Rondo Ganahl: Sicherheit der Mitarbeiter als oberstes Gebot

Karriere / 12.04.2020 • 10:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Der Schutz der Belegschaft steht derzeit ganz oben auf der Prioritätenliste. FOTO: WEISSENGRUBER

Nie war ein engagiertes, gesundes Team wichtiger als derzeit. Vorstandsvorsitzender Hubert Marte und Personalleiter Felix Stecher  über Krisenbewältigung und Mitarbeiterführung.

Christine Mennel

Wie geht Rondo als Unternehmen mit der aktuellen Krisensituation um?

Marte: Oberstes Ziel in dieser Krise ist es, die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen. Wir haben dafür bereits Mitte Februar mit unterschiedlichen abgestimmten und wirksamen Schutzmaßnahmen begonnen. Neben der Gesundheit der Mitarbeiter haben wir auch viele Anstrengungen unternommen, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Arzneiwaren oder medizinischen Geräten. Ohne Verpackung ist in der heutigen Zeit ja keine industrielle Produktion vorstellbar, auch die entsprechende Logistik wäre undenkbar. Wir werden übrigens genau deshalb als „systemrelevanter Industriebetrieb“ eingestuft. Für den großartigen Einsatz geht an dieser Stelle unser großer Dank an die Mitarbeiter, deren Einsatzbereitschaft in dieser Zeit überragend war und noch immer ist!

Was ist das Schwierigste derzeit? Warum sind Sie trotz Krise gut aufgestellt?

Marte: Das Schwierigste ist momentan eindeutig die Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter und deren Familien. Sie überschattet im Augenblick alle anderen Herausforderungen. Eine unmittelbare Lebensgefahr unterscheidet ja diese Krise von anderen, etwa der immer wieder genannten Finanzkrise. Wir sind gut aufgestellt, weil wir durch die vielen verschiedenen Branchen, die wir mit Verpackungen beliefern, eine breite Streuung des Absatzrisikos haben. Momentan haben wir Umsatzzuwächse bei den Lebensmittelverpackungen und Verpackungen für den Online-Handel. Die Umsätze aus dem Baunebengewerbe und der Automobil-Zulieferindustrie gehen hingegen deutlich zurück. Das summierte Ergebnis ergibt für die Rondo-Gruppe einen überschaubaren Umsatzrückgang. Dieses Szenario kann sich bei einer Verlängerung der COVID-19-Maßnahmen über Ostern hinaus natürlich auch für uns verändern. 

Wie schaffen Sie es, die Produktion aufrecht zu erhalten?

Marte: Wir schaffen das nur, weil wir uns auf mehrere Faktoren verlassen können. Ganz am Anfang steht das Bemühen um den bestmöglichen Schutz unserer Mitarbeiter. Bleiben sie gesund, können wir die Produktion aufrecht erhalten. Zusätzlich gefordert ist dabei auch die Umsicht und Disziplin unserer Mitarbeiter im Privatleben. Diesen Lebensbereich wollen wir keinesfalls beeinflussen, aber so weit als möglich – etwa mit entsprechender Aufklärung – unterstützen. Organisatorisch hilft uns die vertikale Integration der Rondo Ganahl AG bei der Aufrechthaltung des Betriebs. Wir produzieren einen Teil unseres Rohstoffes für die Verpackungen – das Papier – selbst. Für die Herstellung des Papiers sammeln wir auch das Altpapier (im Großraum Innsbruck) selbst. Somit schließen wir einen ökologischen Kreislauf und sorgen selbst für unseren Rohstoff. Das ist nachhaltig und macht uns in einem gewissen Maß unabhängig von Lieferketten.

Welche Chancen sehen Sie in der momentanen Lage, um als Unternehmen trotzdem bestehen und wachsen zu können?

Marte: Wachstum ist in dieser Situation kein primäres Ziel. Das oberste Ziel ist jetzt die Gesundheit unserer Mitarbeiter und ihrer Angehörigen. Selbstverständlich wollen wir als Unternehmen weiterhin attraktive Arbeitsplätze anbieten und – sofern eine Entspannung am Markt eintritt – auch neue Arbeitsplätze schaffen. Anders gesagt: So wie in der Vergangenheit wollen wir unseren Mitarbeitern eine solide ökonomische Basis in einem sehr attraktiven Umfeld bieten.  Zufriedene Kunden werden weiterhin das Fundament dafür sein und wir sind in der Entwicklung auf einem erfolgversprechenden Weg.

Wer sind Ihre Kunden und was macht Ihre Produkte aus?

