Passstück

Nach dem Abbruch des ehemaligen Verwaltungsbaus
und einer alten Werkshalle ist das neue Headquarter
nun ein sechsgeschoßiger Bau, der sich wie ein Passstück
zwischen den unterschiedlichen Hallenstrukturen einfügt.
Seit 1917 werden bei Schelling Maschinen hergestellt. Seit ca. 50 Jahren vor allem vollautomatische Aufteilanlagen für Holz-, Kunststoff- und Metallplatten – kurz Sägen. Dabei ist das Unternehmen für höchste Qualität bekannt und fertigt Plattenaufteil- und Präzisionssägen für industrielle Hersteller von Möbeln, Küchen, Platten, fertigt für die Verarbeitung von Aluminium, Kunststoffen, Leiterplatten und sogar für die Flugzeugindustrie.
In der über 100-jährigen Firmengeschichte hat sich nicht nur was den Anlagenbau betrifft viel getan. Auch die Fertigungsstätten, das Betriebsgelände und die räumliche Struktur als Ausdruck des Umgangs mit den Mitarbeiter(inne)n
hat sich verändert. Über 500 Mitarbeiter(innen) finden heute in Schwarzach und in der ganzen Welt Beschäftigung. Das verlangt nach Räumen für Besprechungen, nach Räumen für konzentriertes Arbeiten, nach Räumen für gemeinsames Lernen und auch nach Pausenräumen.
Mit dem Wachstum und der Entwicklung der Firma ist auch über viele Jahrzehnte ein Konglomerat von firmeneigenen Werkshallen entstanden. Diese sind geprägt von der Logik des Betriebes, aber auch Ausdruck ihrer jeweiligen Zeit und damit auch baukulturelle Zeugnisse von Arbeitswelt. Das neue Headquarter knüpft insofern an diese Tradition an, indem es ebenso aus seiner Zeit heraus Arbeit, das ist heute vor allem auch Zusammenarbeit, deutet.
Nach dem Abbruch des ehemaligen Verwaltungsbaus und einer alten Werkshalle ist das neue Headquarter nun ein sechsgeschoßiger Bau, der sich wie ein Passstück zwischen den unterschiedlichen Hallenstrukturen einfügt. „Die Gebäudehöhe und die klare Struktur des Volumens verleihen dem Unternehmen eine neue Identität durch einen starken und selbstbewussten Auftritt“, formuliert Architekt Andreas Cukrowicz von cukrowicz nachbaur architekten den Entwurf. „Das Erscheinungsbild des Gebäudes wird bestimmt durch Fassadenkonstruktionen aus Metall und Glas. Eine Struktur aus unterschiedlichen Rahmenelementen gliedert das Volumen in zwei Bereiche: eine Sockelzone, welche sich mit den Hallenstrukturen verbindet und einen drei-
geschoßigen kronenartigen Aufbau mit allen Bürobereichen der Zentrale.“ Die Fassade selbst lässt das Auge wandern. Die Struktur ist interessant, so interessant, dass es nicht leicht ist, den Blick abzuwenden und das Rätsel zu lüften, das hinter dieser scheinbar logischen Aufteilung steht.
Im Inneren überzeugt das Gebäude durch klare Strukturen. Zunächst führt der Eingang aber in einen Empfangs- und Willkommensraum mit einem ersten Highlight. Eine massive, in tiefes blaugrün getauchte Stiegenskulptur führt in die oberen Geschoße. Meisterhaft gearbeitet, meisterhaft mit klassischem Hammerschlaglack, eine Oberfläche, die an alte Maschinen erinnert, gemalt, sodass die visuellen Effekte, wenn das Licht auf der Oberfläche bricht, wunderschöne Farbstimmungen, Schattierungen und Leuchtmomente ergeben.
Monika Heiss, Farbexpertin, hat diese und andere Bereiche im Gebäude farblich gestaltet. Gleich nebenan sind ein Schulungsraum und ein in den Verwaltungsbau ragender Produktionsschauraum angeordnet. Diese Räume wie auch die darüber liegenden Technikräume stammen aus einer Sanierung, die noch nicht lange zurückliegt, und sind daher ins neue Gebäude integriert worden.
Es folgen die Bürogeschoße mit offenen Arbeitsräumen – so ist Austausch und Zusammenarbeit möglich. Entlang eines Innen-
hofes reihen sich kleinere und größere Besprechungsräume. Die Pausenräume und ein Mittagsraum sind gut ausgestattet. Wer viel und konzentriert arbeitet, braucht dazwischen auch Ruhephasen und Stärkung. Der Innenhof ist begehbar als Atrium, bepflanzt mit Bäumen in großen Töpfen, möbliert mit Gartenmöbeln, multifunktional verwendbar, und nicht zuletzt auch Belichtungshof für die angrenzenden Räume und ruhendes Zentrum des Gebäudes.
Schelling ist ein agiles, wachsendes Unternehmen. Was tun, wenn der Platz bald wieder nicht mehr reichen sollte? Statt im Neubau Büroreserven vorzusehen, blieb ein Teil der alten Verwaltungsstruktur auf der westlich angrenzenden Produktionshalle bestehen und steht bereit für eine Sanierung.
„Das neue Headquarter bildet zeichenhaft das neue Zentrum des Firmensitzes. Das Ringsystem der Bürozonen samt Innenhof sind das gebaute Symbol des Miteinanders in einer neuen Arbeitswelt.“

Die Möblierung ist locker und leger mit Gartenmöbeln und Bepflanzung in großen Töpfen.

Rund um den Innenhof reihen sich lichte Besprechungszimmer- und Büroräume, die in Größe und Funktion variieren können.

Im ganzen Gebäude ist eine flexible Aufteilung der Flächen von Einzel- bis Großraumbüro möglich und auch umgesetzt. Elektrik und Technik befinden sich versteckt im doppelten Boden, die Lüftung in
der Decke.

Die Fassadengestaltung ist das Resultat von unterschiedlichen Aufteilungen, von Flächenelementen, die so dimensioniert sind,
als wären sie durch verschiedene Sägen gelaufen.

Natur im Gewerbegebiet Der Eingang nimmt sich dezent zurück. Mitarbeiter(innen) und Besucher(innen) werden von einer sanft wuchernden Bepflanzung freundlich empfangen.

Die historischen Hallen, eine davon von Leopold Kaufmann, wurden als sichtbares Zeichen einer respektvollen Anerkennung von Unternehmens- wie auch Architekturgeschichte integriert.

Das Tun im Zentrum. Gleich angrenzend an das Foyer befindet sich ein Produktionsschauraum auf neuestem Stand der Technik.

Im Foyer steht das Willkommen an erster Stelle.

Eine in tiefes blaugrün getauchte Stiegenskulptur ist visueller
Anziehungspunkt und übernimmt
auch Leitfunktion: hier geht es zu den Büroräumen und ins Innere des Gebäudes.

Im Gespräch: Architekt Andreas Cukrowicz mit Peter Ladstädter und Ursula Kloser.

Das großzüge Atrium ist
Lichthof, Ruhezone und Begegungsraum zugleich.