miteinander füreinander

Immo / 30.01.2020 • 13:03 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Ein Artikel bietet eigentlich zu wenig Platz für all das,
was die Wohnanlage mitten in Andelsbuch zum Vorzeigeprojekt macht.
Sie ist Beispiel für sinnvolle Verdichtung im Dorfkern, ein vorbildlicher Beitrag
zum Thema Wohnen im Alter und gibt eine Ahnung davon, wie sich das Konzept
„sozialer Wohnbau“ überwinden ließe, um einer Idee vom gemeinschaftlichen,
guten Leben Platz zu machen, die das eigentliche Ziel allen Planens und Förderns,
allen Bauens und Gestaltens sein sollte.

uadratischer Grundriss, symmetrische Fassaden, überhöhte Form, oft ein Zeltdach – in der Wälder Bautradition waren diese Merkmale Gebäuden von besonderem Rang vorbehal­ten: Gemeindeamt, Pfarrhaus, Schule. Nun gibt es mitten in Andelsbuch gleich vier neue Häuser, die sich ähnlich aus der Masse heben. Im Gegensatz zu den typologischen Vorfahren repräsentieren sie weder Amt noch Würdenträger. Die Sonderstellung gebührt dem Ensemble trotzdem. Erstens, weil mit dem Haus „miteinander füreinander“ ein betreubares Wohnangebot der Gemeinde zur Siedlung dazugehört, also ein wesentliches Element sozialer Versorgung an idealer Stelle ins Ortsgefüge integriert wird. Zweitens verfolgt die Konzeption der drei weiteren, privaten Wohngebäude das sinnvolle, am Gemeinwohl orientierte Ziel, Bebauung dort zu verdichten und unterschiedliche Generationen und Lebensmodelle dort zusammenzubringen, wo es der Gemeinde guttut: mitten im Zentrum. Die Gebäude sind nicht gerade klein, aber sie stehen mit ihrem Programm am richtigen Fleck, in einer Dichte, die ins Kerngebiet passt. Sie sind außerdem so durchlässig gesetzt, dass genug Platz bleibt für attraktive Blickachsen und Wegverbindungen.

Der Gemeinde gehört das nordwestliche Objekt. Wohnen mit Unterstützung, Begleitung oder Betreuung wird hier angeboten. „Betreubares Wohnen“ greift zu kurz. Es ist ein umtriebiges, vielseitig genutztes Haus, wie beim Rundgang mit Architekt Klaus Metzler, der gemeinsam mit Werner Krismer für das Gesamtprojekt verantwortlich zeichnet, deutlich wird: „Die klassische Betreuungssituation wollten wir vermeiden“, sagt er, „wir wollten Leben im Haus.“ Schon das Foyer im Erdgeschoß strahlt diese Lebendigkeit aus. Innenfenster bringen Naturlicht ins Treppenhaus und gewähren Einblick in die anschließenden Räume: links neben dem Eingang die Koordinationsstelle für alle Anliegen im und ums Haus, geradeaus der Saal. Hier gibt es Tagesbetreuung für interne wie externe Gäste, mittags kommen Schulkinder zum Essen. Gekocht wird in der hauseigenen Küche. Das kluge Nutzungskonzept wurde von einer eigenen Projektgruppe erarbeitet, geleitet von den Architekten Christian Feldkircher und Albert Moosbrugger (alias firm), Spezialisten für Bauherrenberatung in diesem Bereich. Als Nutzerin und damit Expertin für das geeignete Raumprogramm war die Hausleiterin Verena Marxgut von Anfang an dabei: „Es war wertvoll, dass alle, die hier arbeiten, bei der Entwicklung involviert waren“, zeigt sie sich sehr zufrieden mit dem Prozess und vor allem mit dem Ergebnis und begleitet uns hinauf in den ersten Stock. Ein im Kern weitgehend offener Grundriss bietet eine gemütliche Gemeinschaftswohnung für sechs Personen, wobei es den Architekten gelungen ist, die umgebenden Einzelapartments durch raffinierte Zonierung nicht als „Pflegezimmer“, sondern als vollwertige Wohnung im Miniformat auszubilden. Im Geschoß darüber sind vier Kleinwohnungen mit je 50 m2 untergebracht. Im dritten Stock sind es zwei Einheiten mit je 75 m2 und im Dachgeschoß gibt es eine ergänzende Kleinwohnung für Kurzzeitnutzung nach Bedarf, zum Beispiel für Angehörige.

Die Idee von Gemeinschaft und Durchmischung wurde nicht auf das „betreubare“ Haus beschränkt. Bauträger beziehungsweise Bauherr Werner Schedler war das auch für den Rest der Anlage wichtig, die komplett im Rahmen des geförderten Wohnbaus, also nach engen Kosten- und Bauvorgaben, realisiert wurde. So gibt es einen gemeinsamen Garten und rückenfreundliche Hochbeete, n denen jede einzelne Wohneinheit Anteil hat. Von der Bewohnerschaft der vier Häuser wird zudem ein eigenes Gemeinschaftshaus betrieben. Es gibt da einen Pizzaofen, einen lauschigen Dachboden als Indoor-Spielplatz für die Kinder, Waschküche und Werkstatt im Keller. Schedler wohnt auch selbst in einem der Häuser: „Es geht darum, dass die Leute eine Möglichkeit haben für Austausch und Geselligkeit. Dazu müssen wir aber die herkömmlichen Wohnformen aufbrechen“, meint er mit Blick aufs Wohnen im Alter, auf das Problem der Vereinzelung und die damit verbundenen Kosten: „Wir können nicht erwarten, dass die jüngeren Generationen das in der jetzigen Form weitertragen.“

Das hochattraktive Gemeinschaftshaus mit anschließendem Gewächshaus wird rege genutzt für Feiern aller Art. Bei schlechtem Wetter ist der Raum vor allem bei den Kindern als Extraspielzimmer beliebt.

