Nah- und Fernsicht spannend vereint

Kultur / 24.10.2012 • 20:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die KUB-Arena-Schau „Nairobi – A State of Mind“ vereint Künstler aus der Hauptstadt Kenias. Foto: VN/Paulitsch
Die KUB-Arena-Schau „Nairobi – A State of Mind“ vereint Künstler aus der Hauptstadt Kenias. Foto: VN/Paulitsch

Inhaltlich sind die neuen KUB-Projekte einander fremd, ein Erlebnis sind sie beide.

Christa Dietrich

Bregenz. Es ist kein Zufall, dass man sich beim Blick auf eine der Arbeiten des Österreichers Florian Pumhösl eine Planskizze des Schweizer Architekten Peter Zumthor für das Kunsthaus Bregenz in Erinnerung ruft, derart eingehend hat bislang nämlich noch kaum ein Künstler auf die Architektur reagiert. Dabei sind in den letzten 15 Jahren viele da gewesen, die es sich nicht nehmen ließen, ihre Arbeiten auf den viergeschoßigen Kubus auszurichten oder gar eigens welche dafür zu schaffen.

So auch der 1971 geborene, in Wien lebende einstige documenta-Teilnehmer, der, wie er im Gespräch mit den VN erläuterte, „dem Impuls gefolgt ist, das imposante Raumvolumen mit einer sehr leisen Arbeit bespielen zu wollen“. Die Arbeiten mit dem Übertitel „Räumliche Sequenz“ ziehen sich nun in Form einer Spirale wie eine Partitur durch drei Stockwerke des Hauses und entpuppen sich als abstrakte Bilder. Die Linien sind dabei nicht gemalt, sondern auf Gipsplatten aufgestempelt, womit ein reproduktives Verfahren für ein Original verwendet wird. Die reinen Motive selbst setzen zudem Assoziationen zu Webmustern, zur erwähnten Architektur, aber auch zum Beginn der Abstraktion in der Kunstgeschichte selbst frei. Somit ist auch die Farbwahl mit einem Indigoblau, die auf die Emaille-Arbeiten von Moholy-Nagy bezogen werden kann, kein Zufall.

Bezug zur ersten Fotografie

Zur ablesbaren Nahsicht auf den spezifischen Raum als eine mögliche Charakterisierung der Arbeiten aus Besucherperspektive zählen außerdem die unterschiediche Größe der jeweils reproduzierten Bilder, der Abstand eines Dreierpaketes zueinander und die Anordnung im Raum. Dass eine der cyanotypischen Arbeiten, die Pumhösl an den Billboards in der Bahnhofstraße zeigt, ins Stiegenhaus verbannt wurde, ist nur verständlich. Das Werk, in dessen Blau man sich verlieren könnte, steht in Beziehung zur ersten Fotografie überhaupt. Dem Blick aus dem Fenster aus dem Jahr 1826 stellt der Österreicher Werke gegenüber, die der Lichteinfall durch ein Fenster auf einem speziell beschichteten Material produzierte.

Kunst aus Nairobi

Ein zumindest vom Konzept her profunder Blick nach außen, also eine Fernsicht, wird dieses Mal in der KUB-Arena deutlich. Kuratorin Eva Birkenstock ist der Kunstszene in der kenianischen Hauptstadt Nairobi begegnet und entspricht so dem Vorhaben von KUB-Direktor Yilmaz Dziewior, sich in der Programmatik des Hauses nicht auf die europäische oder US-amerikanische Szene zu beschränken. Für die Präsentation verschiedener, scheinbar nicht miteinander korrespondierender Arbeiten hat das Designbüro Studio Propolis eine harmlose Ausstellungsarchitektur entwickelt, die herkömmliche Präsentationsformen aber zumindest hinterfragen kann. Die Arbeiten selbst sind von unterschiedlicher Qualität. Während in den großformatigen Kohlezeichnungen von Peterson Kamwathi Waweru die wie auf einem Fries angeordneten Wartenden einige soziale Themen relativ brav transportieren, liefert das Video von Laura Horelli eine signifikante Rückschau auf gesellschaftspolitische Strukturen. Jacob Baruas herausgehobenen Momente aus einer Stadtlandschaft haben nicht nur einen hohen erzählerischen Wert, sie dienen auch als Projektionsfläche bzw. machen auf einen Blick die Diskrepanz zwischen Fotografie und Realität klar. Auch in weiteren Arbeiten steht die Auseinandersetzung mit Lebensverhältnissen eher im Vordergrund als ästhetische Überlegungen.

Inhaltlich sind die beiden neuen KUB-Projekte einander fremd, sollen das auch sein, das unterschiedliche Niveau dürfte das Erlebnis nicht schmälern. ##Christa Dietrich-Rudas##

Der Österreicher Florian Pumhösl (49) hat die Architektur des Kunsthauses konsequent in die neuen Arbeiten einbezogen. Foto: VN/Hofmeister
Der Österreicher Florian Pumhösl (49) hat die Architektur des Kunsthauses konsequent in die neuen Arbeiten einbezogen. Foto: VN/Hofmeister

Die Ausstellungen werden am 25. Oktober um 19 Uhr eröffnet und sind bis 20. Jänner im Kunsthaus Bregenz zu sehen, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr zu sehen