Kluft bei Gehalt in Vorarlberg am größten

Karriere / 08.11.2019 • 08:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frauen aller Studienrichtungen geben sich im Schnitt mit rund 6000 Euro weniger Jahresgehalt zufrieden als ihre männlichen Kollegen.
Frauen aller Studienrichtungen geben sich im Schnitt mit rund 6000 Euro weniger Jahresgehalt zufrieden als ihre männlichen Kollegen.

Männer achten viel stärker auf ein hohes zukünftiges Einkommen.

Einkommen Der Equal Pay Day fiel heuer auf den 21. Oktober. Von diesem Tag an arbeiten ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen 2019 unbezahlt. Oder anders gerechnet: Weibliche Arbeitnehmerinnen in Österreich verdienen um 10.000 Euro weniger als Männer. Eine Erhebung von StepStone und Universum, für die österreichweit mehr als 10.000 Studierende befragt wurden, ergab jetzt, dass sich die Einkommensschere viel früher als gedacht öffnet. Schon im Studium erwarten Frauen deutlich niedrigere Einstiegsgehälter als ihre männlichen Kollegen. So geben sich Frauen aller Studienrichtungen im Schnitt mit rund 6000 Euro weniger Jahresgehalt zufrieden als ihre männlichen Kollegen. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied in den Naturwissenschaften: Hier erwarten männliche Studierende rund 38.000 Euro Jahreseinkommen, während sich Frauen mit 7000 Euro weniger pro Jahr zufriedengeben.

Hartnäckig verankert

In wirtschaftlichen Studiengängen beträgt die Kluft rund 5000 Euro (Frauen: 33.000 Euro, Männer: 38.000 Euro), während weibliche Studierende in Engineering und IT mit rund 4000 Euro weniger pro Jahr rechnen (Frauen: 35.000 Euro, Männer: 39.000 Euro). Zu den Extremspitzen im Branchenvergleich zählen Studentinnen im Gesundheitssektor (28.000 Euro Jahresgehalt) und männliche Studierende in der Automobilbranche (41.000 Euro jährlich). „Wieder einmal bestätigt sich, dass die unterschiedlichen Lohnniveaus hartnäckig in den Köpfen verankert sind“, so Rudi Bauer, Geschäftsführer von StepStone Österreich. „Frauen wird schon früh beigebracht, beim Thema Gehalt ja nicht zu sehr hochzustapeln.“

Gehaltserhöhung erfragen

Wie verschieden das Thema Gehalt gewichtet ist, zeigt sich auch an der Wunschliste von Studierenden an ihren künftigen Arbeitgeber: So wünschen sich männliche Studenten ein hohes Einkommen in der Zukunft, Führungskräfte, die ihre Entwicklung fördern, und attraktive und interessante Produkte oder Dienstleistungen. Für Frauen haben dagegen vielfältige Arbeitsaufgaben, ein freundliches Arbeitsumfeld sowie der respektvolle Umgang miteinander besonders hohe Priorität. Aber auch was das Fragen nach einer Gehaltserhöhung betrifft, spaltet die Vorgangsweise die Geschlechter. Denn während gut ein Viertel aller Männer (26 Prozent) jedes Jahr nach einer Gehaltserhöhung fragt, hat mehr als jede dritte Frau (42 Prozent) noch nie um mehr Geld gebeten. Die Gründe: Angst – und fehlende Unterstützung. Knapp zwei Drittel aller Frauen graut davor, nach mehr Geld zu fragen. Zudem wird Frauen von Freunden, Familien oder Kollegen weit seltener als Männern dazu geraten, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen (fünf Prozent versus 14 Prozent).

19,7 Prozent weniger

Tatsächlich geht die Gehaltsschere im Lauf der Jahre immer weiter auf, und das österreichweit: Die Lohnsteuerstatistik bestätigt, dass Frauen von Vorarlberg (23 Prozent) über Niederösterreich (20 Prozent) bis ins Burgenland (19 Prozent) weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Während das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern in Österreich bei 52.033 Euro liegt, verdienen Frauen laut einer Erhebung des Städtebunds durchschnittlich 41.785 Euro brutto im Jahr – und müssen damit ein Minus von 19,7 Prozent in Kauf nehmen.

Frauen aller Studienrichtungen geben sich im Schnitt mit rund 6000 Euro weniger Jahresgehalt zufrieden als ihre männlichen Kollegen.
Frauen aller Studienrichtungen geben sich im Schnitt mit rund 6000 Euro weniger Jahresgehalt zufrieden als ihre männlichen Kollegen.