Bösewichte mit Anspruch

Kultur / 26.10.2012 • 16:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Carlos Ruiz Zafón Foto: AP
Carlos Ruiz Zafón Foto: AP

Carlos Ruiz Zafón hat den dritten Band seiner Barcelona-Reihe vor­gelegt.

Roman. Es kann ganz schön kalt werden im sonnenver­wöhnten Barcelona. Im De­zember 1957, in dem alle Tage „bleiern und raureifgetüncht“ anbrechen, hüllen sich die Einwohner der spanischen Mittelmeer­metropole in dicke Mäntel. Vor dem Schaufenster der Buchhandlung „Sempere & Söhne“ – man kennt sie aus „Der Schatten des Windes“ – bleibt kaum einer stehen. Da betritt plötzlich eine finstere Gestalt den Laden und kauft eine teure Ausgabe von „Der Graf von Monte Christo“.

Und schon sind wir mitten drin in der Welt des Carlos Ruiz Zafón. Nach dem Riesenerfolg von „Der Schatten des Windes“ und dem Folgeband „Das Spiel des Engels“ hat der spanische Autor mit „Der Gefangene des Himmels“ nun den dritten von geplanten vier Bänden seiner Barcelona-Reihe vorgelegt. Wie in den ersten beiden geht es wieder um Bücher und um Bösewichte, die spanische Geschichte, Liebe und Intrigen.

Wir begegnen vertrauten Figuren: Dem Buchhändler Sempere und seinem Sohn Daniel sowie deren Gehilfen Fermín Romero de Torres. Daniel, so kennen wir ihn, macht sich erst einmal auf, zu erkunden, um wen es sich bei dem mysteriösen Kunden handelt. Fermín hat derweil andere Probleme: Er will heiraten, hat aber keine gültigen Papiere, weil er 1940 für tot erklärt worden war. Nun enthüllt er Daniel ein bis dahin unbekanntes Kapitel seiner Lebensgeschichte.

Verschlungene Handlungspfade, auf denen der Leser sich verlieren könnte, wenn er die beiden vorherigen Bände nicht kennt, gibt es zwar, aber es finden sich wieder die Leitmotive Zafóns. Da ist die Lust zu lesen, da ist das verlorene Buch, das auf seinen Käufer wartet. Es gibt einen Endkampf zwischen Gut und Böse. Doch in bester Cliffhanger-Manier lässt Zafón nur einen Hinweis auf den Schurken finden.

Carlos Ruiz Zafón: „Der Gefangene des Himmels“, Verlag S. Fischer