Raffinierte räumliche Durchdringung

Baumschlager Hutter Partners haben in Hohenems das Haus F. aus komplex ineinander und gegeneinander verschobenen Kuben angelegt. Verputzt mit zwei Qualitäten von Weiß. Autorin: Edith Schlocker | Fotos: Petra Rainer
ass es Luxus pur ist, als junge vierköpfige Familie in einem Haus mit 260 Quadratmetern Wohnfläche leben zu dürfen, weiß Frau F. Das Grundstück, auf dem das Haus samt Pool und Gewächshaus steht, war bereits in Familienbesitz genauso wie das Nachbarhaus, aus dem Herr und Frau F. vor knapp drei Jahren mit ihrer kleinen Tochter übersiedelt sind. Planen ließen sie ihr Haus vom Architekturbüro Baumschlager Hutter Partners, das sich bei diesem Projekt seinerseits den Luxus leisten konnte, formal auf Nachbarschaften keine Rücksichten nehmen zu müssen. Ist das Haus F. doch regelrecht umzingelt von Einfamilienhäusern, die die unterschiedlichsten Architektursprachen sprechen.
Um sich von diesen baukünstlerisch deutlich abzusetzen, haben die Architekten raffiniert mehrere schlichte weiße Kuben ineinander bzw. gegeneinander verschoben, jonglierend mit Ein- und Ausschnitten, Vor- und Rücksprüngen sowie zwei Qualitäten von weißem Putz. Bei den Außenflächen ist dieser extrem rau, bei den in die Kubatur hineingezogenen Flächen fast glatt. Zelebriert als ebenso minimales wie poetisches Spiel mit Haptiken, das im ganzen Haus spürbar ist. Das ganz bewusst mit wenigen Materialien und Farben auskommt. Die Alufenster sind genauso wie die Haustüre anthrazit, die Wände sind auch innen weiß, die Böden genauso wie die raumhohen Türelemente sind aus geölter und gebürsteter Eiche. Nur im Vorraum und in der Küche liegt ein geschliffener Betonboden, im großzügig dimensionierten Bad ein wasserdicht beschichteter Kunststoffbelag in Beige.
Innenräumlich ist das Haus F. in zwei Bereiche von ganz unterschiedlicher Anmutung geteilt: einen öffentlichen im Erdgeschoß und einen privaten darüber. Verbunden durch eine sich vom Untergeschoß durch das ganze Haus mäandernde hölzerne Stiege, deren Geländer aus anthrazit lasiertem Stahlblech gebaut ist, was dieses in seiner Massivität fast skulptural daherkommen lässt. Schön beleuchtet von einem in das Flachdach geschnittenen Oberlicht. Wie generell das Licht im Haus F. eine wichtige Rolle spielt. Das, das durch die raumhohen Außentüren oder schmalen Fensterbänder ins Innere strömt genauso wie das künstliche, das effektvoll als winzige Spots in die Decken eingelassen ist oder als zarte Lichtbänder geführt wird.
Der Grundriss im Erdgeschoß ist großzügig offen. Von einem geräumigen Vorraum samt Garderobe kommt man in den riesigen Wohnraum, in dem gekocht und gegessen genauso wie auf der bequemen Sitzlandschaft gefaulenzt wird. Die raumhoch verglaste Fensterfront lässt sich durch Schiebetüren zu einer überdachten Terrasse bzw. den Garten öffnen. Der Küchenblock steht frei im Raum, am hölzernen Esstisch haben bequem zehn Personen Platz. Wo die Sitzlandschaft steht, öffnet sich der Raum rund sechs Meter nach oben bis unter das Dach. Wodurch sich eine Galerie im ersten Stock bildet, deren Brüstung wieder aus dunkel lasiertem Stahlblech gemacht ist. An die Galerie anschließend liegen zwei kleine Kinderzimmer samt Kinderbad und ein Fitnessraum, innen erschlossen durch einen langen schmalen, durch ein Fensterband belichteten Gang, außen durch einen schmalen Balkon. Direkt über der Doppelgarage, deren Existenz nur durch die Schlitze erahnbar ist, die ihre weiß verputzte Tür in der Fassade hinterlässt, liegt das Elternschlafzimmer samt großzügigem Schrankraum gleich daneben, dem eine angenehm geschützte holzbeplankte Terrasse vorgelagert ist. Privatheit garantierend, die dem Garten trotz seiner Größe leider fehlt.
Regelrecht ins Schwärmen kommt Baumschlager Hutter Partner Oliver Baldauf im Technikraum im Untergeschoß. Ist hier doch alles so perfekt installiert, wie man es sich nur wünschen kann. Was wohl ein Verdienst des Technik-affinen Hausherrn ist, der auch ein Faible für gute Weine hat. Wie jedenfalls der hier unten eingerichtete Weinkeller mit Gewölbe und atmosphärisch perfektem Lehmputz vermuten lässt.
Ich weiß, dass es Luxus pur ist, wie wir hier leben.

Wie alles im Haus F. ist auch das Bad groß und hell.
In seiner Mitte steht eine weiße Wanne, die Wände und der Boden sind in einem hellen Beige wasserdicht versiegelt.

Im Untergeschoß des mit Erdwärme beheizten Hauses hat sich der Hausherr ein kleines feines – mit Lehm verputztes – Gewölbe zum Aufbewahren und Kosten von guten Weinen eingerichtet.

Der Raum im Erdgeschoß, in dem gekocht, gegessen und gefaulenzt wird, ist riesig und öffnet sich an seinem Ende insgesamt rund sechs Meter hoch bis unter das Flachdach.

Die Galerie im ersten Obergeschoß hat eine massive Brüs-tung aus anthrazit lasiertem Stahlblech. Hier soll einmal eine Bibliothek eingerichtet werden.

Eine hölzerne Stiege mäandert sich vom Untergeschoß nach oben. Ihre aus Stahlblech gemachte Brüstung kommt fast skulptural daher. Viel Licht kommt hier durch eine großzügig dimensionierte Oberlichte.

Wie (fast) im ganzen Haus sind auch im Elternschlafzimmer die Böden und raumhohen Türelemente aus geölter, gebürsteter Eiche. Die Wände sind weiß, die Fensterrahmen fast schwarz und aus Aluminium.

Der Boden im in alle Richtungen offenen Foyer ist – wie auch im Küchenbereich – aus geschliffenem Beton. Licht kommt aus allen Richtungen, natürliches genauso wie geschickt gesetztes künstliches.

Hermetisch geschlossen kommt das Haus F. an seiner Eingangsseite daher. Betreten wird es durch einen geschützten, in die Kubatur hineingeschnittenen Gang mit einer schwarzen Tür an dessen Ende.

Die Garage für die zwei Autos der Familie F. verschwindet komplett im kubischen Gefüge. Sogar ihre Türe ist wie sämtliche äußeren Fassadenteile grob verputzt, während die in die Kubatur hineingezogenen einen fast glatten weißen Verputz tragen.

Ein schmales Fensterband belichtet den Gang im Obergeschoß, der die Schlafräume erschließt. Das über der Garage eingerichtete elterliche Schlafzimmer öffnet sich zum Garten hin durch eine Privatheit garantierende, mit Holz beplankte Terrasse.