Zeit als wertvolles Gut

Gesund / 18.11.2022 • 11:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bis zum Schluss in Würde leben und sterben: Die Palliativmedizin macht es möglich.afp
Bis zum Schluss in Würde leben und sterben: Die Palliativmedizin macht es möglich.afp

Med Konkret informiert über Möglichkeiten der Palliativpflege.

Hohenems Das Vorurteil lässt sich nur schwer ausräumen, und das beschäftigt auch die Mitarbeitenden der Palliativstation am Landeskrankenhaus Hohenems. „In der Gesellschaft herrscht vielfach noch das Bild vor, dass wir eine Sterbestation sind“, weiß Christoph Miller. Seit neun Jahren arbeitet der diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger nun schon auf der Palliativstation und kann sagen: „Viele unserer Patienten gehen wieder nach Hause.“ Wichtig sei, frühzeitig palliativ einzugreifen. Was die Palliativmedizin und Palliativpflege bei einer schweren Erkrankung oder am Ende des Lebens noch Gutes zu leisten vermag, darüber informiert Miller auch beim Med Konkret am kommenden Dienstag, 22. November 2022, ab 18 Uhr. Der Leiter der Station, Oberarzt Otto Gehmacher, wird unter anderem auf gesellschaftliche Fragen, wie die Möglichkeit des assistierten Suizids eingehen. Die Teilnahme an der Onlineveranstaltung ist kostenlos.

Patientenautonomie

Christoph Miller arbeitete vorher auf internen Abteilungen in den Krankenhäusern Dornbirn und Hohenems. Die Palliativpflege hat ihn aber immer schon interessiert. „Palliativstationen verfügen über eine besonders wertvolle Ressource, und das ist Zeit“, erklärt Miller. Möglich macht dies ein besserer Personalschlüssel. Derzeit arbeiten etwa 28 Pflegepersonen auf der 16 Betten umfassenden Station. Zeit spielt deshalb eine große Rolle, weil der Patient über den Tagesablauf mit­entscheidet. Die Autonomie des Menschen zu respektieren, ist allen ein besonderes Anliegen. Die Patienten sollen weiterhin aktiv am Leben teilhaben können. Die Behandlung erfolgt ebenfalls in enger Absprache mit ihnen und ihren Angehörigen.

Ein wichtiger Bereich in diesem Zusammenhang ist die Symptomkontrolle. „Es geht darum, noch ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität für den Patienten zu erreichen“, erklärt Christoph Miller. Dabei hilft auch das Zusammenspiel verschiedener Berufsgruppen. Die Interprofessionalität bezeichnet der Pfleger als bedeutendes Instrument, mit dem sich Behandlungs- bzw. Betreuungsziele im Sinne des Patienten viel besser erreichen lassen. Das wirke sich auch positiv auf die eigene Arbeitszufriedenheit aus.

Wachsendes Bewusstsein

In ihren Vorträgen gehen Christoph Miller und OA Otto Gehmacher auf die Herausforderungen der Palliativbetreuung ein. Sie werden die Möglichkeiten der ambulanten und stationären Versorgung erörtern, aber auch auf aktuelle Entwicklungen eingehen, denn mit Fragen nach einem assistierten Suizid sind auch die Mitarbeitenden der Palliativstation immer wieder konfrontiert. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Palliativ Care. Davon zeugt nicht zuletzt die Warteliste, die es für die Palliativstation bereits gibt. VN-MM

Christoph Miller weiß sehr genau, was die Palliativpflege noch leisten kann.
Christoph Miller weiß sehr genau, was die Palliativpflege noch leisten kann.

Med Konkret

Palliativ Care – eine Standortbestimmung

Referenten OA Otto Gehmacher, DGKP Christoph Miller

Termin Dienstag, 22. November 2022, ab 18 Uhr online

Die Teilnahme ist kostenlos

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