Die bisher wildeste Freikarte

Kultur / 24.10.2012 • 20:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bilgeri, Burtscher, Batruel und Co. brachten den Saal zum Kochen. Foto: JU
Bilgeri, Burtscher, Batruel und Co. brachten den Saal zum Kochen. Foto: JU

Blues-Urgestein Walter Batruel löste mit Freunden seine „Carte blanche“ ein.

Götzis. „Carte blanche“ – die dritte, die lauteste, die wildeste. Die Freikarte für ein Programm nach eigenen Wünschen hat diesmal das heimische Rock- und Blues-Urgestein Walter Batruel gezogen. Mit seinen „friends“ versammelte er am Dienstag ein halbes Jahrhundert Vorarlberger Popgeschichte auf der Kulturbühne AMBACH.

Batruel, mittlerweile auch schon 65, die schulterlange Löwenmähne als äußeres Markenzeichen sorgsam gepflegt, verkörpert als Aushängeschild der 68er-Bewegung bis heute ein pralles Stück Lebensgefühl der Sechziger, Siebziger. Nicht nur in seiner Musik, sondern auch in seiner Lebensphilosophie als Aussteiger, der sommers in einem Hausboot an der „Costa del Rhi“ (= am Alten Rhein) nichts sein will als ein Pirat im Vogelparadies, abseits aller gesellschaftlichen und sonstigen Zwänge. Seine Klientel ist ihm durch alle Unbilden dieses Lebens treu gefolgt und klatscht oder singt mit und hat eine Gaude daran, sich von Lautsprechertürmen zudröhnen zu lassen.

Seine Gamblers

Grundformation des Abends sind natürlich Batruels Urband, seine Gamblers. Oder das, was davon heute noch übrig ist, neben dem Leader ist das Ausnahmedrummer Martin Hämmerle. 1978 reüssierte Batruel mit seiner selbst gebastelten „Blues Machine“ als Sänger, Gitarrist, Mundharmonikaspieler und Schlagzeuger in einem. Seit 1998 tourt Batruel zusammen mit dem weit jüngeren Dietmar Bitsche im Duo Hems Harlem. Und auch da ist in diesen erdigen Rock- und Bluesnummern von einst noch heute alles vorhanden an unglaublicher Power und dem Feeling eines Urviechs mit Reibeisenstimme und den Riffs auf seiner Gitarre, frech wie Oskar, unverbraucht wie damals. „Blues ischt mi Leaba“, kompromisslos wie das 2008 entstandene Filmporträt von Simon Adamek, das als Pausenfüller gezeigt wird.

Nicht alle „Freunde“, die Batruel eingeladen hat, passen stilistisch in seine Kragenweite. Doch das mischt sich bald, die Gäste spielen gerne die Blues-Masche mit wie der Mundharmonika-Virtuose Cäsar oder Schellins­ki mit Bernie Weber, Batruel übernimmt dagegen auch bei einfachen Dialektliedern wie jenen von „Welcome“ die Gitarrensoli. Nur Thomas Pegram steht für sich allein und verschafft dem Unermüdlichen eine Pause. Das Finale bringt mit Bilgeri und Bassist Heli Burtscher nochmals zwei Altrocker in Stellung. Der virtuose „Säbeltanz“ gelingt Batruel zwar nicht ganz, doch der Saal kocht vor Begeisterung.

Nächstes Konzert in Götzis AMBACH: 3. November, 20 Uhr, Landesjugendchor Magic Voices mit David Helbock und „Multiphonics“