Strolz-Fans machten die Nacht zum Tag

HE_Brege / 06.04.2022 • 16:45 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Geschenke der Gemeinden überreichten Fabian Roiderer, Oskar Jäger und David Drexel stellvertretend für die Bürgermeister Stefan Strolz und Herbert Schwarzmann.
Geschenke der Gemeinden überreichten Fabian Roiderer, Oskar Jäger und David Drexel stellvertretend für die Bürgermeister Stefan Strolz und Herbert Schwarzmann.

Nach über fünf offiziellen Stunden begann auf dem Dorfplatz in Warth die Mega-Party.

warth Sie wurden auf eine lange Geduldsprobe gestellt – aber sie hielten bei Kälte und leichtem Schneetreiben tapfer durch, bis „ihr Johannes“ ihnen – den „Strolzi-Fans“ – gehörte. Der erfolgreichste Vorarlberger Olympia-Teilnehmer aller Zeiten genoss nach dem offiziellen Teil des Empfangs das Bad in der Menge, erfüllte Autogramm- und Selfie-Wünsche und bewies Kondition, denn die „Strolzi-Fans“ – erkennbar an den Mützen, Schirmkappen und Stirnbändern, wahlweise mit „Strolzi-Fan“ oder „Stolz auf Strolz“ beschriftet – machten nach dem offiziellen Teil der Feier bei Dis­co­­sound die Nacht zum Tag. Hatten die Tannberger Alphornbläser mit ihrer Fanfare das Eintreffen von Johannes und Hubert Strolz, die mit der Pistenwalze vorgefahren waren, angekündigt und die Schröckener Musik den offiziellen Teil eingeleitet, so beschloss der Musikverein aus Holzgau die Gratulationen und Übergabe von Geschenken.

Ein 12-Stunden-Festival

Die Monroes hatten um 15 Uhr die Mega-Party auf dem Dorfplatz gestartet, gegen 3 Uhr früh – inzwischen war die Festversammlung längst in die Biberia und ins Bibers gewechselt – wurden die letzten Reiseachterl geordert, ehe sich auch die Ausdauerndsten auf den Heimweg machten.

Verständlich, dass kaum jemand auf die Uhr schaute, denn es gab nach dem offiziellen Teil viel zu erzählen – vor allem für die älteren Semester, die schon bei der Ehrung von Wiltrud Drexel vor 50 Jahren dabei waren oder vor 34 Jahren den Olympiasieger Hubert Strolz in Warth willkommen hießen.

Mehr als 200 VIPs

Wie zahlreich der Aufmarsch prominenter Festgäste war, unterstrichen die mehr als 200 Namen auf der VIP-Liste. Längst nicht alle standen im Rampenlicht, viele hielten sich bescheiden im Hintergrund und tauschten mit Weggefährten Erinnerungen aus. Etwa der Auer Schuhmachermeister Werner Albrecht, der schon vor Jahrzehnten mit der Entwicklung moderner Skischuhe einen wesentlichen Beitrag zu den Erfolgen von Skistars aus aller Herren Länder leistete. Als langjähriger Funktionär und heute Ehrenmitglied im Skiclub Bregenzerwald hat der Vater von Ex-Rennläufer Kilian Albrecht in seiner aktiven Zeit auch für viele Wälder Rennläuferinnen und -läufer den perfekten Schuh entwickelt. Einer seiner Gesprächspartner war Hubert Berchtold, der 1973 in Saalbach-Hinter­glemm seinen einzigen Weltcupsieg feierte – er gewann den Riesentorlauf vor Thomas Hauser, Hans Hinterseer und Franz Klammer.

Ein ganz besonderer Ehrengast hielt sich bescheiden im Hintergrund: Peter Both, vier Jahrzehnte lang Leiter der Skihauptschule in Schruns. Als diese 1972 startete, saß ein schüchterner Bauernbub aus Warth in der Eröffnungsklasse: Hubert Strolz, der 16 Jahre später Olympiasieger wurde. Unter Boths Fittichen waren später u. a. Anita Wachter, Mario Reiter, Rainer Salzgeber, Christian Greber, Steffi Schuster, Tina Weirather uvm. Mit einigen seiner Schützlingen hatte Both auch nach seiner Pensionierung als Schuldirektor (2012) noch Kontakt – er war ab 2011 als Technischer Delegierter hin und wieder bei Weltcuprennen im Einsatz. Auch bei den EYOF-Spielen 2015 im Montafon war er in führender Funktion im Einsatz und feierte Wiedersehen mit „seinen“ Absolventinnen und Absolventen.

