Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Jungbrunnen 2023

Gesund / 30.12.2022 • 11:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Kann die Wissenschaft die Alterung unserer Organe und Funktionen verlangsamen? Am Beispiel der Haut gelingt das durchaus. Welche Strategien können helfen, im Alter eine bessere Gesundheit des Gehirns und des Herzens zu erhalten? Die stark gestiegene Lebenserwartung hat zu einer Zunahme von altersbedingten Erkrankungen mit negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität geführt.

Auf dem Gebiet des Anti-Aging bzw. des langsameren und erfolgreichen Alterns wurde und wird sehr viel geforscht. Zahlreiche Strategien befinden sich in Entwicklung und in Studien. Das Ziel ist, im Labor und in Tierversuchen erfolgreiche Ansätze auch für den Menschen zu nutzen. Ein schon relativ gut untersuchter Mechanismus ist die Steigerung der Autophagie – ein Programm, das beschädigte oder falsch gefaltete Eiweißkörper bis hin zu größeren Zellstrukturen rascher bzw. früher abbaut. Dadurch wird eine schädigende Wirkung auf umgebende Zellen reduziert.

Seit fast einem Jahrhundert ist bekannt, dass eine Kalorienrestriktion bei Labortieren die Lebensspanne verlängert und altersbedingte Krankheiten verzögert. Unter anderem wird die Autophagie durch das Fasten angeregt. In jüngster Zeit wurden alternative Anti-Aging-Diätformen beschrieben, die neue Erkenntnisse und potenzielle klinische Anwendungen bieten. Dazu gehören intermittierendes Fasten, dem Fasten nachempfundene Diäten, ketogene Diäten (stark reduzierte Kohlenhydratzufuhr), zeitlich eingeschränkte Ernährung, Proteinrestriktion und die Einschränkung bestimmter Aminosäuren in der Ernährung. Obwohl einzelne dieser Diäten sehr populär sind, bleiben außerhalb von Laborstudien viele Fragen zu ihrer Wirksamkeit und Sicherheit offen.

Fast schon unzählige Substanzen werden zum erfolgreichen Altern angepriesen (z.B. Melatonin, Metformin, Resveratrol, Curcumin, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, das Darmmikrobiom, Senolytika, Stammzellen) und sind zu steigenden Umsatzbringern geworden. Weitgehend wurde für den Menschen eine wissenschaftlich fundierte Verlängerung der Lebensdauer (noch) nicht nachgewiesen. Auch die Sicherheit dieser Maßnahmen ist für den Menschen noch zu wenig überprüft, aber schon sehr lange ist bekannt, dass die Behebung von Mangelzuständen jeder Art hoch wirksam ist. Darüber hinaus bringt die Einnahme, zum Beispiel von Vitaminen, grundsätzlich keine weiteren Vorteile.

Die Langzeitforschungen des aks zeigen immer deutlicher, dass ein wirksames Anti-Aging schon sehr früh beginnen sollte. Das Auftreten von stillen Risikofaktoren (Blutdruck, Zucker, Cholesterin) in jungen Jahren und deren Kontrolle über Jahrzehnte senkt deutlich das Krankheitsrisiko in der zweiten Lebenshälfte. Gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Vivit konnte auch gezeigt werden, dass ein frühzeitiger Risikonachweis für Blutdruck und Cholesterin treffsicherer als in späteren Jahren ist.

Ein gesunder Lebensstil ist durch keine Tablette ersetzbar, wie es uns von der Werbung oft suggeriert wird. Und man kann einen ungesunden Lebensstil auch nicht durch Medikamente kompensieren.

„Vorläufig bleibt es dabei: Ein gesunder Lebensstil, beginnend in jungen Jahren, ist das beste Anti-Aging-Konzept.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin,

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