Malerin und Sprachgestalterin

HE_Blude / 11.05.2022 • 12:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Heidi Comploj in ihrem Atelier.BI
Heidi Comploj in ihrem Atelier.BI

Künstlerin Heidi Comploj stellt in der Villa Falkenhorst eine Auswahl aus ihren Werken aus.

Nüziders Seit rund 19 Jahren befindet sich das Atelier von Heidi Comploj in einem Loft eines ehemals adaptierten Fabrikgebäudes in Nüziders. Es war ein lang gehegter Wunschtraum von ihr, in einem Loft zu leben oder zu arbeiten. „Mein Vater war von Architektur begeistert. Als die ersten Lofts in New York oder in Hamburg entstanden, übertrug sich seine Faszination der Revitalisierung auf mich“, erklärt die renommierte Künstlerin. Das Atelier ist sehr großzügig angelegt und lichtdurchflutet. Es ist ein
Arbeitsraum, auf den Tischen liegen unterschiedlichste Materialien, Gegenstände und im Entstehen befindliche Kunstwerke, zugleich ist das Atelier aber auch ein Ausstellungsraum. Neben kleinformatigen Exponaten, fast schon Miniaturen, reihen sich größere Kunstgegenstände – jedes ausdrucksstark in sich und im typischen Comploj-Stil. Harmonisch angeordnet und themenbezogen zusammengefügt, bieten die Bilder und Skulpturen einen kaleidoskopischen Überblick über den künstlerischen Werdegang der Kunstschaffenden.

Ausstellung „Zwischen dir und mir“

Eine Auswahl aus ihren Werken ist aktuell in einer Ausstellung mit dem Titel „Zwischen dir und mir“ bis zum 24. Mai in der Villa Falkenhorst zu sehen, bei der das Thema Kommunikation ganz zentral steht. Dabei steht das erste Axiom des verstorbenen österreichischen Kommunikationswissenschaftlers und Philosophen Paul Watzlawik „Man kann nicht nicht kommunizieren“ ganz zentral. Kommunikation spielt sich auf verschiedensten Ebenen ab, was sich auch in der aktuellen Ausstellung widerspiegelt. Nonverbale Elemente wie Körpersprache oder Schweigen überwiegen die tatsächlich gesprochenen Worte.

„Ich lege großen Wert auf die Körpersprache, denn schon vor dem ersten gesprochenen Wort signalisiert mir mein Gegenüber seine Stimmung“, betont Heidi Comploj. Diese Wahrnehmung habe sich in den vergangenen beiden Jahren noch verstärkt: „Die Maske hat Mund und Nase verdeckt. Es fehlte ein großer Teil unserer Mimik, doch dadurch hatten wir die Möglichkeit, uns tiefer und bewusster in die Augen zu schauen und auf die ganz feinen, meist unbemerkten, Aussendungen unseres Gegenübers zu achten.“

Unterschiedlichste Zugänge

Ihre ersten Kunstwerke entstanden aus Ton. „Nicht nur die wandel- und formbare Grundmasse, die durch das Brennen eine Metamorphose erfährt, sondern auch der Gegenstand, der entsteht und in unterschiedlichster Weise bearbeitet werden kann, bilden für mich immer wieder neue Herausforderungen.“ Mit Ton beschäftigt sie sich mittlerweile seit rund 40 Jahren: „Mittlerweile sind die Objekte größer und leider auch schwerer geworden.“ Ihre Fotoarbeiten durchlaufen ebenfalls unterschiedliche Gestaltungsprozesse: „Ich benutze nur eine kleine Digitalkamera, alles muss schnell gehen. Ich will den Augenblick festhalten – und nichts Gestelltes, Steifes.“ Die Fotos werden auf dem PC bearbeitet und sodann auf Alu-Dipond oder Acrylglas montiert. Aber auch ausgedruckte Fotos werden von ihr mit verschiedensten Techniken verändert. Seit 1985 erweitert Heidi Comploj ihr künstlerisches Spektrum permanent durch Kunstseminare in Deutschland, Frankreich und Österreich. Vor zwei Jahren schloss sie einen dreijährigen Meisterkurs bei Dozent Rainer Kaiser an der Freien Kunstakademie Augsburg ab.

Hintergründige Überbegriffe

Die Überbegriffe für ihre Serien in der Ausstellung sind philosophisch hintergründig, wie etwa die „Gedankenboxen“ aus Keramik. Im Rahmen ihrer Fotografikmontagen entstand unter anderem die Serie „Felix Austria“: „Mir hat die Wortfindung hierzu großen Spaß gemacht.“ Sie habe das Internet nach speziellen österreichischen Ausdrücken und Dialekten durchforstet und war überrascht, was da alles zu finden war. „Communicare“, ein weiterer Serientitel, findet nicht nur in Form von Gesprächen, sondern eben auch in der Auseinandersetzung beim Erschaffen und Betrachten eines Kunstwerks – und in der Interpretation der jeweiligen Rezipienten – statt.

Der Kunstkritiker Peter Niedermair hat Heidi Comploj als eine Doppelbegabung, sowohl als Malerin als auch Sprachgestalterin, bezeichnet: „Sie ist eine Poetin. Ihre Bilder spannen einen Bogen vom gesprochenen Wort zum farbigen Bild.“ BI

Georg und Heidi Comploj, hier mit ihren Enkeln Anna Greta und Marie-Lina, freuen sich über den großen Anklang, den die Ausstellung „Zwischen dir und mir“ findet.
Georg und Heidi Comploj, hier mit ihren Enkeln Anna Greta und Marie-Lina, freuen sich über den großen Anklang, den die Ausstellung „Zwischen dir und mir“ findet.
Ein Kunstwerk von Heidi Comploj.lerch
Ein Kunstwerk von Heidi Comploj.lerch