Derart starke Fragen brauchen keine Antwort

Kultur / 24.10.2012 • 20:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Galerie.Z zeigt einen Querschnitt durch das zeichnerische Werk von Oswald Oberhuber.

Hard. (VN-ag) Oswald Oberhuber gilt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten des österreichischen Kunstbetriebs. Vielseitig tätig, ist der Künstler Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer, Literat, Designer, Bühnenbildner, Sammler und Ausstellungsmacher, war langjähriger Rektor der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, Biennale- und zweimaliger documenta-Teilnehmer.

Dem Zeichner Oberhuber ist die Ausstellung in der Galerie.Z gewidmet, die anhand von Arbeiten auf Papier von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart einen Einblick in ein schier unermesslich facettenreiches, komplexes Werk gibt. „Fragen ohne Antwort“ betitelt der 1931 in Meran geborene, in Wien lebende Künstler sinnig seine Schau, die ausgehend von einem einzigen Medium bereits die unerhörte Vielfalt, und das Sich-nicht-von-einer-Stilrichtung-vereinnahmen-Lassen beweist. Doch gleich zu Beginn wird auch Kontinuität sichtbar gemacht, wenn eine Zeichnung von 1954 den ganz aktuellen Filzstiftarbeiten der Serie „Ruhe in der Ruhe“ (2012) gegenübergestellt wird und formale Analogien unmittelbar sichtbar werden. Linien und Striche, durchgezogen oder fragmentarisch, gekreuzt, aneinander und nebeneinander gesetzt, kleine Haken und Kreise werden in diesen jüngsten Blättern als grafische Kürzel zu einem visuellen Code arrangiert. In anderen Arbeiten, collagenartigen „Fotobildern“, mit Kopien und Übermalungen, agiert Oberhuber, der sich zu seinen künstlerischen Anfangszeiten mit informeller Malerei und Plastik befasste, 1949 die ersten „Gerümpelplastiken“ schuf und mit Texten als Bildwert experimentierte, beinahe narrativ.

Unbegrenzte Möglichkeiten

Und die konsequente Hinwendung zur Figuration in der Gegenwartsmalerei, die Mitte der 1950er-Jahre auf die informelle Phase folgte, wird deutlich. Ab dieser Zeit rief Oberhuber auch die „Theorie der permanenten Veränderung“ aus und stellte die Freiheit des Künstlers und die Pluralität der Formensprache über alle Klassifizierungen und das Verharren in Stilen. Nichtsdestotrotz hat die gezeichnete Linie den Künstler als Konstante durch die vielfältigen Themen und Techniken sein ganzes Œuvre hindurch begleitet. Als poetisch-filigrane Umrisslinie oder als kraftvoll gesetztes Zeichen erscheint sie in spielerisch-leicht wirkenden Transformationen, formt serielle Profilansichten, fließende Übergänge oder geometrisierende Körper. In der Linie und in einem Werk, das sich dem Erstarren in ästhetischen Stereotypen vehement verwehrt, scheint alles möglich. Getreu einer Maxime Oberhubers: „Die unbegrenzten Möglichkeiten haben mich immer interessiert.“ Und wer braucht schon Antworten, wenn die Fragen so aussehen?

Arbeiten von Oswald Oberhuber. Fotos: A. Grabher
Arbeiten von Oswald Oberhuber. Fotos: A. Grabher

Geöffnet ist die Ausstellung bis 24. November in der Galerie.Z in Hard (Landesstraße 11), Di und Do, 18 bis 20 Uhr, Sa, 10 bis 12 Uhr