Verdiente Persönlichkeiten

Rennlauferfolge bei Olympia, Weltmeisterschaften und Weltcuprennen hätten ganz wesentlich zum Aufstieg von Warth zum heutigen Wintersportzentrum geführt, betonte Bürgermeister Stefan Strolz, Cousin von Hubert, in seinem Statement. Den Grundstein zu diesem Aufschwung haben vor 60 Jahren mutige Unternehmerpersönlichkeiten „vom Land“ gelegt, als sie maßgeblich an der Gründung der Liftgesellschaft mitwirkten. An der Spitze die Familien Hefel aus Schwarzach, Lothar Bösch sowie Irmtraud und Gerhard Bayer aus Lustenau.

Nostalgie und Zukunft

„Erinnerst du dich noch, wie wir hier vor 50 Jahren Wiltrud Drexels Medaille gefeiert haben …?“, meinte Gerhard Bayer mit einem vielsagenden Lächeln. Ja, bis dahin war Warth dem Großteil der Vorarlberger Bevölkerung nur im Zusammenhang mit „ständigen Straßensperren wegen Lawinengefahr“ ein Begriff. Großartige Skierfolge von Wiltrud Drexel bei Weltmeisterschaft und Olympia haben das damals grundlegend geändert, Hubert und Johannes Strolz legten nach.

Zukunftsperspektiven

Nostalgische Erinnerungen sind das eine, Zukunftsperspektiven das andere – und diesbezüglich sieht der Gemeindechef durchaus Positives: Derzeit habe Warth lediglich drei Volksschüler, die die Schule in Schröcken besuchen, „aber im Warther Kindergarten sind neun Kinder“ sieht er einen Hoffnungsschimmer, dass die 2011 wegen Schülermangels geschlossene Volks- und Hauptschule vielleicht in naher Zukunft doch wieder öffnen kann. Die drei Warther Schüler Fabian Roiderer, Oskar Jäger und David Drexel überreichten die Geschenke an Johannes: einen Gutschein für eine Walsertracht, Motorsäge, Ausrüstung samt Helm und einen Waldanteil. Bei diesem schließt sich ein Kreis: 1988 war nicht nur das Jahr des Olympia­triumphs von Hubert Strolz, es war auch ein katastrophaler Lawinenwinter, der riesige Waldschäden verursachte – auch in Warth. Dort wurden im Rahmen der VN-Umweltinitiative „Grünes Vorarlberg“ Hunderte Bäume aufgeforstet und der Olympiasieger war selbstverständlich beim Aufforstungsteam mit großem Eifer dabei.

Fußball? – nichts für ihn

Für Belustigung beim Publikum sorgten am Ende des offiziellen Teils der Feier Vertreter der Lustenauer Austria, die sich ebenfalls mit einem Geschenk einstellten und u. a. ein grün-weißes Trikot mit Rückennummer 2022 und „Strolz“ überreichten. Verstärkung wird Johannes für die Sticker aber nicht werden, er hat mit Fußball absolut nichts am Hut, wie er sich outete. STP

Angesichts der frostigen Temperaturen kamen die Monroes gerade recht, um dem vielen Gästen auf dem Warther Dorfplatz einzuheizen.
Angesichts der frostigen Temperaturen kamen die Monroes gerade recht, um dem vielen Gästen auf dem Warther Dorfplatz einzuheizen.
Genoss das Fest für seinen ehemaligen Schüler im Hintergrund: Peter Both.
Genoss das Fest für seinen ehemaligen Schüler im Hintergrund: Peter Both.
Auf die begehrten Autogramme mussten die Strolz-Fans lange warten.
Auf die begehrten Autogramme mussten die Strolz-Fans lange warten.

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