Von Freud und Leid der „Fabrikler“

HE_Feldk / 19.10.2022 • 15:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Wirtschaftsgeschichte wurde nicht nur mit Worten zum Leben erweckt, ...HE
Die Wirtschaftsgeschichte wurde nicht nur mit Worten zum Leben erweckt, …HE

Walgauer Wirtschaftsgeschichte zur Zeit der Industrialisierung als Stoff für Teatro Caprile.

Satteins Einst galt Vorarlberg mit seinen Textilfabriken als „Manchester“ Österreichs. Auch Einwanderer aus dem sonnigen Italien deckten den Bedarf an Arbeitskräften nicht, sodass Kinderarbeit an der Tagesordnung war. Maschinen ratterten in unheimlicher Lautstärke, den ganzen Tag wurde der gesundheitsschädliche Wollstaub eingeatmet.

Zugleich verharrten Katharina Grabher und Andreas Kosek in ihrer Lesung „Fabrikler“ im Pfarrsaal Satteins nicht in Agrarromantik, sondern zeigten auch positive Seiten der Industrialisierung auf: Die Emanzipation von agrarischen Familienstrukturen und der frische kulturelle Wind, den die kunstaffinen Industriellenfamilien ins Land brachten.

Altes und Neues

Mit viel Liebe zum Detail wurde in Texten und mit Musik die Zeit der Industrialisierung nachgezeichnet, als Althergebrachtes auf neue Hoffnungen, aber auch Ängste stieß. Der Rhythmus der „Fabrikler“ trat mit ländlichen Traditionen vielschichtig in Konflikt, ob es der ausbleibende sonntägliche Kirchgang oder die frühe Bettruhe der Arbeiter war.

Dennoch ließ sich das Leben auch mit schier endlosen Arbeitstagen nicht ausblenden. Wenn sich die Gelegenheit bot, wurde „ghörig“ gefeiert, sei es beim Betriebsausflug nach Gargellen oder auf legendäre „Suser Fahrten“ ins benachbarte Fürstentum. „Ganz Liechtenstein jauchzte vom Suser Gesang“, wurde aus Chroniken gelesen.

Im Zug nach Vaduz

Scheinbar ging es seinerzeit im Zug nach Vaduz ähnlich lustig zu wie im Wälderbähnle. Gemeinsam mit Esther Amann-Potocan an der Violine und der Gitarre wurde das Lied vom Wälderbähnle als „Buchser Isabähle“ im Chor mit dem Publikum angestimmt, gefolgt von einem Diskurs über Reise-Achtele, Flucht-Achtele und weiteren Achtele.

Auch Satteinser und ebenso Beschlinger Bauern verfügten damals über Weinberge. Der Rückgang des Walgauweinbaus kam mit der Arlbergbahn und den Importweinen. Dass auch heute im Walgau hervorragender Wein in den Sonnenlagen reift, bewies Winzer Robert Gohm aus Düns bei einer anschließenden Verkostung seiner Weine.

Über zahlreiche Besucher auf der Lesung mit Musik mit Teatro Caprile freute sich insbesondere Bibliotheksleiterin Margit-Brunner Gohm. Unter den Gästen weilten Vizebürgermeister Andreas Dobler, Heinz Hosp und viele andere. HE

... sondern auch durch musikalische Darbietungen.
… sondern auch durch musikalische Darbietungen.
Heinz Hosp, Elisabeth Hosp-Alton und Vize-Bgm. Andreas Dobler.
Heinz Hosp, Elisabeth Hosp-Alton und Vize-Bgm. Andreas Dobler.
Margit Brunner-Gohm, Irene Hartmann und Verena Burger.
Margit Brunner-Gohm, Irene Hartmann und Verena Burger.

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