Star-Architekten mit neuem Firmensitz in alten Gemäuern

Jahresrückblick 2021 / 01.10.2021 • 05:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Star-Architekten mit neuem Firmensitz in alten Gemäuern
Tschitscher-Schlössle und Margarethenkapelle am Feldkircher Margarethenkapf werden nun vom Architekturbüro Marte.Marte aus dem Dornröschenschlaf geholt.   VN/Stiplovsek

Weiterer Standort des Architekturbüros Marte.Marte am Feldkircher Blasenberg.

Feldkirch Der stählerne Kran-Riese ist seit einiger Zeit herausragend von der Feldkircher Innenstadt und der Illschlucht aus zu sehen. Dort, über der Ill am Margarethenkapf, thront das denkmalgeschützte Tschitscher-Schlössle samt der namensgebenden Margarethenkapelle, die nun aus ihrem Dornröschenschlaf geholt werden.

Das renommierte Feldkircher Architekturbüro Marte.Marte der Brüder Bernhard und Stefan, die den Wohnturm samt Kapelle bereits 2003 erworben haben, plant hier einen zweiten Firmensitz. Der Stammsitz des Architekturbüros befindet sich seit 2016 in der Alten Dogana in der Feldkircher Neustadt. Schon lange aber denkt das Architektenduo, das schon immer Fan von Burgen war, über einen weiteren Standort im Tschitscher-Schlössle nach. Der soll nun auf dem geschichtsträchtigen Areal am Blasenberg verwirklicht werden.

Die Architekten Bernhard und Stefan Marte (hier 2013) erwarben die beiden Gebäude bereits 2003. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Die Architekten Bernhard und Stefan Marte (hier 2013) erwarben die beiden Gebäude bereits 2003. VN/Hartinger

Der viergeschossige Wohnturm auf der schmalen Felskuppe am Margarethenkapf wurde 1620 von dem Hubmeister Paul Tschitscher erbaut. Noch heute ist es unter dem Namen Tschitscher-Schlössle bekannt. Die danebengelegene Kapelle St. Margaretha wurde 1522 geweiht. Deren Sitz, dem Blasenberg – neben Ardetzenberg, Stadtschrofen und Känzele einer der vier prägenden Hügel Feldkirchs –, kommt eine besonders geschichtsträchtige Bedeutung zu.

Historisches Naturjuwel

Bereits im Mittelalter freute sich der Adel über die einmalige Lage über der Ill. 1868 wurde das Gelände am Margarethenkapf samt Tschitscher-Schlössle und Kapelle vom ehemaligen Feldkircher Bürgermeister Josef Andreas Ritter von Tschavoll erworben. Er baute 1867 auf dem Areal die Tschavoll-Villa und legte im Stil englischer Landschaftsgärten ein Anwesen mit Palmenhaus, Pavillon, Linden-Allee und Aussichtspunkten an.

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1799 kämpften hier in Folge des zweiten Koalitionskriegs französische gegen österreichische Truppen in der Schlacht bei Feldkirch. Der Weg über den Margarethenkapf war bis zum Bau der Vereinigungsbrücke 1930 die einzige Verbindung zwischen Feldkirch und Tosters. Auch in die Weltliteratur fand die Gegend Eingang: Thomas Mann schrieb in „Der Zauberberg“ über die Parkanlage.

Revitalisierung

Das Gelände lag lange Zeit in einem Dornröschenschlaf. Der Margarethenkapf ist heute größtenteils in öffentlichem Besitz, die Stadt Feldkirch begann 2006 mit der teilweisen Reaktivierung des historischen Naturjuwels. Nur die Gebäude sind überwiegend in Privatbesitz. Tschitscher-Schlössle samt Margarethenkapelle standen zuvor über Jahrzehnte hinweg leer und verfielen zusehends. Ein Erbstreit blockierte rund 50 Jahre jede Initiative zur Wiederbelebung. Das soll sich nun mit der millionenteuren Revitalisierung des altehrwürdigen Gemäuers des Architekturbüros Marte.Marte ändern. Die Baustelle ist eingerichtet, die beiden Gebäude komplett eingerüstet.