Das hochattraktive Gemeinschaftshaus mit anschließendem Gewächshaus wird rege genutzt für Feiern aller Art. Bei schlechtem Wetter ist der Raum vor allem bei den Kindern als Extraspielzimmer beliebt.

Zwischen Gebäuden ist nicht „Restfläche“, sondern Freiraum. Der wurde hier sehr bewusst gestaltet, mit hoher Aufenthaltsqualität für alle. Mauern oder Zäune gibt es nicht. Eine sanfte Zonierung ergibt sich durch Hecken und Sträucher. Ansonsten herrscht Offenheit, Durchblick und freie Bewegung.

Zwischen Gebäuden ist nicht „Restfläche“, sondern Freiraum.
Der wurde hier sehr bewusst gestaltet, mit hoher Aufenthaltsqualität
für alle. Mauern oder Zäune gibt es nicht. Eine sanfte Zonierung ergibt sich durch Hecken und Sträucher. Ansonsten herrscht Offenheit, Durchblick
und freie Bewegung.

Neben den Wohnhäusern gibt es auf einer eigenen Grundparzelle das Gemeinschaftshaus, einen gemeinsam genutzten Obst- und Gemüsegarten und für jede Wohneinheit ein Hochbeet. Auch Salat und Kräuter für die Küche des „miteinander füreinander“ gedeihen hier.

Neben den Wohnhäusern gibt es auf einer eigenen Grundparzelle das Gemeinschaftshaus, einen gemeinsam genutzten Obst- und Gemüsegarten und für jede Wohneinheit ein Hochbeet. Auch Salat und Kräuter für die Küche des „miteinander füreinander“ gedeihen hier.

Vor dem Eingang zum „miteinander füreinander“, wo die Gemeinde zeitge-mäßes, altersgerechtes Wohnen anbietet. Die Grundrisse in diesem und in allen vier Häusern variieren je nach Bedarf. Sie sind aber alle über Eck organisiert. Das bringt mehr Luft und Licht, macht die Räume interessant und angenehm.

Vor dem Eingang zum „miteinander füreinander“, wo die Gemeinde zeitge-
mäßes, altersgerechtes Wohnen anbietet. Die Grundrisse in diesem und in allen vier Häusern variieren je nach Bedarf.
Sie sind aber alle über Eck organisiert. Das bringt mehr Luft und Licht, macht die Räume interessant und angenehm.

Tagesbetreuung und Mittagstisch nehmen jene in Anspruch, die selbstständig außerhalb wohnen, hier aber Austausch und Unterstützung finden. Wer im Haus wohnt, ist selbstverständlich auch willkommen.

Tagesbetreuung und Mittagstisch nehmen jene in Anspruch,
die selbstständig außerhalb wohnen, hier aber Austausch und Unterstützung finden. Wer im Haus wohnt, ist selbstverständlich auch willkommen.

Der große Gemeinschaftsraum ist unterteilbar. Daneben gibt es einen Ruheraum und einen Multifunktionsraum im Foyer. Das Raumangebot ist also flexibel für verschiedenste Nutzungen.

Der große Gemeinschaftsraum
ist unterteilbar. Daneben gibt es einen Ruheraum und einen Multifunktionsraum im Foyer. Das Raumangebot ist also flexibel für verschiedenste Nutzungen.

Ein Blick ins Treppenhaus. Die farbigen Flächen sind die Rück-wände der Postkästen für die einzelnen Wohneinheiten im Haus. Der leicht gelb gefärbte, sandgestrahlte Beton wirkt angenehm natürlich, lehmartig.

Ein Blick ins Treppenhaus. Die farbigen Flächen sind die Rück-
wände der Postkästen für die einzelnen Wohneinheiten im Haus. Der leicht gelb gefärbte, sandgestrahlte Beton wirkt angenehm natürlich, lehmartig.

„Mit einfachen Mitteln eine schöne Gestaltung“, war das Motto der Architekten. Die Möbel sind allesamt Wälder Qualitätshandwerk. Die waschbaren Lampenschirme sind von der Grazer Designerin Barbara Stölzl.

„Mit einfachen Mitteln eine schöne Gestaltung“, war das Motto der Architekten. Die Möbel sind allesamt Wälder Qualitätshandwerk. Die waschbaren Lampenschirme sind von der Grazer Designerin Barbara Stölzl.

Bauträger und Bauherr Werner Schedler, Koordinatorin „miteinander füreinander“ Verena Marxgut, Architekt Klaus Metzler und der Autor lachen aus einem Spätsommertag in den kalten Februar herein.

Bauträger und Bauherr Werner Schedler, Koordinatorin „miteinander füreinander“ Verena Marxgut, Architekt Klaus Metzler und der Autor lachen aus einem Spätsommertag in den kalten Februar herein.