Marte: Unsere Kunden sind vorrangig Produktionsbetriebe, also alle, die etwas zu verpacken haben. Die Holzfaser als Ausgangsmaterial unserer Produkte ist genial: nachwachsend, ökologisch und recyclingfähig. In Bezug auf Konstruktion und Bedruckbarkeit ist Wellpappe zudem sehr flexibel. So wird jede moderne Verpackung zu einem Maßanzug für das zu verpackende Produkt und die vielfältigen Druckvarianten liefern die perfekte Verkaufsförderung gleich mit. Nach der Pandemie werden vermutlich weitere Mehrwegverpackungen durch recyclingfähige Kreislaufverpackungen wie die Wellpappe ersetzt. Beispiele dafür wären die Obst- und Gemüsesteigen.

Wie sieht Ihre Personalarbeit derzeit aus?

Stecher: Ende Februar haben wir mit dem Krisenstab die ersten Maßnahmen umgesetzt. Je nach Arbeitsplatz gilt es, unterschiedliche Schutz- und Hygiene-Richtlinien zu beschließen, zu erörtern, umzusetzen und auch zu kontrollieren. Wir stimmen uns auch jetzt noch täglich ab, welche notwendigen Vorkehrungen im Betrieb aufgrund neuer Rahmenbedingungen zu treffen sind. Wir wollen – und müssen – die Produktion trotz mancher Mitarbeiter unter Quarantäne aufrecht halten. Dies bedeutet für uns alle einen deutlich erhöhten Kommunikations- und Abstimmungsbedarf.  

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter getroffen? Wie organisieren Sie den Alltag?

Stecher: In der Verwaltung haben wir soweit als möglich auf Homeoffice umgestellt. Unsere IT hat dabei in kurzer Zeit richtig viel Neues umsetzen können, sodass sich die Angestellten sehr gut und schnell zurechtgefunden haben. In der Produktion ist das leider nicht so einfach möglich. Hier haben wir etwa die Mitarbeiter der einzelnen Schichten strikt voneinander getrennt und entsprechende Verhaltensregeln eingeführt. Als eine von unzähligen weiteren Maßnahmen wurden zwischen den Schichten zeitliche Abstände eingeplant, damit sich die Mitarbeiter nicht persönlich begegnen. Arbeitsplätze werden zusätzlich desinfiziert. Bei der Anlieferung und Abholung von Waren wurden die Personen ebenfalls voneinander getrennt. Wir haben noch immer täglich neue Ideen, die wir sofort umsetzen.

Werden nach wie vor neue Mitarbeiter rekrutiert?

Stecher: Ja, derzeit suchen wir beispielsweise einen IT Business Analyst, einen  IT Systems Engineer, jeweils einen SAP Inhouse Consultant für das Modul PP/MM und SD, einen Business Analyst für Controlling und einen Disponenten für die Versandlogistik und einen HR-Spezialisten. Auch in der Zeit nach der Krise wollen wir gut aufgestellt sein. Wir haben ein gutes Kernteam, das durch die schwierige Zeit noch mehr  zusammengewachsen ist. Aber wir suchen laufend auch neue Talente und Begabungen. Die Vorarbeit als Betrieb haben wir in den letzten Jahren schon geleistet.

Welche Kriterien sollen die Teamverstärker erfüllen?

Stecher: Neben den fachlichen Qualifikationen, die für den jeweiligen Job unerlässlich sind, haben wir ein klares Leitbild, das uns bei der Auswahl unserer zukünftigen Mitarbeiter hilft. Neben einer offenen und direkten Kommunikationskultur stehen Leistungsbereitschaft, schnelles Umsetzen sowie Qualitätsbewusstsein und eine positive Lebenseinstellung im Vordergrund.

Was erwarten Sie nach der Krise?

Stecher: Wir sind in jeder Hinsicht optimistisch, sowohl was die gesellschaftlichen Entwicklungen als auch was die Wirtschaft anbelangt. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass unsere Kunden einen Großteil des entgangenen Umsatzes nachholen werden – an fehlenden Verpackungen von Rondo soll dieses Vorhaben auf keinen Fall scheitern. Wir haben bis zum heutigen Tag bei Rondo noch keine krisenbedingte Kündigung; das wollen wir auch bis zum Ende durchhalten.

Was denken Sie, wird die Zeit „nach Corona“ für Rondo bringen?

Marte: Etliche Unternehmen werden sich einen dauerhaften Online-Handel überlegen. Dafür werden ökologische Versandverpackungen vermehrt nachgefragt. Hygienische (und recycelbare) Verpackungen für Lebensmittel werden ein großes Thema werden. Aber wenn schon der Verpackungsaufwand insgesamt größer wird, dann werden wir an einer ökologischen und recyclingfähigen Lösung wie Wellpappe nicht vorbeikommen. Wir glauben fest daran, dass Kreislaufverpackungen mit garantierter Umweltverträglichkeit ein sehr zukunftsfähiges Thema sein werden. Und das ist gut so.

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