Optimist sein kostet auch nicht mehr

HE_Brege / 05.10.2022 • 15:40 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Edi Lex vorne mit dabei bei der Abschlusswanderung der Herzintaktgruppe Bregenz im Juli 2022. AJK/2
Edi Lex vorne mit dabei bei der Abschlusswanderung der Herzintaktgruppe Bregenz im Juli 2022. AJK/2

Gärtnermeister Edi Lex wird 90 – ein Leben für Gartenbau, Ländle-Obst und soziale Initiativen.

HARD Seit über 70 Jahren ist Edi Lex Vorarlberger, zur Welt gekommen ist er 1932 in Fürstenfeld. Der begeisterte Gärtner hat wesentlich dazu beigetragen, Blumenschmuck und Obstverwertung in Vorarlberg zu fördern. Dass er sich in Vereinen, bei der Herzintaktgruppe sowie beim Sozialsprengel Hard betätigt, rundet die Lebenseinstellung ab.

Am 13. Oktober feiert Edi Lex seinen 90. Geburtstag. Er fühlt sich in seiner Wahlheimat Hard sehr wohl und setzt grundsätzlich auf Optimismus und auf freundlichen Umgang mit seinen Mitmenschen.

1951 erstmals Hard

Seine Lehre in einer Gärtnerei in Fürstenfeld begann Edi Lex 1947. Der Wunsch, auch andere Betriebe kennenzulernen, führte den ausgelernten Gärtnergehilfen schließlich im November 1951 nach Hard. „Mein Vater hat damals gemeint, dass ich bei der Gärtnerei Weiss in Hard ja mehr verdiene als er bei der Gemeinde Fürstenfeld.“

Über dem Bodensee lag der Nebel, die Vorarlberger hat er nicht verstanden. Schließlich blieb Edi Lex aber doch in Hard und mit einer kurzen Unterbrechung 25 Jahre bei der Gärtnerei Weiss. Ausgelernt hatte er übrigens nie: Weiterbildung stand stets auf der Tagesordnung, dazu gehörte neben fachlichen Angeboten auch ein Kurs in Maschinenschreiben oder ein Rednerseminar sowie Tanzkurse.

Gärtnermeister

1959 absolvierte er mit sehr gutem Erfolg die Prüfung zum Gärtnermeister, 1963 heiratete er seine Lidi. „Kennengelernt haben wir einander beim Tanztee im Gösser in Bregenz.“ 1973 war er treibende Kraft bei der erfolgreichen Gründung der Vorarlberger Junggärtner. „Dadurch hatte ich öfters Kontakt mit der Landwirtschaftskammer und wurde schließlich gefragt, ob ich dort nicht den Posten eines Obst- und Gartenbaureferenten übernehmen möchte.“

Dieser Einladung folgte Edi Lex schließlich 1977. Seiner Ein-Mann-Abteilung wurden allerhand Aufgaben zugeteilt: „Abteilung Obst-, Gartenbau u. Schädlingsbekämpfung, Österreichischer Pflanzenschutzdienst, Qualitätsklasseneinfuhrkontrolle – Außenstelle Vorarlberg“ war auf seinem Türschild zu lesen.

Obstbau und Blumenschmuck

Edi Lex konnte sich mit wachsendem Erfolg der Förderung von Blumenzucht und Gemüsebau widmen. „Ich habe mich intensiv mit Fragen des Obstbaus befasst, mit dem ich ja zuvor wenig zu tun hatte.“ Schließlich wurde er zum gefragten Referenten und Kursleiter, gab wertvolle Hinweise für die Selbstvermarktung.

Edi Lex war auch in dauerndem Kontakt mit heimischen Gärtnern, Obst- und Gemüsebauern.

Schließlich war er 1978 wesentlich daran beteiligt, in Vorarlberg den Blumenschmuckwettbewerb zu initiieren. „Damals wurden vermehrt Schnittblumen importiert. Ich war der Meinung, dass die heimischen Gärtner und Floristen mit Balkonblumen und Gartengestaltung dagegenhalten könnten.“ Die tollen Erfahrungen aus dieser Zeit möchte der Jubilar nicht missen.

Saure Böden

Gleichzeitig verstärkte sich aber auch das Problem saurer Böden. Etliche Industriebetriebe verheizten noch Schweröl, in ihrer Umgebung war der ph-Wert viel zu gering für die Obstbäume. Ebenso setzte er auf möglichst naturnahe Schädlingsbekämpfung, nachhaltig unterstützt durch verständnisvolle Fachleute.

Als Harder unterstützte er auch mit Nachdruck den Obst- und Gartenverein der Gemeinde, war sogar drei Jahre lang als Obmann tätig. Seine Moderationen belebten manchen Vereinsabend, ebenso auch bei der Parkison-Selbsthilfegruppe, zu der er über seine Gattin gekommen war.

Mitglied der ersten Stunde war Edi Lex auch beim Verein der Herzpatienten, dem Herzintakt. „Nach insgesamt drei Herzinfarkten habe ich da gerne mitgeturnt.“

Nach wie vor ist er regelmäßig mit dabei, ob beim Training oder bei geselligen Treffen. Im Sozialsprengel Hard turnt er bei der Bewegungsgruppe mit. Da ist der nach wie vor gelenkige Senior zwar leicht unterfordert, er schätzt aber Atemübungen oder Gedächtnistraining. Und seit einiger Zeit verfasst er „Briefle aus Hard“ an eine Frau, die er nicht persönlich kennt. Sie wurden über den Sozialsprengel vermittelt und er freut sich auch über die Rückantworten seiner Brieffreundin. Bergwanderungen, Radfahren, früher noch die Langhaardackel oder ein wenig Malen – das sind seine Hobbys.

Edi sucht den Ausgleich

„Ich sehe mich als typische Waage. Ich war nur einmal verzweifelt, als vor vier Jahren meine Lidi gestorben ist. Mit ihr habe ich während unserer Ehe nicht ein einziges Mal gestritten. Ich schau auch sonst, dass ein Ausgleich gelingt, wenn man irgendwo heftig unterschiedliche Ansichten vertritt.“ Dabei bleibt Edi stets freundlich, denn: „Freundlich bleiben kostet nicht mehr. Ich bin auch Optimist, weil auch der Optimismus nicht mehr kostet.“ Zum 90. Geburtstag hat Edi Lex etliche Wegbeleiter eingeladen. „Bitte keine Geschenke!“ steht auf der Einladung, denn: „Ich habe alles, was ich brauche.“

Hat er manchmal Heimweh nach Fürstenfeld? „Nein, dort habe ich niemanden mehr. Mir gefällt es in Hard sehr gut.“ Die Familie seiner Tochter mit den beiden Enkelkindern trägt wesentlich dazu bei. AJK

Gärtnermeister, Herzintaktturner, Mister Blumenschmuck, überzeugter Optimist: Edi Lex wird 90.
Gärtnermeister, Herzintaktturner, Mister Blumenschmuck, überzeugter Optimist: Edi Lex wird 90.

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