Karriere: Konditoren sind Künstler

Karriere / 13.06.2020 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Karriere: Konditoren sind Künstler
Ausbilderin Nicole Schneider-Schallert: „Wichtig ist, dass man ausbildet. Nur so kann der Fortbestand des traditionellen Konditorenhandwerks weiterleben.“ FOTO: SCHALLERT

Kreatives Werken in der Welt der Konditorei versüßt den Karrierestart: Nicole Schneider-Schallert, Café Konditorei Schallert in Höchst, im Interview.

Sie bilden seit Beginn der Gründung des Café Konditorei Schallert im Jahre 1976 Konditorlehrlinge aus. Solche Traditionsbetriebe gibt es nicht mehr allzu viele?

Ja, die Café Konditorei Schallert wurde von meinen Eltern Armin und Erna Schallert 1976 gegründet. Seit Beginn an bilden wir Konditorlehrlinge aus. Mein Vater war und ist Konditor aus Leidenschaft. Ihm ist seit jeher das Weitergeben des Fachwissens ein Anliegen. Seit vielen Jahren ist er aktiv in der Wirtschaftskammer als Mitwirkender bei der Lehrlingsausbildung.

Wie würden Sie den Beruf beschreiben?

Das Berufsbild eines Konditors ist breit gefächert. Wir sind stolz darauf, dass unsere Lehrlinge die gesamte Bandbreite des Berufsbildes bei uns erlernen können. Angefangen von der Herstellung sämtlicher Teige, Massen und Cremen bis zu Pralinen und Speiseeiserzeugung. In unserer Backstube werden keine Fertigprodukte verwendet, wir sind der Tradition treu geblieben und arbeiten noch gleich wie vor 44 Jahren.

Konditoren sind Künstler, sagen Sie …?

Ja, diese Kreativität können die Lehrlinge bei der Arbeit mit Schokolade sowie dem Arbeiten mit Zucker und dem Modellieren von Marzipan ausleben. Die jungen Menschen schätzen auch die Abwechslung des Konditorjahres. Jede Saison hat ihren Schwerpunkt.

Wie attraktiv ist der Beruf des Konditors?

Wir erkennen, dass er in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit gewonnen hat. In der Bevölkerung herrscht eine große Nachfrage nach guten und ehrlichen Produkten. Dies konnten wir auch während der Coronakrise bemerken. Viele Kunden sind gekommen und haben gesagt, diesen kleinen Luxus gönnen Sie sich jetzt. Sie kaufen sich ein Stück vom Glück! Es motiviert die jungen Leute, zu sehen, dass man mit dem, was man produziert, bei anderen Freude verbreiten kann. Was gibt es Schöneres?

Wie würden Sie Ihre Arbeit beschreiben?

Die Konditorlehre dauert drei Jahre. Im ersten Jahr sind die jungen Leute sehr motiviert. Im zweiten Lehrjahr haben sie meist einen „Hänger“ oder man könnte sagen, altersbedingt ist der Kopf manchmal nicht bei der Arbeit und es gibt interessantere Dinge im Leben. Da kann es dann schon manchmal vorkommen, dass es intensivere Gespräche braucht. Wichtig ist der Kontakt mit der Schule und den Eltern. Im dritten Lehrjahr haben sie dann das Ziel der Abschlussprüfung schon vor Augen und die Motivation steigt automatisch wieder. Dies ist aber alles ganz normal. Auch wenn man manchmal über die Jugend schimpft – wir haben bei uns immer ganz tolle junge Menschen in Ausbildung.

Wie bleiben Talente dem Unternehmen treu?

Unsere Lehrlinge lernen bei uns sehr viel, danach ist es wichtig, in andern Betrieben Erfahrungen zu sammeln. Im Optimalfall kommen sie wieder zu uns zurück. Dieses Glück haben wir. Unser Konditorenteam besteht zu mehr als 50 Prozent aus von uns ausgebildeten Konditoren. Wir sind überglücklich mit diesem Spitzenteam. Ich würde sagen, Ziel erreicht!

Sie sind ein guter Arbeitgeber, weil …?

… man bei uns das komplette Berufsbild des Konditors erlernen kann. Das beweisen auch die vielen Erfolge unserer Lehrlinge in sämtlichen Wettbewerben. Wir dürfen uns seit 2004 durchgehend zu den „Ausgezeichneten Lehrbetrieben“ zählen. Darauf sind wir stolz.

Nicole Schneider-Schallert

Ausbildung: Matura HLW-Riedenburg, Konditorlehre, Universitätslehrgang für Tourismusmanagement, Meisterprüfung

Laufbahn: Auslandsaufenthalte in den USA und England, seit 2008 Geschäftsleitung Café Konditorei Schallert

Alter: 44

Familie: verheiratet, 2 Kinder

Hobbies: Walken im Höchster Ried, Freunde treffen, Gartenarbeit

www.cafeschallert.at