VN-Interview. Anna Gamma, Institut für Zen- und Leadership, Luzern

21.04.2017 • 12:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

„Klarer, weiter Geist – Zen für Führungskräfte“ heißt das Motto am 10. Mai im Montforthaus.

FELDKIRCH. (cro) Um eine erfolgreiche Führungskraft zu sein reicht wirtschaftliches Denken nicht aus, sagt Zen-Meisterin Anna Gamma. Welchen Einfluss der chinesisch-japanische Buddhismus dabei haben kann, erklärt die Schweizerin im Interview mit den VN.

Inwieweit soll ein klarer, weiter Geist bei Führungskräften über das wirtschaftliche Denken hinausgehen?

Anna Gamma: Um eine erfolgreiche Führungskraft zu sein, reicht das rein wirtschaftliche Denken heute nicht mehr aus. In der stets wachsenden Komplexität und Beschleunigung sind noch andere Formen der Intelligenz gefragt, eben auch ein wacher, weiter Geist. Er hilft, das größere Ganze zu sehen und sich nicht im Detail zu verlieren.

Wo sehen Sie die Schnittpunkte einer digitalisierten Welt und traditioneller fernöstlicher Meditation?

Gamma: Zen hilft, ganz in der Gegenwart anzukommen und das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Die in der Stille gewonnene innere Freiheit befähigt uns, dem Diktat der digitalisierten Welt nicht zu verfallen und nicht zu vergessen, dass der Mensch immer noch im Zentrum jedes unternehmerischen Handelns steht, nämlich als Mitarbeiter, Chef, Kunde, Zulieferer, Verwaltungsrat . . .

Welche Impulse können Sie durch Zen vermitteln?

Gamma: Wer den Weg der Stille und des äußeren wie inneren Schweigens geht, kommt unmittelbar in Kontakt mit dem Leben und damit auch mit sich selbst. Die Menschen finden inneren Halt, Mitgefühl für sich und andere und wachsen in jene Selbstkompetenz hinein, die jenseits ist von fachlichem Können, von Status, Rolle oder Funktion.

Still sitzen und an nichts denken. Für viele Leader undenkbar. Ist das Schweigen eine Antwort auf das „Ständig erreichbar sein“?

Gamma: Schnelllebigkeit kann auch etwas Faszinierendes haben. Doch wenn wir der Faszination verfallen besteht die Gefahr, dass wir uns im Funktionieren verlieren und schlussendlich im Hamsterrad wieder finden. Dann kann es vorkommen, dass die inneren Dialoge und Selbstgespräche derart „laut“ werden, dass sie uns nachts aus dem Schlaf wecken. In der Stille kommt das Gedankenkarussell jedoch nach und nach zur Ruhe. Wir lernen zu unterscheiden zwischen Kronos und Kairos, der getakteten Zeit, die in Hektik und Stress münden kann, und der stimmigen Zeit, in der wir die richtigen Dinge zur richtigen Zeit ohne Reibungsverlust wie Widerstand und Selbstzweifel tun.

Der Druck in der Arbeitswelt ist groß. Ist Zen eine Methode, damit gelassener umzugehen oder ist es überhaupt die Absicht von Zen, in die Arbeitswelt „einzugreifen“?

Gamma: Zen unterscheidet nicht zwischen Arbeitswelt und Freizeit. Er umfasst das ganze volle Leben. Er befreit Potenziale, die in jedem Menschen ruhen, und dazu gehört auch Gelassenheit.

Bekommen Führungskräfte durch Zen mehr Einblick in die Seelen ihrer Mitarbeiter?

Gamma: Erst einmal wird man auf dem Weg des Zen konfrontiert mit dem eigenen seelischen Innenraum. Da heißt es, lauf dir nicht selbst davon, nimm dich an in deinem Geworden-Sein, auch mit der Erfahrung von Versagen, Scheitern, Scham und Schuld. Wir verstehen mit der Zeit nicht nur uns selbst besser, sondern werden feinfühliger für die Mitmenschen, für ihre Sorgen, Ängste und Freuden. Im Klartext heißt dies: Wer den Weg des Zen geht, gewinnt nicht nur Selbstkompetenz, sondern auch soziale Kompetenz.

Sie sagten einmal über sich selbst: „Auch ich bleibe ein Mensch mit Ungeduld . . .“ Wie geht man mit Ungeduld um?

Gamma: Es ist wichtig zu erkennen, dass wir die Schwäche der Ungeduld haben. Denn kein Baum, kein Mensch und kein Unternehmen wachsen unter dem Diktat von Ungeduld. Übrigens: in der Ungeduld ist auch eine positive Kraft verborgen, die sich aber erst dann zeigt, wenn wir gelernt haben, zur Schwäche ja zu sagen. In der Ungeduld steckt das Potenzial des Fortschritts, Wachstums und Lebensfreude.

Veranstaltung

Klarer, weiter Geist –

Zen für Führungskräfte

» Eine Veranstaltung der Pionierbasis Dornbirn und dem Institut für Zen&Leadership

» Impulsabend, Mi., 10. Mai, 18 Uhr, Montforthaus Feldkirch

» Seminar, Do., 11. Mai, 9 bis 17 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast

» Anmeldungen bis 3. Mai unter info@pionierbasis.com

» Weitere Informationen unter
www.pionierbasis.com