Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Sicherheit

Gesund / 02.12.2022 • 11:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ein makellos blauer Himmel liegt über dem Sonntagmorgen. Ein frühes Flugzeug hinterlässt einen von der Sonne orange gefärbten Kondensstreifen, der sich langsam kräuselt und dann nach und nach in scheinbar nichts auflöst. Am Advent-kranz brennt die erste Kerze. Eine hauchzarte Lichterkette bringt das Grün der Tannenzweige zum Funkeln. Als ob sich darin Kristalle tummeln würden. Der Kaffee: samtig schwarz und kräftig duftend. Daneben auf einem Teller eine Scheibe Birnenbrot: saftig und mit reichlich Nüssen darin. Aus dem Radio perlt Champagner gleich die glockenhelle Stimme von Silbermond-Sängerin Stefanie Kloss. Sie schmachtet nach „ein bisschen Sicherheit, in einer Zeit, in der nichts sicher scheint . . .“.

Augenblicklich schieben sich verstörende Bilder in den Vordergrund. Sie liefen am Vorabend im Fernsehen, aufgenommen in der Ukraine. Vor Kälte zitternde Menschen, die in Wärmestuben zusammenrücken. Ein Feuerwehrmann, der inmitten von Trümmern einer bitterlich weinenden alten Frau tröstend über den Rücken streicht. Das war‘s mit der feierlichen Stimmung an diesem ersten Advent. Zwölf Jahre alt ist das Lied von Silbermond inzwischen, aber heute aktueller denn je. Sicherheit ist zu etwas Fragilem geworden, etwas Zerbrechlichem. Etwas, das uns jederzeit durch die Finger rinnen kann. Wie Wasser. Wie Sand. Einfach weg. Von heute auf morgen. Und dann? Dieser Frage sollten wir uns alle und immer wieder stellen.

Marlies Mohr

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