Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Eine perfekte Veranstaltung

Kultur / 23.10.2012 • 19:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Noch einmal muss ich auf „Handwerk und Form“ kommen, die Ausstellung der Bregenzerwälder Handwerker in Andelsbuch, die in den vergangenen zwei Wochen über die Bühne gegangen ist. Denn das alle drei Jahre stattfindende Ereignis war wirklich ungewöhnlich. Die Art der Präsentation macht viel aus, dass man sich die einzelnen Räume quer durch das Dorf erwandern muss, dass man die ausgestellten Stücke in verschiedensten Lokalen, vom Keller bis zur „Brüge“ (wie es bei stemmeisen & zündschnur heißt), damit in unterschiedlichster Umgebung betrachten kann. Allein das zeichnet „Handwerk und Form“ vor vielen anderen Darbietungen aus, allein das macht die Ausstellung, die vor 21 Jahren zum ersten Mal durchgeführt wurde, einzigartig.

so waren denn auch am vergangenen Wochenende Tausende auf dem Weg durch das Dorf, um die oft genialen Entwürfe von Designern, Architekten und Handwerkern zu sehen.

Bei der Preisvergabe ging es nicht um möglichst außergewöhnliche, damit oft in der Praxis nicht brauchbare Entwürfe, sondern viel mehr um die Verschränkung von solidem Handwerk, perfekter Ausführung und ästhetischer Qualität. So wurde zum Beispiel ein erster Preis an ein „Fenster mit Klappläden“ vergeben – eine durchaus übliche Anforderung an einen Handwerker, die in diesem Fall aber auf besondere Art gelöst wurde. Einen zweiten Preis erhielt ein Schneidbrett, ein alltäglicher Küchengegenstand, allerdings in Keilform und damit eine Ausführung, die „nicht reduzierter und selbstverständlicher hätte ausfallen können“, wie die Jury meinte. Schließlich gab es einen dritten Preis für eine Handwerkerhose, ein „präzise verarbeitetes Kleidungsstück mit klaren Vorteilen für den Arbeitsalltag“. Allein diese Beispiele ­zeigen, wie breit die Palette der Ausstellungsstücke war. Alle ausgestellten Arbeiten können in der Werkraum-Zeitung nachgelesen und nachgesehen werden.

Es ist schlichtweg großartig, was die Bregenzerwälder Handwerker auf die Beine gestellt haben. Und so sollte ihnen auch nicht bange sein, was mit dem in Bau befindlichen Werkraumhaus in Andelsbuch, das von Peter Zumthor geplant wurde, alles geschehen kann. Der Fantasie der Handwerker und des Werkraums Bregenzerwald sind dann keine Grenzen mehr gesetzt.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.