Ein Text voller Hingabe

Kultur / 26.10.2012 • 16:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Schriftstellerin Gabriele Bösch hat ihr zweites Buch vorgelegt. Foto: VN
Die Vorarlberger Schriftstellerin Gabriele Bösch hat ihr zweites Buch vorgelegt. Foto: VN

Das klassische Verhältnis Maler-Modell löst sich in der „Schatten­fuge“ hinreißend auf.

Roman. (VN-cd) Will man ein Beispiel für enorme Vielseitigkeit nennen, bietet sich Gabriele Bösch geradezu an. War es in „Der geometrische Himmel“ eine Geschichte über Kindheit, Familiensinn und ein Zusammenleben, das in der Region angesiedelt ist, so verdichtet die Vorarlberger Schriftstellerin nun eines der größten Themen zu einem Bild – die Liebe.

Und weil es mit den Gefühlen, mit dem Schmerz, mit der Hoffnung und der Angst vor der Hingabe nie einfach ist, findet sie für dieses Bild – das man wörtlich nehmen kann – auch einen entsprechenden Rahmen. Sie ist Malerin, er ein Architekt und ihr Modell. Die Umkehr einer klassischen Rollenverteilung ist durchaus hilfreich, wenn es darum geht, das Gegenüber nicht nur abzubilden, sondern zu erkunden, um damit mehr über sich selbst zu erfahren.

Starke Perspektiven

Extrahiert man einige Motive aus dem Text, so würde man beim Weltverdruss, beim Ausstieg aus dem bisherigen Alltagstrott, bei der Sinnsuche oder bei der Angst vor dem Verlassenwerden landen. So existenziell die Dinge sind, so abgenützt sind sie allerdings auch. Bei Bösch erfahren sie einen Neuwert, unter anderem durch die Form, die sie wählt, durch das Erzählen aus exakt eingehaltenen Perspektiven.

Findet sich die Leserin da erst einmal hinein, eröffnet sich nicht nur ein farbenreiches Gefühlsspektrum, sondern auch eine Art der Verschriftlichung desselben, die trotz gelegentlicher, aber durchaus sympathischer Holprigkeit ungemeine Spannung enthält.

Nachdem es mit der Liebe ja grundsätzlich nicht einfach ist und mit der Hingabe schon gar nicht, skizziert Bösch auch noch jenen Moment, an dem sie bereits wieder in Frage gestellt werden. Ohne Pathos, ohne Larmoyanz und ohne ekelhafte Belehrsamkeit einiger Bestsellerautoren. „Schattenfuge“ ist ein Buch über die Liebe und es ist noch mehr, nämlich ein Text, der dem Unbeschreibbaren, der Hingabe, für Menschen des 21. Jahrhunderts auf die Spur kommt.##Christa Dietrich-Rudas##

Zur Person

Gabriele Bösch

Geboren: 1964, aufgewachsen in Koblach

Werke: Romane „Der geometrische Himmel“, „Schattenfuge“, Theaterstücke, Hörspiele

Auszeichnungen: Literaturstipendium des Landes Vorarlberg

Wohnort: Hohenems

Gabriele Bösch. „Schattenfuge“, Verlag Limbus