Haus am See

Immo / 03.03.2016 • 13:28 Uhr
Haus am See

An einem Hügel, etwas oberhalb des Seeufers zum Walensee im schweizerischen Kanton St. Gallen hat sich Familie P. ein neues Heim errichtet. Kompetenz für Planung und Umsetzung kam wesentlich aus Vorarlberg. Entstanden ist ein minimalistischer Bau mit viel Platz für das Leben der Familie. Autorin: Verena Konrad | Fotos: V. Konrad, K. Aicher, Bauherrin

as der Blick im ersten Moment als Unschärfe wahrnimmt, als Rätsel an der Oberfläche des unweiten Bergmassivs, ist eine Lawine, die sich den steilen Abgrund hinunterstürzt und kurz vor dem Dorfgebiet auf der anderen Seite des Sees ausläuft. Auf die Distanz vollzieht sich dieses Spektakel ganz leise, ist nur dem geübten Blick zugänglich und doch beeindruckend. Der leichte Wellengang, ausgelöst durch eine Fähre, die hier mehrmals täglich die Ufer miteinander verbindet, zeichnet ein feines Muster auf die Oberfläche des Walensees. Dort hat sich Familie P. vor wenigen Jahren niedergelassen. Das Bauherrenpaar war beruflich viel unterwegs, hatte schon mehrere Wohnorte erfahren, und suchte einen Ort, um hier dauerhaft zu leben. Gefunden hat es diesen in der kleinen Gemeinde Murg am südlichen Ufer des Walensees im Kanton St. Gallen. Die Kinder, mittlerweile alle erwachsen, sollen hier ankommen und willkommen sein können, tagsüber ist das Haus mit dem Leben des Paares erfüllt, das viele Interessen hat. „Das Surfen war ein Grund, hierher zu ziehen. Wir machen das seit Jahren, mögen das Wasser und bewegen uns generell gern“, erzählt die Bauherrin. „Ansonsten haben wir neben der Arbeit auch viele kulturelle Interessen. Wir lesen beide gern, ich male, zeichne und gestalte gern, mein Mann macht Musik.“ Die Atmosphäre im Haus ist feinsinnig, farbintentsiv, aber nicht überfrachtet. Die Räume folgen einer klaren Struktur.

Das große, nach Norden hin abfallende Grundstück gibt den Blick nicht nur frei in Richtung des Sees, sondern liefert auch sensationelle Bilder der Schweizer Bergwelt. Ausgerichtet nach Norden erhält das Haus Sonneneinstrahlung von Süden und Westen her. „Gutes Licht war uns wichtig.“

Das Objekt kann von zwei Ebenen her betreten werden. Der Haupteingang ist straßenseitig angelegt. Die hohen Räume führen von einer zentralen Zone zur rechten in den privaten Bereich mit Schlafzimmer, Bad und Stauräumen. Linker Hand erschließt sich die Alltagszone mit offenem Wohnraum, separat begehbarer, dem Wohnraum aber angeschlossener Küche mit Essbereich. Der Innenraum folgt atmosphärisch dem Außenraum. Wandhohe Verglasungen holen 24 Stunden am Tag den See, den Berg, die Landschaft ins Haus. Umringt sind die Räume von einem schmalen Balkon, einer Terrasse und einem weiteren Sitzbereich im Freien, der bereits auf den Frühling wartet. Die Bauherrin hat den „grünen Daumen“ und hat den Garten mit verschiedensten Pflanzen selbst angelegt. „Ich habe mich schon immer sehr für Fragen von Umweltverträglichkeit interessiert. Mir waren daher auch die Baumaterialien bei unserem Projekt mehr als einen Gedanken wert.“

Eine großzügige Treppe führt ins Untergeschoß. Ein Atelierraum, ein Musikraum, Räume für erwachsene Kinder, Kindeskinder und Gäste mit eigenem Bad und seperatem Eingang sowie Technikräume sind hier untergebracht. „Es ist ein Haus für gehobene Ansprüche“, fasst Architektin Karin Aicher zusammen. „Die Bauherren haben sich im Planungsprozess stark eingebracht und hatten klare Vorstellungen. Die Innenraumgestaltung ging wesentlich von der Bauherrin aus, die durch ihre Tätigkeit als autodidakte Malerin ein sehr gutes Gespür für Proportion, Farbe und Raum einbrachte. Als Absolventin eines technischen Studiums hat sie den Bau und seine Planung auch strukturell und in vielen Details wesentlich angeleitet.“

