Träume spiegeln, was uns beschäftigt

HE_Brege / 03.03.2022 • 13:32 Uhr
In Träumen spielen sich ganze Geschichten ab. Man kann auch ein Traumtagebuch führen.shutterstock
In Träumen spielen sich ganze Geschichten ab. Man kann auch ein Traumtagebuch führen.shutterstock

TRAUMDEUTUNG Sowohl die Psychologie als auch die Schlafforschung beschäftigen sich mit Träumen. Sigmund Freud war überzeugt, beim Träumedeuten wichtige Erkenntnisse über unterdrückte Wünsche und Triebe zu erhalten. Bis heute gehen Psychologen davon aus, dass Träume ein Schlüssel zum Unterbewusstsein sind. Wir verarbeiten Erlebnisse, die wir am Tag vielleicht verdrängt haben. Laut Studien erinnern wir uns nach dem Aufwachen nur dann an einen Traum, wenn wir mittendrin oder unmittelbar danach aufwachen. Etwa bei einem Albtraum. Träume spiegeln, was uns beschäftigt – mental wie emotional. In ihnen stecken Ängste, Sehnsüchte ebenso wie Lösungen für aktuelle Probleme. Das Träume deuten ist aber bestens dafür geeignet, Klarheit für das eigene Leben zu gewinnen, Rückschlüsse zu ziehen und offene Fragen oder Baustellen im Leben zu klären.

Mehrere Träume pro Nacht

Der Mensch träumt normalerweise im Laufe einer Nacht mehrere Male – auch wenn er sich nicht daran erinnern kann. Die Dauer der Träume reicht von ca. zehn bis etwa fünfundvierzig Minuten. Die Sinne sind während des Träumens aktiv, wenn auch anders als im Wachzustand. So sieht die oder der Träumende mit geschlossenen Augen innere Bilder. Akustische Eindrücke (Hören) und Gerüche sowie Geschmack werden ebenso wahrgenommen. Körperliche und seelische Empfindungen begleiten das Traumgeschehen. Äußere Reize wie z. B. Handyklingeln sowie innere Bedürfnisse (etwa Harndrang) werden eventuell ebenso integriert. Die Reizschwelle für äußere Einflüsse ist allerdings sehr hoch. Kinder können ab dem dritten Lebensjahr Träume als solche wahrnehmen. Ab dem sechsten Lebensjahr gelingt es ihnen, Traum und Realität komplett voneinander zu unterscheiden.

Klarträumen bzw. luzides Träumen kennzeichnet einen Traum, der währenddessen bewusst wird. Das heißt, man träumt und weiß dabei, dass man gerade träumt. Durch diese Form von Bewusstsein besteht die Möglichkeit, das Traumgeschehen zu beeinflussen. Es ist möglich, sich Fähigkeiten des Klarträumens anzueignen und zur Persönlichkeitsentwicklung oder für Problemlösungen zu nutzen. Auch therapeutisch wird das Klar-träumen angewandt, z. B. zur Bewältigung von Albträumen.

Programmierung der Gehirnzellen

Lange Zeit herrschte der Glaube vor, Träume seien indirekte oder verschlüsselte Botschaften von Göttern und Dämonen. Oft wurde ihnen Weissagungs- oder Orakelcharakter zugesprochen. Der Traum ist für den Körper ein überaus wichtiger Mechanismus. Der Neurologe Michel Jouvet vertritt die These, dass die Bilder und Szenen des Traums zur ständigen Programmierung unserer Gehirnzellen gehören. Zwar ist der Traum ein bis heute nicht eindeutig erklärbares Phänomen; es gilt aber als erwiesen, dass bei Menschen, die regelmäßig am Schlafen und somit am Träumen gehindert werden, ernsthafte seelische und körperliche
Störungen entstehen.