Gebäudebestand im katastrophalen Zustand

HE_Feldk / 26.09.2022 • 15:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schimmel ist oftmals ein Problem, wenn die Wohnung in einem schlechten Zustand ist. Shutterstock
Schimmel ist oftmals ein Problem, wenn die Wohnung in einem schlechten Zustand ist. Shutterstock

Eine europaweite Studie wirft schlechtes Licht auf die Wohnsituation vieler Menschen.

STUDIE Wie wirken sich die eigenen vier Wände auf Wohlbefinden und Gesundheit aus? 163 Millionen Europäer und Europäerinnen leben in Wohnungen und Häusern mit ungesundem Raumklima, dazu zählen zu hohe Feuchtigkeit bzw. Schimmel, Mangel an Tageslicht, übermäßiger Lärm sowie Kälte. In Österreich ist fast jede dritte Person von einer dieser Gefahren betroffen. Ist man allen vier Gefahren des Innenraumklimas ausgesetzt, hat man ein viermal höheres Risiko, über einen schlechten Gesundheitszustand zu verfügen. Für Kinder erhöht sich diese Zahl noch weiter.

Nachhaltige Renovierung

Zu diesen Ergebnissen kommt das vom Dachfensterhersteller Velux veröffentlichte „Healthy Homes Barometer 2022“, das jährlich in Zusammenarbeit mit dem RAND Europe Institut in ganz Europa durchgeführt wird. Die neue Studie zeigt den katastrophalen Zustand des europäischen Gebäudebestands auf und verdeutlicht die Dringlichkeit einer nachhaltigen Renovierung – für Gesundheit, Wohlbefinden und zur Verringerung der Klimaauswirkungen. „Als wahre ‚Indoor Generation‘ verbringen wir bis zu 90 Prozent unseres Lebens in Innenräumen. Dieser Umstand hat sich in den letzten Jahren durch vermehrtes Homeoffice und Distance Learning weiter verschärft. Daher ist es umso wichtiger, dass wir nachhaltig Wohnräume schaffen, die sich auch positiv auf unsere Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken“, erklärt Bernhard Hirschmüller, Geschäftsführer Velux Österreich.

Durchdachte Lüftungsplanung

Laut Healthy Homes Barometer 2022 sind neun Prozent der Menschen in Österreich von Feuchtigkeit und Schimmel in den eigenen vier Wänden betroffen. Langfristig ist im Bereich des Neubaus und der Renovierung von Gebäuden eine gut durchdachte Lüftungsplanung entscheidend: Je nach Ausrichtung des Hauses kann hier vor allem die Anordnung und Platzierung der Fenster einen Unterschied machen. Optimal ist neben dem effizienten Querlüften auch die Nutzung des sogenannten Kamineffekts. Dabei kann durch das Öffnen bestimmter Fenster in verschiedenen Stockwerken die feuchtwarme Luft noch schneller aus dem Wohnraum gezogen werden. „Durch Investitionen in die Renovierung des Gebäudebestands hat die Politik nicht nur die Möglichkeit, in die Gesundheit der Menschen zu investieren, sondern auch in die Wirtschaft. So zeigen die Prognosen beispielsweise, dass die Verringerung der Belastung durch Feuchtigkeit und Schimmel sowie die Beseitigung des Tageslichtmangels in Wohngebäuden in Österreich bis zum Jahr 2050 einen wirtschaftlichen Nutzen von über 1,3 Milliarden Euro bringen würde“, so Bernhard Hirschmüller.

Für die „Indoor Generation“, die viel Zeit zuhause verbringt, sind die Auswirkungen schlechter Wohnqualität daher noch intensiver zu spüren. 29 Millionen Europäer bezeichnen ihr Zuhause als zu dunkel. Dies fördert Depressionen, Schlafstörungen sowie schlechtes Sehvermögen und wirkt sich somit deutlich negativ auf die Gesundheit aus. Die Studienergebnisse unterstreichen wie dringend notwendig angemessener und leistbarer Wohnraum geworden ist. Mehr als 15 Prozent der Europäer leben in unzureichenden Wohnverhältnissen und die Hälfte verfügen nicht über genügend Ersparnisse, um ihren gewohnten Lebensstandard länger als drei Monate aufrechtzuerhalten.

Heizkosten unleistbar

Ein weiteres aktuelles Problem wird durch die Studie auch verdeutlicht: 50 Millionen europäische Haushalte leben bereits jetzt in Energiearmut, viele von ihnen können ihre Wohnungen im Winter nicht heizen. In Österreich können fünf Prozent mit geringem Einkommen ihre Wohnung nicht ausreichend warmhalten. In Hinblick auf die derzeitige Energiesituation und die steigenden Heizkosten, wird sich diese Gruppe voraussichtlich in der nahenden kalten Jahreszeit noch weiter vergrößern.

„Rund 50 Millionen europäische Haushalte leben bereits jetzt in Energiearmut.“

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