Ein Blick über die Grenze ist es nur bedingt. Die Bauherren stammen beide aus Österreich, waren beruflich aber auch in der Schweiz und in Liechtenstein aktiv. „Bei der Suche nach einem Architekturbüro haben wir bewusst nach Vorarlberg geschaut, ebenso beim Handwerk oder bei Details wie dem Lehmofen von Harald Müller in Zusammenarbeit mit Martin Rauch.“ Viele Architekturbüros wie auch Handwerksbetriebe haben Aufträge in der Schweiz, einige sogar Standorte dort. Diese Form der Internationalisierung verlangt auch eine Auseinandersetzung mit lokalen Bauvorschriften, Aspekten der Raumplanung und Gesetzgebung generell. Wenn Karin Aicher resümmiert, dann positiv: „Für uns ist das eine klare Bereicherung. Wichtig bleibt in jedem Fall die Qualität der Arbeit, die immer mit dem Ort, den Bedingungen vor Ort und den Bauherr(inn)en in Verbindung steht“.

Mir war auch der Ort wichtig, an dem wir bauen. Nicht nur die Landschaft, sondern auch die Nachbarschaft und die Gemeinde.

Das ganze Haus lebt vom Blick in die Natur. Raumhohe Verglasungen bieten dem Blick unendliche viele Möglichkeiten zum Verweilen.

Das ganze Haus lebt
vom Blick in die Natur. Raumhohe Verglasungen bieten dem Blick unendliche viele Möglichkeiten zum Verweilen.

Behagliches Wohnen: mit einem Lehmofen von Müller Ofenbau. Die Oberflächen hat Harald Müller zusammen mit Martin Rauch bearbeitet.

Behagliches Wohnen: mit einem Lehmofen von Müller Ofenbau. Die Oberflächen hat Harald Müller zusammen mit Martin Rauch bearbeitet.

Freude am Kochen – eine kompakte Küche mit allen wichtigen Funktionen, reduziert in der Form. Die Wandgestaltung übernahm die Bauherrin

Freude am Kochen –
eine kompakte Küche mit allen wichtigen Funktionen, reduziert in der Form.
Die Wandgestaltung
übernahm die Bauherrin

Abendstimmung. Die beweglichen Holzlamellen von der Firma Kaufmann aus Reuthe geben dem Haus Struktur und dienen als Sichtschutz.

Abendstimmung. Die beweglichen Holzlamellen von der Firma Kaufmann aus Reuthe geben dem Haus Struktur und dienen als Sichtschutz.

Zentrale Eingangshalle mit Durchblick zum See. Durchgängige Materialien sorgen für eine gelassene Atmosphäre.

Zentrale Eingangshalle mit Durchblick zum See. Durchgängige Materialien sorgen für eine gelassene Atmosphäre.

Über den Eingangsbereich erfolgt auch die Erschließung ins Schlafgeschoß mit Atelier und Musikzimmer.Die Wände zieren Gemälde und Gesammeltes.

Über den Eingangsbereich erfolgt auch die Erschließung ins Schlafgeschoß mit
Atelier und Musikzimmer.
Die Wände zieren Gemälde und Gesammeltes.

Wohnen im Außenraum. Drei Sitzzonen im Freien im Freien ergänzen das Raumprogramm.

Wohnen im Außenraum. Drei Sitzzonen im Freien im Freien ergänzen das Raumprogramm.

Wohnraum mit Büchern und Kunst. Letztere stammt aus der Hand der Bauherrin.

Wohnraum mit Büchern und Kunst. Letztere stammt aus der Hand der Bauherrin.

Situiert am Hügel bekommt das Gebäude Sonne von Süden und Westen und liefert Blicke in alle Richtungen.

Situiert am Hügel bekommt das Gebäude Sonne
von Süden und Westen und liefert Blicke in alle Richtungen.

Detail am Rande – der Zaun wurde aus Kastanienholz gefertigt. Die Edelkastanie kommt nördlich der Alpen nur selten vor, eine der wenigen Ausnahmen ist das Murgtal.

Detail am Rande – der Zaun wurde aus Kastanienholz gefertigt. Die Edelkastanie kommt nördlich der Alpen nur selten vor, eine der wenigen Ausnahmen ist das Murgtal.

Zugänge auf mehreren Ebenen, gestaltete Außenbereiche, offene und geschlossene Bereiche wechseln sich ab.

Zugänge auf mehreren Ebenen, gestaltete
Außenbereiche, offene und geschlossene Bereiche wechseln sich ab.