Wer zahlt in Zukunft die Maklerprovision?

HE_Blude / 21.04.2021 • 13:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bis man den Wohnungsschlüssel in der Hand hat, kann mitunter ganz schön viel Geld auf das Maklerkonto fließen.Shutterstock
Bis man den Wohnungsschlüssel in der Hand hat, kann mitunter ganz schön viel Geld auf das Maklerkonto fließen.Shutterstock

Noch in diesem Jahr soll die Provision auf das Bestellerprinzip umgewandelt werden.

GELD In Normalfall werden zwei Bruttomonatsmieten fällig, wenn man eine Wohnung über einen Makler findet. Das kann bei den Mietpreisen in Vorarlberg ordentlich ins Geld gehen. Hinzu kommen noch Kautionen, die hinterlegt werden müssen. Summen von mehreren Tausend Euro sind da keine Seltenheit. Makler können jedoch – anders wie in anderen Ländern – auch gleichzeitig mit dem Vermieter einen Vertrag abschließen und noch einmal bis zu drei Monatsmieten kassieren. Damit hat Österreich die höchsten Maklergebühren in der EU.

Gesetzesentwurf

Schon lange wird die aktuelle Praxis kritisiert, dass Mieter beim Vertragsabschluss für die Leistungen des Maklers zur Kasse gebeten werden, obwohl diese überwiegend für den Vermieter, den Auftraggeber, erbracht werden. Die türkis-grüne Regierung will dies ändern. Dafür soll das sogenannte Bestellerprinzip eingeführt werden, demnach derjenige die Kosten übernimmt, der den Auftrag erteilt. Meistens ist das der Vermieter. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde bereits in die Wege geleitet. Es soll ausschließlich im Rahmen der Vermietung Anwendung finden. Kauf- sowie Gewerbeimmobilien sind grundlegend vom Bestellerprinzip ausgenommen. In erster Linie geht es darum, im angespannten Wohnungsmarkt den Mieter zu entlasten. Besonders für junge Erwachsene und nicht einkommensstarke Familien stellt die Maklerprovision (neben der Mietkaution) eine hohe zusätzliche Aufwendung dar.

Vorbild Deutschland

Vorbild für das österreichische Bestellerprinzip ist Deutschland. Hier gilt seit 2015 die Regelung, dass grundsätzlich Mieter und Vermieter Auftraggeber des Maklers und somit auch beide zur Provisionszahlung verpflichtet sein können. Die konkrete Gesetzesformulierung in Deutschland schließt de facto aber aus, dass der Mieter als Auftraggeber fungiert. Außerdem darf für sämtliche Wohnungen, die der Makler bereits in seinem Bestand hat, vom Wohnungssuchenden bzw. Mieter keine Provision verlangt werden. Nur wenn der Makler aktiv eine neue, bisher nicht angebotene Wohnung für den Wohnungssuchenden akquiriert, zahlt dieser Provision. Das deutsche Modell hat aber auch seine Tücken. Es habe zu exorbitant hohen Ablösen geführt, da nun viele Vermieter Nachmieter von den Mietern suchen lassen. Außerdem habe es zu versteckten Mietpreiserhöhungen geführt, da die Vermieter die Maklerkosten über die Miete wieder zurückholen.

Maklerverzicht nicht ratsam

Verzichtet der Vermieter aber ganz auf einen Makler, ist das für den Mieter auch nicht immer von Vorteil, da der Mietvertrag für ihn dadurch undurchsichtiger werden könnte. Zu den Aufgaben des Maklers gehörte es bisher nämlich, den Mieter über seine Rechte und Pflichten aufzuklären. Selbiges gilt auch für den Vermieter. Werden die Maklerkosten gespart, bedeutet dies viel zusätzliche Arbeit. Gerade dann, wenn sich das zu vermietende Objekte beispielswiese nicht in nächster Nähe befindet. Der Makler nimmt viel Arbeit ab, kann die Wohnung professionell vermarkten und andererseits das Risiko, einen zahlungsunwilligen Mieter oder Mietnomaden zu erwischen, auf ein Minimum senken. Wer zum ersten Mal eine Wohnung vermietet, muss sich mit vielen neuen Fragen befassen. Wie präsentiere ich meine Wohnung auf möglichst attraktive Weise? Wie kann ich im Gespräch mit Interessenten einschätzen, ob es sich um zuverlässige und angenehme Mieter handelt? Wie findet man den richtigen Mietpreis? Hier lauern durchaus Fallstricke, die am Ende teurer werden können als die Maklerprovision.