Das Leben gefeiert

Gesund / 14.10.2022 • 11:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Frauenselbsthilfe kann sich auf viele engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter stützen.tschirnich/bildoase
Die Frauenselbsthilfe kann sich auf viele engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter stützen.tschirnich/bildoase

Frauenselbsthilfe nach Krebs beging 40-Jahr-Jubiläum.

Dornbirn Es ist lange her, aber nicht vergessen. Vor 40 Jahren wurde die Frauenselbsthilfe nach Krebs gegründet. Ins Leben gerufen von Prof. Elmar Blum und seiner Frau Reingard, die die Nöte der betroffenen Frauen sahen und erste Schritte setzten. Der Motor hinter dem Aufbau der Selbsthilfe war Christl Zimmermann. Die eigene Betroffenheit animierte die mittlerweile 83-Jährige Bludenzerin zu einem resoluten Vorgehen. Inzwischen hat sich die Frauenselbsthilfe als Angebot in der Gesundheitslandschaft etabliert. Gleich geblieben sind die Ziele, nämlich Frauen Mut und Hoffnung geben, aber auch Ängste miteinander teilen. „Die Frauen schätzen es sehr, mit einer Frau, die eine solche Erkrankung durchgemacht hat und der es wieder gut geht, zu reden“, weiß Monika Jäger, Koordinatorin der Frauenselbsthilfe.

Tastkurse

Jährlich erkranken in Vorarlberg etwa 200 Frauen an Brustkrebs. Die Frauenselbsthilfe zählt aktuell 251 Mitglieder. „Pro Jahr haben wir 20 bis 25 Neueintritte“, berichtet Monika Jäger. Ein wichtiger Arbeitsbereich ist die Vorsorge. Intensiv wird auf die Notwendigkeit der Früherkennung durch Vorsorge aufmerksam gemacht. „Wir haben für die monatliche Selbstuntersuchung wasserfeste Duschaufhänger drucken lassen, die Anleitung zum richtigen Abtasten der Brust geben, und sogar ein lebensechtes Oberkörpermodell mit verschiedenen, zu ertastenden Knoten in der Brust erworben. Damit bieten wir in Zusammenarbeit mit der Krebshilfe Tastkurse an“, erklärt Jäger. Zudem gibt es vier Gesprächsgruppen im Land. Eine neue Gruppe nennt sich „Pink breakfast“, wobei der Name Programm ist. „Zusammenkünfte werden per WhatsApp organisiert“, ergänzt Monika Jäger.

Brief und Herzkissen

Die Frauenselbsthilfe kämpft auch immer wieder um Verbesserungen für Betroffene. So wurde mit Unterstützung der Krebshilfe beharrlich auf die Möglichkeit einer Wiedereingliederungsteilzeit bestanden. Am 1. Juli 2017 war es soweit. Seither kann nach einem längeren Krankenstand und mit Einverständnis des Arbeitgebers ein sanfter Wiedereinstieg ins Berufsleben stattfinden. Die Kosten tragen Unternehmen und ÖGK. Eine sehr persönliche Aktion ist jene, betroffenen Frauen ein Herzkissen zu nähen. Es wird den Patientinnen jeweils am Abend vor der Operation mit einem Brief übergeben. Diese Aufgabe übernimmt das Krankenhauspersonal, aber: „Viele Frauen wollen sich danach für das Kissen bedanken, und so kommen wir ins Gespräch“, schildert Monika Jäger einen Zugang und führt noch etwas Bedeutendes ins Treffen: „Durch jahrelange Erfahrung haben wir viel Wissen weiterzugeben und durch gute Vernetzung viele Möglichkeiten, den Frauen bei Entscheidungen zu helfen.“ Das Schönste aber sei, fügt sie noch an, den Frauen bei so einem Gespräch wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Gut entwickelt

Christl Zimmermann blickt ebenfalls zufrieden auf die Entwicklung der Selbsthilfe zurück. „Es ist großartig, in Vorarlberg so engagierte Frauen zu haben“, drückt sie Dank und Wertschätzung für alle aus. Das Fest zur Feier des Lebens, wie das Motto der Jubiläumsveranstaltung lautete, bezeichnet Zimmermann als Demonstration, wie lebensfroh man auch nach einer Krebserkrankung sein kann. Glücklich ist sie auch darüber, dass sich im Laufe der Zeit viel von dem, was damals zu wünschen übrigließ, zum Besten gewandelt hat: „Wir haben sehr bemühte Ärzte, die auf dem neuesten Stand der Behandlungsmöglichkeiten sind. Der von uns verlangten Spezialisierung in den Spitälern wurde mit der Schaffung von Brustzentren in Feldkirch und Dornbirn ebenfalls entsprochen, und das gegen den Widerstand von Ärzten.“

Zimmermann sorgte mit beherzten Interventionen dafür, dass Brustkrebs-Patientinnen zur Reha in eine Klinik nach Scheidegg konnten, und sie vermittelte ihnen Wissen über passende Prothesen und Perücken. Die „Wischmops auf den Köpfen“ verschwanden alsbald von der Bildfläche. Ihr couragiertes Auftreten bei der Jahreshauptversammlung der Krebsgesellschaft der Ärzte 1982 führte schließlich zur Krebshilfe für Patienten. „Zum Glück waren einige der Ärzte auf meiner Seite und verstanden meine Kritik“, rekapituliert Christl Zimmermann und kann sagen: „Vorarlberg ist das einzige Bundesland, in dem sich die Selbsthilfegruppen von Krebspatienten in der Krebshilfe gut aufgehoben fühlen.“ VN-MM

Dieses liebevoll gefertigte Herz führt meist zum Kontakt.
Dieses liebevoll gefertigte Herz führt meist zum Kontakt.

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