Hirtengott Pan wäre da glatt neidisch geworden

Kultur / 26.10.2012 • 18:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Flötist Hossein Samieian im Salomon-Sulzer-Saal. Foto: VF
Flötist Hossein Samieian im Salomon-Sulzer-Saal. Foto: VF

Flöte und Klavier im meisterhaften Gleichklang – das zeigte sich im Sulzer-Saal.

Hohenems. Ja, wenn Pan gewusst hätte, zu welcher Musik dieses Instrument fähig ist, er hätte der Nymphe Syrinx schon bedeutend früher nachgestellt. Die flüchtete sich vor dem Hirtengott nämlich an das Ufer des Flusses Ladon, und als kein Ausweg mehr zu bleiben schien, verwandelte sie sich in ein Schilfrohr. Und als der Wind über den See strich, entlockte er der ersten Flöte die ersten Töne. So heißt es, und Jahrtausende später durfte man im Hohenemser Salomon-Sulzer-Saal einen wirklich gelungenen Abend zwischen Flöte und Klavier genießen.

Der aus Teheran stammende Soloflötist Hossein Samieian und der polnische Konzertpianist Michal Misz­kiel formten die Musik als sensible und schön aufeinander abgestimmte Partner zu voller Harmonie. Wunderbar im Wechselspiel, elegant im Gleichklang, mal energisch aufbegehrend und dann wieder verträumt verebbend, so hob zum Beispiel Bachs Sonate in g-Moll oder auch Mozarts Andante in C-Dur, KV 315 an.

Jeder Ton ein Flügelschlag

Leichtfüßig schnell wechselten Samieian und Miszkiel dann zu Dopplers Fantaisie pastorale hongrois, op. 26, um dann mit Chopins Préludes op. 28 eine wahre Hommage an das Klavier erklingen zu lassen. Traumhaft schön. Und was natürlich auch nicht fehlen durfte, wenn man schon ein Konzert mit Flöte und Klavier programmiert, ist natürlich auch die musikalische Verbeugung vor dem Hirtengott Pan. Die unternahm man mit Jules Mouquets Sonate „La Flute de Pan“, op. 15 – und sie gelang absolut. Teilweise glaubte man sich inmitten eines Vogelschwarms, jeder Ton ein sanfter Flügelschlag. Und um den Reigen, auf den sich Flöte und Klavier hier einließen, komplett zu machen, setzten François Bornes „Fantaisie brillante sur Carmen“ und Franz Schuberts „Ständchen“ den gekonnten Schlusspunkt. Schubert kam übrigens bereits außerhalb des regulären Programms – also als Zugabe – zum Zug.

Was zu sagen bleibt, ist, dass es eine Freude war, Hossein Samieian und Michal Miszkiel beim gemeinsamen Spiel beobachten zu dürfen. Noch besser, die Musiker sind als Lehrende an der Musikschule tonart und der Musikschule Liechtenstein tätig. Und die Bilanz des Abends: Pan wäre neidisch geworden.