Heilsame Radioaktivität

Gesund / 23.09.2022 • 11:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Primar Alexander Becherer und Monika Neuhauser informierten die Med Konkret-Interessierten umfänglich über ihre Tätigkeitsbereiche. khbg
Primar Alexander Becherer und Monika Neuhauser informierten die Med Konkret-Interessierten umfänglich über ihre Tätigkeitsbereiche. khbg

Nuklearmedizin ist ein wichtiger Partner bei Diagnostik und Therapie.

feldkirch Auf dieser Station strahlt alles, zumindest im übertragenen Sinn. Auf der Abteilung für Nuklearmedizin im LKH Feldkirch gereicht Radioaktivität allerdings nicht zum Schaden für Menschen, sondern bringt heilsamen Nutzen. In welcher Form dies erfolgt, darüber informierten Primar Alexander Becherer und Diplomkrankenschwester Monika Neuhauser zum Auftakt der neuen Med Konkret-Reihe. „Die Definition unseres Faches ist sehr einfach. Wir beschäftigen uns mit offenen radioaktiven Stoffen, die wir für Diagnostik und Therapie einsetzen“, stellte Becherer an den Beginn seiner Ausführungen. Die Diagnostik funktioniert mittels spezieller Messgeräte, wobei der PET-CT-Scanner das technisch aufwendigste ist, und auch ganz einfachen Messsonden.

Lokale Strahlung

Bei der Therapie kommen radioaktive Medikamente zum Einsatz. „Einige Erkrankungen binden radioaktive Medikamente so fest, dass wir damit eine lokale Bestrahlung bei Schonung des übrigen Körpers durchführen können“, erläuterte Alexander Becher und betonte zusätzlich die sehr gute Verträglichkeit von nuklearmedizinischen Behandlungen. Die Substanzen können oral und intravenös verabreicht oder direkt gespritzt werden, wie dies beispielsweise bei Gelenkerkrankungen der Fall ist. Die Strahlung wirkt lokal, der übrige Körper bekommt nichts ab. Becherer berichtete auch von einer radioaktiven Paste, mit der sich weißer, nicht operabler Hautkrebs adäquat behandeln lässt.

Die Nuklearmedizin stellt die Funktion der diversen Organe oder von Tumoren dar und kann damit nachweisen, ob etwa ein Tumor nach einer Therapie noch lebt oder schon abgestorben ist. „Wir verwenden ein radioaktives Mittel, ohne irgendetwas zu beeinflussen, und verfolgen damit einen Prozess. Die Medikamente sind praktisch  nebenwirkungsfrei. Die Strahlenwirkung nimmt man in Kauf, weil der Nutzen das mögliche Risiko deutlich überwiegt“, sagte Becherer. Die Substanzen finden sich vorwiegend in der Tumordiagnostik, sie kommen aber auch in der Herzdiagnostik zum Einsatz. Weitere Untersuchungsbereiche sind Orthopädie, Nieren und die Schilddrüse als Hauptgebiet der Nuklearmedizin. Die laut Becherer häufigste Gehirnuntersuchung betrifft jene auf Morbus Parkinson.

Vielfältige Möglichkeiten

Behandelt werden können Unter- und Überfunktionen der Schilddrüse, seltene Krebsarten, Gelenkerkrankungen vom Knie bis hin zum kleinen Fingergelenk, sowie seit dem vergangenen Jahr auch bestimmte Lebertumore. Sie werden mit radioaktiven Partikeln embolisiert. Die klassische nuklearmedizinische Behandlung bei Schilddrüsenproblemen stellt die Radiojod-Therapie dar. Sie ist angezeigt, wenn eine medikamentöse Behandlung der Überfunktion nicht fruchtet. Der Patient schluckt eine kleine Kapsel, aus der sich die Schilddrüse das Jod holt, das Übrige wird ausgespült. Die Bestrahlung bleibt lokal beschränkt. Gutartige Knoten lassen sich auch minimal-invasiv mittels der sogenannten Radiofrequenzablation (RAF) entfernen. Welche Methode die richtige ist, ist eine individuelle Entscheidung.

Kurz streifte Primar Alexander Becherer das Problem der atomaren Bedrohung. Die größere Gefahr geht demnach nicht von Nuklearwaffen, sondern von Reaktorunfällen aus, deren radioaktives Material Menschen und Boden kontaminieren können. Becherer verwies darauf, dass für den Ernstfall genug Jodtabletten vorhanden sind und es keine Bevorratung braucht. Monika Neuhauser gab einen umfassenden Überblick über das, was Patienten auf Station erwartet, was sie zu beherzigen haben und welche Vorsichtsmaßnahmen die Strahlenschutzverordnung vorsieht.

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