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Karriere / 30.03.2018 • 09:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Doris Jäger: „Personen mit einem starken Glauben an die eigene Kompetenz weisen eine größere Ausdauer bei der Aufgabenbewältigung auf. jäger
Doris Jäger: „Personen mit einem starken Glauben an die eigene Kompetenz weisen eine größere Ausdauer bei der Aufgabenbewältigung auf. jäger

Was müssen Therapeuten können? Hohe Kompetenz für die geplagte Tempogesellschaft gefragt.

Therapeutenkompetenz Ich halte das nicht mehr aus! Heute leiden viele Menschen an Überforderungen, die sich auf den Körper übertragen können. Hinter psychosomatischen Beschwerden können zukunftsbezogene Ängste stecken, vergangenheitsorientierte Sorgen oder vernachlässigte Achtsamkeit in der Gegenwart.

Engagierte Therapeuten, energetische Begleitung und Coaching-Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es viele. Wie findet jeder für sich die ideale Hilfestellung?

Körpersprache

„Ein erfolgreicher Therapeut verfügt über Schlüsselfaktoren wie soziale, persönliche und fachliche Kompetenzen“, sagt Doris Jäger, Gesundheitspädagogin und Resilienztrainerin. In ihrer Praxis in Wolfurt hat sie täglich mit Menschen zu tun, die aus dem Patientenalltag Beispiele erzählen: Wenn der Blutdruck steigt, weil der Chef Ärger macht. Wie sich Magengeschwüre entwickeln, weil man sich Angriffen schutzlos ausgeliefert fühlt. Der Tinnitus pfeift in höchsten Tönen, weil man viel um die Ohren hat, oder Darmprobleme aufzeigen, dass Loslassen und Vergeben das Thema wäre.

Dann stellt sich die Frage: Wo werde ich verstanden, wer kann mich kompetent unterstützen, zu wem habe ich Vertrauen?

Da geh ich hin

Was muss ein erfolgreicher Therapeut können, über welche Talente und Stärken verfügen? „Im Wesentlichen handelt es sich um die Bereiche der sozialen, persönlichen und fachlichen Kompetenzen. Idealerweise sind alle drei gut entwickelt“, erklärt Doris Jäger.

Die zentrale Aufgabe eines Therapeuten beinhaltet einen Rapport zwischen Patient und Behandler herzustellen, sagt sie. Gemeint ist, dass er entsprechende Interventionen den Bedürfnissen, dem Verständnis und den Möglichkeiten des Hilfesuchenden anpasst. Der Patient soll das Gefühl haben, dass er und sein Anliegen im Mittelpunkt stehen – ohne Bewertung seiner selbst und seiner Thematiken. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und die Motivation zur Verhaltensänderung werden dann geweckt, wenn der Patient merkt, dass die vom Therapeuten vorgeschlagenen Behandlungsvorschläge zu ihm passen.

Selbsterkenntnis als Initialzündung

Zu den sozialen Kompetenzen gehört eine für den Patienten verständliche Gesprächsführung. Es geht darum, achtsam zuzuhören und so wahrzunehmen, was ist und was fehlt. Es gilt, gezielt nachzufragen anstatt Hypothesen aufzustellen und so dem Gespräch eine Struktur zu geben. Der Therapeut leitet den Patienten an, seine Handlungen und „Das-was-ihn-in-die-Krankheit-geführt-hat“ zu reflektieren, damit er selbst zu einem Lösungsansatz kommt. Selbsterkenntnis ist die umsetzungsträchtigste Initialzündung einer Verhaltensänderung. Doris Jäger: „Ziel eines jeden Therapeuten sollte sein, seinen Methodenkoffer mit Coaching-Tools für den Praxisalltag zu füllen: Entscheidungsfindung, Konfliktlösung, Zielerreichung, Veränderungen ansteuern und Potenzialerkennung.

In der Energie bleiben

Wie schafft es ein Therapeut, auch nach dem achten Patienten noch dasselbe Engagement an den Tag zu legen? Jäger: „Persönliche Kompetenzen zielen darauf ab, dass sich der Therapeut abgrenzen und in seiner Energie bleiben kann. Dazu gehört auch das gelegentliche Nein-Sagen.“ Das Wissen, in humorvolle Geschichten und Metaphern verpackt, gibt dem Gespräch einen heilsamen Unterhaltungsfaktor und allein dadurch kann der Selbstheilungsprozess angestoßen werden. mec