Kurz klagt Bregenzer nach Hass-Tirade

Jahresrückblick 2021 / 17.11.2021 • 16:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kurz klagt Bregenzer nach Hass-Tirade
Der österreichische Alt-Kanzler Sebastian Kurz strengte beim Bezirksgericht Bregenz einen Prozess an. VN/GS

Sebastian Kurz zerrte Vorarlberger (67) vor Gericht.

Bregenz Der Beschuldigte, ein 67-jähriger Bregenzer, zeigt sich bei der Verhandlung gegenüber Richter Christian Röthlin sofort geständig: „Ja, das habe ich Kurz geschrieben. Und ich würde es heute wieder tun!“

Auf die Frage nach seinem Beruf entgegnet der Beschuldigte: „Forscher ohne Gehalt mit Mindestsicherung.“ Doch worum geht es bei diesem außergewöhnlichen Prozess?

Schlicht um einfach um wüste Beleidigungen. Um wüsteste Schimpftiraden, die der Bregenzer per E-Mail nicht nur persönlich adressiert ans Büro von Sebastian Kurz schickte, als dieser noch österreichischer Bundeskanzler war, sondern unter anderem auch in die Büros von Ex-Gesundheitsminister Rudolf Anschober oder jenes von Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner.

Auf eineinhalb Seiten beflegelte er den Kanzler darin mit insgesamt 15 unflätigsten Schimpfworten auf das Übelste.

Auf die Frage nach seinem Motiv für diese Orgie von Beleidigungen vermag der Beschuldigte allerdings keine wirkliche plausible Erklärung von sich zu geben. Begonnen habe alles damit, als bei ihm der Verdacht auf Darmkrebs diagnostiziert worden sei. „Aber dann hat man mich aus dem Spital geschmissen“, empört er sich. Und zwar auf „politische Weisung“, so seine abstruse Begründung. Dasselbe in einem anderen Krankenhaus. „Sie sagten, sie hätten nichts gefunden.

„Schmerzen wie die Sau“

Einmal habe sich der Bregenzer die Schulter gebrochen. „Da „hängten sie mir nur so ein Ding um und schickten mich wieder weg.“ Als er tatsächlich einmal eine Operation anstand, sei der Eingriff unnötig verschoben worden. „Dank Kurz leide ich an einer schweren Krankheit“, brüskiert sich der 67-Jährige. „Ich habe Schmerzen wie die Sau.“

„Wieso soll denn der Kurz daran schuld sein?“, will der Richter nun vom Beschuldigen wissen. „Als es los ging mit Corona, da sagte Kurz, dass jeder bald jemanden kennen würde, der daran gestorben ist. Aber die Hütten standen leer“, kommt als Antwort. Mit „Hütten“ spielt der 67-Jährige auf die Spitäler an und damit wohl auch auf seine Empörung, dass man sich zu wenig um ihn gekümmert habe. „Der Kurz ist ein ungebildeter Krüppel, der sich aufführt wie seinerseits der Adolf . . .“, bemerkt er noch.

Jedenfalls hatte der damalige Bundeskanzler über den Vorarlberger Rechtsanwalt Matthias Kucera eine Unterlassungsklage gegen den Bregenzer eingebracht, zukünftig keine solche Beleidigungen mehr gegen ihn zu äußern.

600 Euro Strafe

Richter Röthlin folgt dem Begehren von Kurz und verurteilt den Bregenzer wegen des Vergehens der Beleidigung zu einer Geldstrafe in der Höhe von 150 Tagessätzen zu je vier Euro, also insgesamt 600 Euro.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.