Augenmerk auf Multiple Sklerose

Gesund / 05.01.2023 • 10:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Khalil hofft, mit seinen Forschungen der Multiplen Sklerose effekiver auf die Spur zu kommen und die Prognosen zu verbessern.meduni graz
Michael Khalil hofft, mit seinen Forschungen der Multiplen Sklerose effekiver auf die Spur zu kommen und die Prognosen zu verbessern.meduni graz

Michael Khalil von der MedUni Graz übernimmt Vorsitz von Biomarker-Konsortium.

Graz Die Erforschung von Biomarkern zur Prognose von neurologischen Erkrankungen bildet den wissenschaftlichen Fokus von Michael Khalil, der an der Medizinischen Universität Graz mit seiner Arbeitsgruppe forscht. Seine Expertise in diesem Forschungsbereich bringt Khalil nun auch in das Steering Committee und als Vorsitzender von BioMS-eu – einem internationalen Konsortium zur Erforschung von Biomarkern zur besseren Charakterisierung und Abschätzung der Prognose bei Multipler Sklerose und anderen entzündlich demyelinisierenden Erkrankungen des Zentralnervensystems – ein.

Zuverlässigere Prognosen

Die Ziele dieses Zusammenschlusses liegen unter anderem in der weltweiten Vernetzung von international renommierten Biomarkerforschern für Multiple Sklerose, der Durchführung von hochqualitativen multizentrischen Biomarkerstudien und der Fort- und Weiterbildung in diesem Bereich. An der Med Uni Graz arbeiten Michael Khalil und sein Team in Kooperation mit der Biobank Graz intensiv an der Etablierung mittels Bluttest zu bestimmender Biomarker in der klinischen Routine. Durch die Kombination verschiedener Biomarker soll zukünftig etwa der Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose zuverlässiger prognostiziert werden können.

Im Bereich der neurologischen Erkrankungen sind in den letzten Jahren die Neurofilamente als ein möglicher Biomarker ins Interesse der Forschung gerückt. „Bei Neurofilamenten handelt es sich um Proteine in den Nervenzellen, die bei einer Zellschädigung austreten und so in die Gehirn- bzw. Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) und in weiterer Folge in das Blut gelangen“, erklärt Michael Khalil.

Hochsensitive Analyse

Technische Weiterentwicklungen und hier vor allem die Methode der hochsensitiven Einzelmolekülanalyse versetzen die Wissenschaftler in die Lage, sehr geringe Konzentrationen von Neurofilamenten auch im Blut valide zu quantifizieren. „An der Medizinischen Universität Graz wurde das erste Gerät in Österreich für diese Laboruntersuchung angeschafft“, berichtet Khalil.

Messung aus dem Blut

Durch die Messung aus dem Blut, das relativ einfach durch Punktion einer Vene etwa in der Ellenbeuge, gewonnen werden kann, ist nun auch eine regelmäßige Kontrolle bzw. Bestimmung des Neurofilament-Wertes möglich, was der Wissenschaft neue Möglichkeiten eröffnet. Michael Khalil hat seine Forschungsergebnisse in diesem Bereich 2020 hochrangig in „Nature Communications“ veröffentlicht und weitere Publikationen folgten, wie beispielsweise kürzlich in Lancet Neurology, wo er in der Study Group mitarbeitete, um die Eignung von Neurofilamenten als Biomarker auf individueller Patientenebene bei Multipler Sklerose zu validieren.

Die FDA (U.S. Food and Drug Administration) hat den Labortest mittlerweile positiv bewertet, wonach er in naher Zukunft für die klinische Routine zur Verfügung stehen sollte. „Um den Krankheitsverlauf bei Patienten mit Multipler Sklerose noch besser einschätzen zu können, arbeiten wir aktuell unter anderem an der Zusammenstellung eines Sets an Biomarkern“, blickt Michael Khalil in die Zukunft. Neben den Neurofilamenten scheint auch das saure Gliafaserprotein prognostische Bedeutung bei Multipler Sklerose innezuhaben. Hier wird auch die Expertise aus dem BioMS-eu Konsortium maßgeblich einfließen.

„An der MedUni Graz wurde das erste Gerät für diese Laboruntersuchung angeschafft.“

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