Von Wichteln, Holzstühlen und Baumstämmen

HE_Blude / 30.11.2022 • 15:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im spanischen Katalonien glaubt man, dass ein bemalter Baumstamm Süßigkeiten und Geschenke ausscheidet.Shutterstock
Im spanischen Katalonien glaubt man, dass ein bemalter Baumstamm Süßigkeiten und Geschenke ausscheidet.Shutterstock

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch oder besonders für Weihnachten, wie verschiedene Bräuche zeigen.

BRÄUCHE Was wäre die Weihnachtszeit ohne ihre Bräuche. Dabei muss man nicht einmal in ferne Länder schauen, um Besonderheiten rund ums Fest zu entdecken. Beim Anklöpfeln handelt es sich beispielsweise um einen alten Brauch, der in der heutigen Zeit insbesondere in Oberbayern, Südtirol und Tirol verbreitet ist. Dabei ziehen Kinder meist von einem Haus zum anderen, klopfen an, singen Lieder und erhalten kleine Geschenke zum Dank. Diese Tradition findet immer in den Anklopfnächten statt – damit sind die letzten drei Donnerstage vor dem Heiligabend gemeint. Eine beliebte Tradition ist auch das Wichteln. Jede Person beschenkt eine andere und wird wiederum selbst von jemandem beschenkt.

Die skandinavischen Wichtel

Apropos Wichteln. In Skandinavien sind die koboldartigen Zwergfiguren unter dem Begriff Nisse oder Tomte bzw. Tonttu bekannt. Der Nisse ist ein alter Mann mit weißem Bart und roter Mütze und ist in etwa so groß wie ein zehnjähriges Kind. Nissen sind traditionell in Häusern und Ställen, beschützen das Grundstück und kümmern sich um die Haustiere. Wenn ein Nisse jedoch nicht gut behandelt wird, spielt er den Bewohnern des Hauses Streiche oder verlässt den Hof. Der Tradition nach hilft der Nisse dem Weihnachtsmann mit den Geschenken und erwartet als Gegenleistung von den Menschen, dass sie ihm während der Adventzeit Milchreis vor die Türe oder auf den Dachboden stellen. Wer zudem eine im Reisbrei versteckte Mandel findet, bekommt ein zusätzliches Geschenk oder wird im kommenden Jahr viel Glück haben.

Ein Stuhl für die Hexe

In Ungarn hat der 13. Dezember als „Luca-Tag“ eine besondere Bedeutung. Es handelt sich dabei um den selben Tag, an dem in Schweden das Luciafest gefeiert wird. Es gehört zum Brauch, an diesem Tag mit dem Bau des „Luca-Stuhls“ zu beginnen, der an Heiligabend fertig sein soll. Der Stuhl selbst besteht aus sieben verschiedenen Holzarten und soll vor gehörnten Hexen schützen. Dabei ist es wichtig, dass der Stuhl bis Heiligabend fertiggestellt und zur Christmette mitgenommen wird. Der Tradition nach soll man sich dann dort auf den Stuhl stellen und nach Hexen Ausschau halten. Entdeckt man eine Hexe, schnappt man sich den Stuhl und rennt sofort nach Hause. Um die Hexen abzuhängen, werden auf der Flucht Mohnsamen fallen gelassen, die diese dann aufsammeln müssen. Zuhause angekommen, verbrennt man dann den Stuhl und ist so für das nächste Jahr vor ihnen sicher.

Ein kackender Baumstamm

In Katalonien gibt es einen weiteren recht eigenwilligen Weihnachtsbrauch: Der „Tió de Nadal“ („Weihnachtsholzklotz“), was übersetzt „scheißender Baumstamm“ bedeutet. Am 8. Dezember zieht dieser Baumstamm in die Häuser ein und wird symbolisch mit Kürbissen, Äpfel und Brot „gefüttert“. Die Kinder verzieren den Baumstamm mit Beinen, einer roten Mütze und malen ihm ein Gesicht auf. Danach wird er mit einer Decke zugedeckt, damit ihm nicht kalt wird. An Heiligabend singen die Kinder dann ein bestimmtes Lied und klopfen dabei auf den Stamm, um seine Verdauung anzuregen. Wenn sie dann die Decke wegziehen, finden sie Süßigkeiten und kleine Geschenke darunter, welcher der Baumstamm ausgeschieden hat.

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