Kinder als Besucher auf Intensivstationen

Gesund / 25.11.2022 • 10:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Maria Brauchle engagiert sich sehr für das Kinderthema.khbg
Maria Brauchle engagiert sich sehr für das Kinderthema.khbg

Maria Brauchle vom LKH Feldkirch initiierte Empfehlungen.

Feldkirch Dürfen Kinder und Jugendliche Papa oder Mama, Oma oder Opa oder auch Freunde auf der Intensivstation oder in der Notaufnahme besuchen? Ist das nicht zu viel für ein Kind? Seit vielen Jahren wird darüber kontrovers diskutiert. Typische Kontra-Argumente sind etwa, dass Kinder durch die belastenden Eindrücke traumatisiert werden könnten oder wechselseitige Infektionsgefahr besteht. Es gibt aber auch viele Hinweise darauf, dass ein Besuch unter bestimmten Bedingungen gesundheitsförderlich sein kann – für alle Beteiligten! Ein interdisziplinäres Experten-Team aus Österreich, Deutschland und der Schweiz hat innerhalb der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) aktuell einen Leitfaden als Hilfestellung rund um dieses Thema veröffentlicht, der sich in zehn Punkte gliedert und Empfehlungen für „Kinder als Angehörige und Besuchende auf Intensivstationen, pädiatrischen Intensivstationen und in Notaufnahmen“ enthält.

Einheitliche Regeln entwickeln

Angestoßen hat das Projekt Maria Brauchle, Diplom-Gesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivpflege am Landeskrankenhaus Feldkirch. „Das ist das erste Mal im europäischen Raum, dass Autoren aus der gesamten DACH-Region unter dem Mantel einer Fachgesellschaft eine solche Empfehlung verabschiedet haben“, freut sich Brauchle. Sie ist auch eine von drei federführenden Autoren. Adressieren soll das 57-seitige Meilenstein-Papier Mitarbeiter aller Professionen sowie Eltern und Sorgeberechtigte. Zudem soll es eine Hilfestellung sowie ein roter Faden werden, um zukünftig einheitliche Besuchsregeln für Kinder entwickeln und implementieren zu können. Insgesamt 33 Personen haben mitgearbeitet.

Die aufgeführten zehn Empfehlungen thematisieren alle relevanten Punkte: Von der genauen Planung eines Kinderbesuchs im interprofessionellen Team über die Stärkung elterlicher Kompetenzen bis hin zur Aufbereitung von kindgerechten Informationen und psychosozialer Unterstützung sowie Einbindung von Qualitäts- und Risikomanagement und einer Dokumentation von Kinderbesuchen.

Jeder Winkel beleuchtet

Die Empfehlungen wurden von der Arbeitsgruppe „ICU Kids“ unter der Leitung von Maria Brauchle, Teresa Deffner und Peter Nydahl in Kooperation mit verschiedenen DIVI-Sektionen entwickelt. Nach intensiver Vorarbeit der Autoren hat das interdisziplinäre Gremium das vergangene halbe Jahr viele Arbeitsstunden investiert, um fachlich jeden Winkel zu beleuchten. „Insgesamt haben wir rund drei Jahre an den Empfehlungen geschrieben“, rechnet Maria Brauchle nach. Die Entstehung der Empfehlungen sei eine wunderbare Teamarbeit gewesen. „Persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, wie auch alle professionellen Blickwinkel konnten umfassend diskutiert werden und in die Empfehlungen einfließen“, berichtet Brauchle. Das Autorenteam wird seine Empfehlungen am Mittwoch, 30. November 2022, auf dem DIVI-Jahreskongress in Hamburg, dem größtem Intensivmediziner-Kongress im deutschsprachigen Raum vorstellen.

10 Empfehlungen

Kinder als Angehörige und Besuchende auf Intensivstationen, pädiatrischen Intensivstationen und in Notaufnahmen

1 Den Besuch von Kindern im interprofessionellen Team planen

2 Elterliche Kompetenzen stärken

3 Kindgerechte Information sicherstellen

4 Den Besuch von Kindern vorbereiten, begleiten und nachbereiten

5 Psychosoziale Unterstützung anbieten

6 In palliativen Situationen besonders begleiten

7 In Notfallsituationen eine kindgerechte Begleitung ermöglichen

8 Führung – den richtigen Rahmen für Kinderbesuche schaffen

9 Qualitäts- und Risikomanagement einbinden

10 Den Kinderbesuch und Angehörigengespräche dokumentieren

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