Gin auf 688 Metern Seehöhe

HE_Blude / 08.02.2022 • 17:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Josef Nessler – ein leidenschaftlicher Schnapsbrenner mit Tradition. DOB
Josef Nessler – ein leidenschaftlicher Schnapsbrenner mit Tradition. DOB

Evi und Josef Nessler haben eine Leidenschaft fürs Schnapsbrennen.

Innerbraz Schon als kleiner Bub half Josef Nessler seinem Vater Franz beim Schnapsbrennen. Ob bei der Ernte, beim Einmaischen oder beim Brennen des Schnapses – Josef legte ordentlich Hand an. Bei der Fahrt nach Innerbraz zeigt heute eine große hölzerne Gin-Flasche am Straßenrand an, dass hier edle Tropfen entstehen.

Landwirtschaft begleitet Sie von Kindesbeinen an. Wann begann Ihre Leidenschaft fürs Schnapsbrennen?

Nessler Als Kind habe ich das Mithelfen, zum Beispiel die Ernte des Obstes, als lästiges Muss empfunden. Trotzdem hat es mich interessiert, wie mein Vater den Schnaps gebrannt hat und ich habe ihm gerne über die Schulter geschaut. Ich lernte von meinem Vater schon früh handwerkliches Geschick. Als Landwirt gibt es die unterschiedlichsten Aufgaben. Auch das Schnapsbrennen, das in meiner Familie schon lange Tradition hat, lernte ich von ihm.

Die Tradition haben Sie beibehalten, doch es hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert?

Nessler Ja, andere Zeiten brachten auch andere Mittel und Möglichkeiten mit sich. Im Jahr 2007 verwirklichten wir einen Traum. Es entstand ein Obstverarbeitungsraum und es folgte eine Holstein Brennereianlage. Mittlerweile darf ich zwei Anlagen mein Eigen nennen. Heute produzieren meine Frau Evi und ich bis zu 18 verschiedene Brände und Spirituosen. Unsere Destillate wurden mehrfach prämiert. Und ganz besonders freut uns, dass wir mit dem Birnenbrand „Zitronenbirne Holzfass“ und „Gelbmöstler“ bei der Landesprämierung jeweils eine Goldmedaille errungen haben.

Mit Ihrer Frau Evi haben Sie eine tatkräftige Unterstützung, die die Leidenschaft zum Schnapsbrennen teilt. Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus?

Nessler Bei den vielen Projekten setzt jeder seine Expertise ein. Für die Rezepturen ist meine Frau Evi zuständig. Gemeinsam wird getüftelt, hinterfragt und angepasst, bevor ich mich dann um das Destillieren kümmere. Der Besuch von Kursen rund ums Schnapsbrennen dient besonders der Qualitätssteigerung. Evi hat mich vor fünf Jahren dann überzeugt, mit dem Gin688 in ein ganz neues Projekt zu starten.

Mit dem Gin688 haben Sie sich mit etwas Neuem auseinandergesetzt. Damit haben Sie gezeigt, dass man nicht stehenbleiben darf. Obwohl Sie Traditionen hochhalten, sind Sie auch für Neues offen?

Nessler Ja, vor fünf Jahren begann unser neues Abenteuer – das Brennen von Gin. Mit feinsten Zutaten aus der Region, ohne künstliche Aromen, verbunden mit Geduld und Liebe zum Detail entstand der Gin688 (688 aufgrund der Seehöhe des Bauernhofs). Mittlerweile gibt es unter der Marke „Gin688“ drei verschiedene Rezepturen. Classic, Gin Gavar und Gin Pazüel. Beim Gin Gavar und Gin Pazüel werden Kräuter, die auf den jeweiligen Alpen wachsen, verwendet.

Während diese Köstlichkeiten entstehen, ist Ihr zweites Wohnzimmer also der Obstverarbeitungsraum?

Nessler Seit meiner Pensionierung kann ich mich noch mehr meiner Leidenschaft widmen. Während des Destillierens muss man stets vor Ort sein. Natürlich freut es mich immer wieder, wenn mich Freunde beim Schnapsbrennen besuchen. Dann werden in gemütlicher Runde die fertigen Produkte verkostet und genossen. DOB

Zur Person

Josef Nessler

Geboren 16. Dezember 1957

Familie verheiratet, drei erwachsene Kinder, zwei Enkel

Wohnort Innerbraz

Hobbys Schnapsbrennen, Golf, Jagd