp Werner. Bei einem Schlaganfall kann es zu Lähmungen auch in diesen Bereichen kommen. Durch eine rasche medizinische Intervention lassen sich weitreichende Folgen aber verhindern oder die Auswirkungen zumindest minimieren. Laut Werner wird bei Sprachstörungen bereits auf der Stroke Unit mit der logopädischen Frührehabilitation begonnen. Ebenfalls immer mit im Boot ist die Ergotherapie, die dafür sorgen soll, dass auch alltägliche Verrichtungen wieder möglich sind. VN-MM

Selbsthilfegruppe Aphasie: Treffen jeden 4. Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr, Selbsthilfe Vorarlberg, Dornbirn; Treffen jeden 2. Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Lebensraum Bregenz; Infos: othmar.walser@gmx.at