Marlies Mohr

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Marlies Mohr

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Gesund / 19.08.2022 • 10:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zwei junge Frauen. Eigentlich noch Teenager. Gerade einmal 15 und 17 Jahre alt. Die eine wollte Krankenschwester werden, die andere Architektur oder Mode studieren. Dann kam Corona und durchkreuzte ihre Pläne, denn es blieb nicht bei der Infektion. Beide mussten sich auch noch mit den Folgen von Long Covid herumschlagen. Permanente Müdigkeit, Kopfschmerzen und Geruchs- bzw. Geschmackssinn weg oder nur noch vage vorhanden. Eindrücklich die Darstellung, in der die Mädchen in einem Therapieraum einer Reha-Klinik stehen, vor sich einen Teller mit dicken Zitronenscheiben darauf. Sie beißen herzhaft hinein. Wo es mir schon beim Zusehen die Haare aufstellt, verziehen sie keine Miene. Danach gibt es Schokolade. „Schmeckt wie Erde“, sagt die eine. Ihre Leidensgenossin nickt zustimmend und erzählt ein paar Szenen später: „Oft rieche ich Rauch, wo gar kein Feuer ist.“ Dann fügt sie noch an: „Es ist ein ganz anderes Leben.“

Die Schilderungen stammen aus einer Doku-Serie, die im ZDF läuft. Sie nennt sich „Herz und Viren“ und erzählt von Helden in Krankenhäusern, die beinahe Übermenschliches leisten, um Covidpatienten zu helfen. Ich habe nicht mehr den ganzen Teil gesehen, aber mittlerweile lässt sich ja alles in Mediatheken nachsehen. Die Mädchen sind inzwischen aus der Reha entlassen. Die Nachwirkungen der Infektion spüren sie immer noch. Was sie besonders bekümmert hat: „Niemand glaubte uns!“ Doch sie zeigen Stärke. Die Ausbildung zur Krankenschwester stand lange auf der Kippe, weil die Betroffene kaum einen Schultag durchhielt. Jetzt schöpft sie wieder Hoffnung. Auch die jüngere der beiden will allen noch vorhandenen Einschränkungen zum Trotz an ihrem Berufswunsch festhalten. Ein Blick in die Doku lohnt. Sie verändert so manche Ansichten.

Marlies Mohr

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