Jugendpsychiaterin fordert Schulfach „Psychische Gesundheit“

Gesund / 02.09.2022 • 09:07 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Der Mädchenanteil stieg im Jahr 2021 auf 74,4 Prozent.
Der Mädchenanteil stieg im Jahr 2021 auf 74,4 Prozent.

Kinder und Jugendliche hätten damit ein „besseres Rüstzeug“ bei psychischen Erkrankungen.

Innsbruck Die Tiroler Kinder- und Jugendpsychiaterin und Psychotherapeutin Kathrin Sevecke fordert schnellstmöglich flächendeckend und österreichweit ein Schulfach „Psychische Gesundheit“. Damit gebe man den Kindern und Jugendlichen ein „besseres Rüstzeug“ bei psychischen Erkrankungen und Symptomen in die Hand und senke die „Hemmschwelle für die frühzeitige Hilfesuche“, sagt sie.

40-prozentiger Anstieg

Ein solches Schulfach sei nicht nur aufgrund des nahenden Schulstarts, der eine zusätzliche psychische Belastung bedeute, sondern auch wegen der Folgen der Coronapandemie und der Lockdowns dringend vonnöten, argumentierte die Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Hall und Innsbruck. „Die Akutaufnahmen an der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie sind im Vergleich zu 2019 im Jahr 2021 um rund 40 Prozent angestiegen“, nimmt Sevecke auf eine von ihr geleitete Studie Bezug.

Rollenbilder

Allein auf etwaigen Schulstress, Home-Schooling oder Isolation in Coronazeiten will Sevecke diese Entwicklung aber nicht reduzieren. „Der Mädchenanteil stieg im Jahr 2021 zwar auf 74,4 Prozent“, berichtet die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Mädchen sind in der Phase der Adoleszenz aber generell sensibler“, so Sevecke. Dazu kämen emotionaler und psychischer Druck beispielsweise durch Rollenbilder oder Schönheitsideale.

Dennoch verstärke Corona diesen Druck natürlich noch. „Der Online-Konsum ist klar gestiegen und damit auch die Auseinandersetzung mit solchen Themen in den sozialen Netzwerken“, sagt sie. Problematisch sei zudem, dass derzeit neue Krisen hinzukämen.